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Später Ruhm auch weltweit: Hailu Mergia
Foto: Ian G.C. White

Back to Business – im falschen Format?

28. Juni 2022

Die Musikbranche zwischen Hoffnung und Bangen – Unterhaltungsmusik 07/22

Vor der Pandemie waren die Clubs und Konzerthallen regelmäßig voll. Das ist gut für die Musiker:innen, die schon lange nicht mehr von den rückgängigen Verkäufen ihrer Platten leben können. Noch ist der Konzert-Boom durch die Nachwirkungen der Pandemie etwas angeschlagen, die Konzerte nicht ganz so voll wie vorher, doch die Zeit wird das hoffentlich bald richten. Doch – abgesehen von einem ungewissen Herbst und Winter – schon kommt die nächste Hiobsbotschaft für die Musikbranche. Einer der größten Paketdienste der Welt, DHL, wird Anfang Juni sein Angebot „Warenpost International“ derart verändern, dass durch neue Paketmaße für Schallplatten ein dreimal so hohes Porto wie bisher anfällt. Für viele Plattenlabels und auch Plattenläden könnte dass das Ende bedeuten – und indirekt dann auch auf die Musiker:innen zurückfallen. Eine vom Kölner Plattenladen Drake gestartete und vom Kölner House-Produzenten Andy Vaz unterstützte Petition auf change.org thematisiert die Problematik.

Finanzielle Sorgen machen müssen sich Tocotronic wohl weniger denn je in ihrer fast 30-jährigen Karriere. Sie waren auf jeden Fall wieder sehr hellsichtig, als sie ihr neues, 13. Studioalbum, das am 28. Januar 2022 erschien, „Nie wieder Krieg“ nannten. Auch wenn sie damit einen etwas heiklen Move von Punk („Ein bißchen Krieg“, DAF) zu Hippie oder gar Schlager („Ein bißchen Frieden“, Nicole) machen – es scheint in Angesicht der Weltlage dann doch die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Und natürlich kommen Tocotronic mit ihren vielschichtigen und mehrdeutigen Texten nicht wirklich beim Schlager an, vielmehr gibt es eine große Palette vom wunderschön-zarten „Ich tauche auf“ mit Soap&Skin bis zum Gegenpol „Ich hasse es hier“ – im Video mit Helena Zegel, dem Jungstar aus „Systemsprenger“. Also doch Punk … (1.7., 20 Uhr, E-Werk). Der Äthiopier Hailu Mergia hat in den 70er Jahren in der Walias Band Keyboard gespielt. Außerhalb Äthiopiens wäre das inzwischen fast vergessen, denn nach seinem Umzug in die USA hat er danach nur 1985 ein weitgehend unbeachtetes Album veröffentlicht. Dank Labels wie Analog Africa, Strut, Buda Musique und in seinem Fall vor allem Awesome Tapes from Africa wurden in den letzten 20 Jahren neben ihm und Mulatu Astatke viele andere Musiker zwischen Funk, Jazz, Afro Beat und afrikanischer Folklore oder wie hier auch orientalischer Elemente wiederentdeckt (22.7., 20 Uhr, Stadtgarten).

Christian Meyer-Pröpstl

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