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Ji hyung Song
Foto: Ivo Faber

Vom Wesen der Dinge

28. August 2019

„Sommer“ im Düsseldorfer KIT – Kunstwandel 09/19

Morgens am Rhein in Düsseldorf, gleich hinter der alten Staatskanzlei liegt das KIT, ein Raum direkt unter der Rheinuferpromenade. Dort ist bis Oktober noch „Sommer“, die Ausstellung über zeitgenössische Performances, zu sehen. Vier Künstlerinnen lassen die Jahreszeit erfahren zwischen Parkbank und Bühne, zwischen Tunnelblick und bunten Köderfischen. Dabei interessiert Maïly Beyrens, Verena Buttmann, Signe Raunkjær Holm und Ji hyung Song – wie sie sagen – die selbstverständliche Kommunikation mit der Welt, aber auch wie sich Besucher im jeweiligen Setting verhalten. Das ist interessant und deshalb bin ich da. Frühmorgens an einem Tag an dem keine Performance stattfindet, wo nur die Röhre und ich kommunizieren können und die Objekte, die für die Performer temporär zu Requisiten werden.

Wie morgens üblich beginnt der Tag vor dem Badezimmerspiegel mit Zähneputzen und 22 Minuten Dialog, wobei der Eindruck entsteht, das Pärchen dort redet permanent aneinander vorbei. Gesteinsproben, Email: Verena Buttmanns Video „Der Auftritt“ lässt hoffen, dass die Kommunikation zwischen mir und den Dingen linearer wird. Etwas weiter hat Ji hyung Song ein durchscheinendes Gewehr an die Wand montiert, Statement oder Skulptur, die koreanische Künstlerin kommt weiter hinten noch einmal zu Wort, dort wird nicht geschossen, sondern auf einem Podest geangelt. Geben und Nehmen im Kapitalismus, das sollte eine widerborstige Performance werden, wenn der Besucher in „Do You Feel Me“ entscheiden muss, ob er den bunten Köderfisch erbeutet oder ihn verschenkt. Alle noch übrigen hängen in einer Vitrine und werden so erst einmal zu Kunstobjekten.

Das Wesen der Dinge, die hier den Tunnel füllen, kann man an diesem Morgen nur spüren, manche bleiben unbelebt, wie die weißen Kostüme der zwei Performer in „Die Kammer“ von Verena Buttmann. Quer über die Röhre liegen ihre Bretter der Welt, man muss sie betreten um weiterzukommen, eine schöne theatralische Idee auch ohne Bewegung. Ich zitiere still mal etwas Kleist. Zurück geht es über Kunst als stille Abwesenheit an sich bei Signe Raunkjær Holm und Maïly Beyrens, die eine baute ein Setting aus Parkbänken und Rosenbögen, deren Funktion geheimnisvoll bleibt, die andere installierte das Büro einer frisch gegründeten Transportfirma. Performances nicht verpassen!

Sommer | bis 6.10. | KIT Düsseldorf | 0211 892 07 69

Peter Ortmann

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