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Marode Schönheit, das Düsseldorfer Schauspielhaus
Foto: Presse

Sanierungsstückwerk

30. April 2015

Düsseldorf muss sein Schauspielhaus für 11 Monate schließen – Theater in NRW 05/15

Und jährlich grüßt das Murmeltier. Als Staffan Valdemar Holm 2011 seine Intendanz am Düsseldorfer Schauspielhaus antrat, dauerte es noch Monate, bis er tatsächlich ins große Haus einziehen konnte. Nun blüht Wilfried Schulz, der ab der Spielzeit 2016/17 am Gustaf-Gründgens-Platz das Sagen hat, weit Schlimmeres. Von Januar bis November 2016 muss das gesamte Haus saniert werden, obwohl bereits in den Jahren 2006-08 und 2009-11 Bühnentechnik und das große Haus überholt wurden. Nun sind die Wasserleitungen, die Lüftungs- und Heizungstechnik, außerdem Fassade und Dach dran. Bei einem der letzten Starkregen sind offenbar Rohre gebrochen und 70 Kubikmeter Wasser in den Keller gelaufen, wo sie für Kurzschlüsse gesorgt haben. Und da das Haus während der Sanierung nicht bespielbar ist, wird auch gleich die Beleuchtungsanlage auf LED-Technik umgestellt. Nun mögen Sanierungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit und energetischer Standards sinnvoll sein, doch drei Großsanierungen innerhalb von 10 Jahren, das klingt nach Stückwerk.

Der Zeitplan wirkt sehr ambitioniert, auch weil es derzeit noch keinen Beschluss der Gesellschafter (das Land NRW und die Stadt Düsseldorf) zur Sanierung gibt. Der soll erst im Mai ergehen, danach folgen dann die europaweite Ausschreibung und die Vergabe. Und ob 11 Monate Sanierungszeit überhaupt reichen, ist zweifelhaft. Sanieren im Bestand birgt immer Unwägbarkeiten. Glück im Unglück könnte das Schauspielhaus insofern haben, als im Frühjahr 2016 die Tiefgarage unter dem Platz abgebrochen wird und der Lärm vermutlich den Spielbetrieb erheblich beeinträchtigt hätte. Von einem pünktlichen Start für Wilfried Schulz, wie es Kulturdezernent Hans-Georg Lohe versprochen hat, kann trotzdem keine Rede sein.

Und auch die Kostenplanung ist waghalsig. Mit 14 Mio. Euro sind die Gesellschafter angeblich dabei. Aus dem Schauspielhaus sind allerdings andere Summen zu hören: 10 Mio. Euro soll allein die neue Gebäudetechnik kosten, 6-8 Mio. kommen für die Sanierung von Dach und Fassade hinzu. Ganz zu schweigen von den Zusatzkosten für den mehrmonatigen Umzug und den Wegfall der Einnahmen. Denn der Spielbetrieb wird ins Central, das Proben- und Werkstattzentrum des Schauspielhauses am Hauptbahnhof, verlagert. Dort gibt es zwar eine voll funktionsfähige Bühne mit variablem Zuschauerraum, dieser fasst aber nur 300-400 Zuschauer. Weniger Zuschauer heißt jedoch weniger Einnahmen. Und genau die sollte doch der derzeitige Interimsintendant Günther Beelitz konsolidieren, nachdem zuletzt die Besucherzahlen in den Keller gegangen sind. Finanzielle Entlastung dürfte allein durch ein Förderprogramm des Bundes kommen, das die Generalüberholung von der Gebäudetechnik in Kulturbauten unterstützt. Wie schon Wuppertal und Köln bekommt nun auch Düsseldorf die Quittung für die jahrelange Flickschusterei bei der Sanierung eines Gebäudes aus den 60er Jahren. Der jahrelange Schlendrian, der bekanntlich auch die Infrastruktur in NRW erheblich beeinträchtigt, rächt sich jetzt, in Zeiten knapper Kassen.

Hans-Christoph Zimmermann

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