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Foto: Ingo Solms

Reich und depressiv

10. Februar 2022

„Rettet den Kapitalismus“ – Theater am Rhein 02/22

Die Begleitcombo setzt sich zusammen aus einem ein Elektropiano und zwei markanten Bläsern: Der Soul von Jericho (vulgo: der einstürzenden Mauern) kann nie schaden, wenn es darum geht, die Grundfesten des Kapitalismus zu erschüttern. Band und Moderatorin (Mira Wickert) tragen zudem eine derart banale Westernkostümierung, dass sie fast schon revolutionär wirken. „Rettet den Kapitalismus!“ ist als Revue angelegt, zu der waschechte Klassenkämpfer der kapitalistischen Raffgier ihre Reichtums-Rechtfertigungen vortragen. Wenn sich zunächst ein Investmentbanker und ein Unternehmensgründer zwischen stilisierten Hochhausbauten und Einfamilienhäuschen zu Wort melden, lahmt der Abend aber noch: Hohle Phrasen, Discount-Smartness und argumentativer Tiefflug wirken allzu konventionell. Unterhaltsam wird es erst, wenn die Produktion ins absurde Fach überwechselt. Gareth Charles als plötzlich zu Reichtum gekommener Youngster lässt im Schlafanzug seiner Übermonetarisierungs-Depression freien Lauf. Und sein Auftritt als kölscher „Kapitalvernichter“, der als geldscheinfressende Kellerassel der Inflation vorbeugt, ist fast genial. Nicht minder beeindruckend Matthias Lühn als guruhafter Gefängnis-Berater für in Haft gekommene Wirtschaftsverbrecher oder als heruntergekommener „Hauptschuldner“ mit einer Dornenkrone aus Geldscheinen. Hier gelingen Regisseur Heinz Simon Keller und Dramaturgin Ulrike Janssen Preziosen einer ironisch-affirmativen Kapitalismuskritik. Dass sich am Stilmittel der Affirmation auch die Verzweiflung der zeitgenössischen Kritik ablesen lässt, muss man nicht extra betonen.

Rettet den Kapitalismus! | R: Heinz Simon Keller | Theater der Keller | 13., 18. 20.2. | 0221 31 80 59

HANS-CHRISTOPH ZIMMERMANN

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