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Aphe & Noah
Aphe & Noah

Unbestimmte Atmosphären

18. November 2020

„Parallel2.0“ von Aphe & Noah im Kunsthafen – Kunst 11/20

Im unter neuer Leitung noch ziemlich frischen Kunsthafen wurde in der letzten Woche die Ausstellung „Parallel“ des Künstlerduos Aphe & Noah gezeigt. Eigentlich wären die gemeinsam gemalten Gemälde der beiden Künstler Noah Kauertz und Oliver Hollatz noch bis zum 8. November zu sehen gewesen. Doch der erneute Lockdown schlug auch in den Museen ein. Grund genug, die Kunst der jungen Maler in dieser eigensinnigen Räumlichkeit zumindest über Worte erfahrbar zu machen.

Ein Großteil der ausgestellten Leinwände entstand tatsächlich in einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit: Beide Männer malten gleichzeitig, manchmal sogar an derselben Stelle, und ließen die Synergien fließen. Die Arbeit auf diesem Material war für das Duo neu; sonst widmen sie sich der Wandmalerei. Werke von ihnen sind zum Beispiel in Aachen und Dortmund, den Heimaten der beiden, zu bestaunen – aber auch in Tiflis, Georgien. „Das ist ein komplett freies Arbeiten“, erzählt Noah am letzten geöffneten Wochenende im Kunsthafen. „Die Wandmalereien entstehen auch im Bezug zu ihrem Umraum. Für dieses Projekt haben wir im Atelier Bilder erschaffen, die für sich stehen.“


Aphe mit Gast im Kunsthafen, Foto: Lukas Soboll

Die Gemälde strahlen mit einer Mischung von Farben, die sich jeglichem Diktat entzieht. Es kommen Abstraktion und darstellende Kunst in porträtartigen Momentaufnahmen zusammen, Licht und Dunkel, Tiefe und Nähe, Innen- und Außenraum. Häufig gehen die Darstellung auch stark in Richtung Stillleben, ohne dabei die Neugier für Texturen und Übergänge zu verlieren. „Wir haben uns in der Kunsthochschule auch über die Farbe kennengelernt“, verrät Noah. „Über unsere Sympathien; die Wichtigkeit, die die Farbe für uns hat.“ Noah studiert nach wie vor an der Alanus in Bonn: „Ich genieße noch den freien Raum.“ Bildende Kunst ist das Fach des 26-Jährigen, Kunstpädagogik und -therapie das seines drei Jahre älteren Mitkünstlers Aphe.

Ineinandergreifen von Gegensätzen

„Zwischen uns gibt’s sehr viele Parallelen“, nimmt Noah auf den Titel der Ausstellung Bezug. „Im dialogischen, gleichzeitigen Malen ist das Agieren und auf den anderen Reagieren besonders spannend. Wir überlegen zusammen.“

Die meisten der gezeigten Gemälde entstanden in einem sehr kurzen Zeitraum von drei, vier Wochen; zuerst wurden sie im Februar in Dortmund ausgestellt. Für Köln kamen weitere hinzu. Zwei Bilder präsentieren ein faszinierendes Wechselspiel der Materialien Acryl und Wachsmarker, beide in der Farbe Schwarz: Wie eine Nachtaufnahme schillert der gezeichnete Vordergrund auf der Acrylbasis.

„Das ist so ein Positiv-Negativ“, kommentiert Noah. „Wir spielen gerne mit der Erscheinung. Es geht bei uns immer um Räume und Licht, und das hängt ja auch zusammen.“

Ein anderes Kunstwerk vereint die Techniken Pinsel, Schwamm und Sprühdose, um dann mittels Hochdruck-Presse in einer limitierten Auflage reproduziert zu werden. Das aktuellste Gemälde des Duos bildet sowohl den Anfang als auch das Ende des Rundwegs, der mittels eingefügter Wände in die Säulenhalle des Kunsthafens gebaut wurde. „Still eben“ fügt sich in das durchgezogene Thema der kontemplierenden Räume und der Stillleben. „Eigentlich sind das zwei Bilder, die ineinandergreifen“, so Noah. Ein Phänomen, das auch in den anderen Werken von Aphe & Noah auffällt.


Entstehungsprozess des Gemäldes „Eclipse“, Foto: Künstler

„Von Blüten und Natur haben wir uns zu etwas ganz Stillem inspirieren lassen; Räume in einer unbestimmten Atmosphäre einzufangen. Das Spiel mit Form, Farbe, Licht und der Abstraktion von Licht hat diese atmosphärische Wirkung.“

Schließung im November

Dass ihre Ausstellung jetzt nur die Hälfte der geplanten Zeit zu sehen ist, findet Noah natürlich sehr schade. „Aber da kann man nichts machen erstmal. Es ist umso schöner, dass wir überhaupt eröffnen konnten.“ Jetzt werden die Künstler wieder auf Wandarbeiten zurückgreifen, draußen, allein – wenn das Wetter mitspielt. „Das wird dann Kunst für die Leute, die gerade jetzt draußen Frischluft suchen. Gewisse Aufträge fallen natürlich weg.“ So unter anderem eine Ausstellung in Aachen.

Aber zusammenarbeiten können die beiden, „zwei Haushalte dürfen sich ja noch treffen.“ Den ersten Versuch, einen digitalen Zugang zu ihrer Kunst zu schaffen, bewertet Noah als nicht so zufriedenstellend. „Aphe hat eine Vernissage in Dortmund digital gemacht. So konnte man zwar ins Gespräch kommen. Aber man macht das halt eigentlich nicht, um es dann digital zu zeigen.“ Über den Äther geht viel Wirkung verloren.

Auch die Betreiber des Kunsthafens sind von der Schließung stark getroffen. „Der November wäre unser vollster Monat gewesen“, berichtet Nadine Kiala aus dem Leitungsteam. „Auch für unsere Künstler*innen ist es natürlich schlimm. Wir überlegen, manches online zu machen, aber das wird der Kunst eigentlich nicht gerecht“, befindet auch sie. „Das ist einfach nicht das gleiche Erlebnis, das man vor Ort und mit dem Austausch hat.“ Dabei hatten sie alles bereits nur noch minimal gehalten. „Wir hatten ein Hygienekonzept aufgestellt und den Betrieb aufs Stärkste runtergeschraubt. Gesundheit geht natürlich vor, aber man fühlt sich schon wenig gesehen.“

Der Kunsthafen hat den Vorteil, dass diese Stätte im Kunsthaus Rhenania vom Kulturamt gefördert wird. Die Stadt Köln übernimmt die Miete, und während des Lockdowns muss das Betreiberteam auch keine Nebenkosten zahlen. „Aber uns geht es um die Kunst“, findet Kiala eindeutige Worte. Eine Lesung wurde am Freitag noch abgehalten. Die nächste Ausstellung soll nun Anfang Dezember stattfinden, wenn alles glatt geht.

Nächste Ausstellung: Viola Yeşiltaç – Die Landvermesserin II | geplant: 6. - 28.12., Di-So 10-18 Uhr | Kunsthafen im Rhenania | Eintritt frei | www.kunsthafen.com

Rosanna Großmann

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