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Thomas Höft plauderte bei „Zuhause bei Familie Offenbach“ aus dem Nähkästchen
Foto: Verena Düren

Der Kölner Jacques Offenbach

28. Juni 2019

Das Offenbach-Festival ließ den „kölschen Jung“ mit anderen Ohren hören – Festival 07/19

Ganz Köln ist Offenbach – so ungefähr lässt sich die Stimmung und Atmosphäre in Köln während des Offenbach-Festivals beschreiben, das am 27. Juni zu Ende ging. Zumindest für dieses Jahr, denn es besteht die Hoffnung, dass die Auseinandersetzung mit dem (fast vergessenen) Kölner ausgehend vom Offenbach-Jahr Bestand haben wird. In zahlreichen Formaten, die Stadtführungen auf den Spuren Offenbachs ebenso beinhalten wie Konzerte und Musiktheater, wurden und werden Oeuvre und Leben Jacques Offenbachs beleuchtet. Zu einer der Eigenveranstaltungen lud die Kölner Offenbach-Gesellschaft am 16. Juni in die Außenspielstätte am Offenbachplatz ein. Claudia Hessel, Vorsitzende, und Thomas Höft, Künstlerischer Leiter des Festivals, führten durch das interessante und kurzweilige Programm „Zuhause bei Familie Offenbach“.


Le Quatuor Romantique, Foto: Hermann Hermes

Wie war das Familienleben der Offenbachs? Wie wuchs der kleine Jakob in den ersten vierzehn Jahren seines Lebens in Köln auf? Was hat ihn in der Zeit geprägt? Das waren die Fragen, denen Hessel und Höft amüsant, aber ebenso wissenschaftlich fundiert nachgingen. Musikalisch erklangen Lieder-Perlen aus dem Familienalbum, interpretiert von Dana Marbach (Sopran) und Izhar Elias (Biedermeiergitarre). Offenbachs Vorliebe für sein Instrument, das Violoncello, spiegelte sich auch in dem „Priere de Moise“ wider, das von Mitgliedern von „Le Quatuor Romantique“ umgesetzt wurde.


Hellige Knäächte un Mägde & Ensemble, Foto: Hermann Hermes

Natürlich kann man sich nicht mit den Kölner Einflüssen Offenbachs auseinandersetzen und den Karneval völlig außer Acht lassen. So kam auch Offenbachs Lehrer (und Karnevalskomponist) Bernhard Breuer musikalisch zum Zuge, ebenso wie auch die Hellige Knäächte un Mägde. Denn die Karnevalsformation, die mit zu den Ältesten in Köln gehört, gab es auch schon in Offenbachs Kindheit. Mit historischen Tänzen bildeten sie das fulminante Finale, bei dem natürlich auch ein Can-Can nicht fehlen durfte.


Foto: Hermann Hermes

Einen musikalischen Leckerbissen bot die halbszenische Aufführung von Offenbachs Opéra comique „Fantasio“, die der Chor der Opera Zuid und die philharmonie zuidnederland am 21. Juni in der Kölner Philharmonie aufführten. Neben den vielen weniger bekannten Werken, die Offenbach für das Publikum bereithält, handelte es sich hier um eine im wahrsten Sinne des Wortes verschollene Musik, die erst 2013 wieder erklang. Die Oper wurde 1872 uraufgeführt und basierte auf dem gleichnamigen Schauspiel von Alfred de Musset.

Eine bayerische Prinzessin, die kurz vor der Hochzeit mit dem ihr unbekannten Prinzen von Mantua steht, verliebt sich in die Stimme des Studenten Henri. Da es für die beiden kein gemeinsames Glück geben kann, übernimmt Henri als „Fantasio“ den gerade frei gewordenen Posten des Hofnarren am Hofe des bayerischen Königs. Die Mezzosopranistin Romie Estèves brillierte in ihrer Rolle des Fantasio, ebenso auch Anna Emelianova als Prinzessin. Den bürgerlichen Aspekt brachten die studentischen Freunde Fantasios ein (Ivan Thirion, Jeroen de Vaal, Rick Zwart und Jacques de Faber), die sowohl in Solo-Partien, vor allem aber auch in ihren Ensemble-Nummern überzeugten. Für ein wenig Klamauk sorgten neben den Studenten vor allem die Oberhäupter, die sich gerne feiern lassen (Huub Claessens als König von Bayern) und die Familie in spe ausspionieren lassen (Roger Smeets als alberner Prinz von Mantua). Wunderbar musiziert wurde dies unter anderem vom der philharmonie zuidnederland sowie dem Chor der Opera Zuid unter der Leitung von Enrico Delamboye. Am Ende siegt die Liebe und – dank einer flammenden Antikriegs-Rede von Fantasio – der Frieden. Welch schöne Neuentdeckung!

Verena Düren

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