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Fagottist Mathis Stier
Foto: Sophia Hegewald

„Von Alt bis Neu wird alles dabei sein“

17. August 2023

Mathis Stier über sein Konzert im Rahmen der Reihe Rising Stars in Köln – Interview 08/23

Der Fagottist spricht im Interview über sein Konzert im Rahmen der Reihe Rising Stars – die Stars von morgen, sein Instrument und die Arbeit für das WDR Sinfonieorchester.

choices: Herr Stier, das Fagott ist ja nicht unbedingt ein Anfänger-Instrument – wie sind Sie dazu gekommen?

Mathis Stier: Meine musikalische Früherziehung hatte ich so gesehen tatsächlich auf der Blockflöte. Allerdings war mein Lehrer eigentlich Fagottist und drückte mir irgendwann ein Fagottino in die Hand. Das kann man sich quasi wie ein Kinderfagott vorstellen. Mit zehn Jahren habe ich dann ein richtiges Fagott bekommen, das mir aber damals auch noch bis zur Nase ging. Ich war dann Jungstudent in München, wo ich dann nach dem Abitur als regulärer Student war. Danach hatte ich das Glück, in die Orchesterakademie der Berliner Philharmoniker aufgenommen zu werden, von wo aus es direkt zum WDR Sinfonieorchester ging. Parallel habe ich dann noch einen Master in Basel gemacht.

„Das Instrument hatte etwas Skurriles, was ich damals einfach toll fand“

Was hat Sie denn am Fagott gereizt?

Ich glaube, nach den hohen Tönen der Blockflöte haben mich beim Fagott die tiefen Töne gereizt. Die fand ich damals einfach cool. Außerdem hatte das Instrument etwas Skurriles, was ich einfach toll fand. Ich hatte damals total Lust drauf, etwas Neues anzufangen.

Wie sieht denn das Repertoire für Fagott gerade am Anfang aus?

Es gibt natürlich auch für Fagott die klassischen Schulen. Aber ich habe vor allem schon ganz früh Kammermusik gespielt. Meine Schwester spielte damals Oboe in einem Bläserquintett und ich bin kurzerhand eingesprungen, als der eigentliche Fagottist ausfiel. So gesehen ist Fagott ein Super-Einstiegs-Instrument, denn man ist sehr schnell in der Lage, Orchesterwerke oder auch Kammermusik zu spielen.

„Die Fagottisten werden immer als die Clowns im Orchester gesehen“

Häufig sind Instrumente ja mit einem gewissen Klischee verbunden – wie beispielsweise die Bratschen oder auch Hörner, die ja gerne als „Glücksspiralen“ bezeichnet werden. Gibt es auch ein Fagott-Klischee im Orchester?

Ja, tatsächlich (lacht). Die Fagottisten werden immer als die Clowns im Orchester gesehen. Das betrifft aber gar nicht so sehr den Menschenschlag, sondern hat auch mit dem Repertoire zu tun, in dem das Fagott oft recht humorvoll eingesetzt wird. Auf der anderen Seite klingt das Fagott oft auch eher klagend-lyrisch. Menschlich gesehen sind die meisten Fagottistinnen und Fagottisten recht entspannt.

Sie spielen nicht nur im Orchester, sondern sind ja auch als Kammermusiker und Solist unterwegs und haben zuletzt auch unterrichtet. Gibt es da irgendwelche Präferenzen bei Ihnen?

Ich habe gerne mal alles gemacht, möchte aber gerade möglichst viel spielen, sodass ich erst mal nicht weiter an der Hochschule sein werde, wo ich zuletzt mangels Fagott-Professor tätig war. Was mich sowohl an der Kammermusik als auch beim Orchester fasziniert, ist das gemeinsame Arbeiten. Das ist immer auch eine Herausforderung, da man einen gemeinsamen Konsens finden muss. Ich bin beispielsweise inzwischen seit sechs Jahren beim WDR in Köln, aber es ist bei jedem Projektbeginn wieder ganz neu.

Haben Sie hinsichtlich des Orchesterrepertoires und der Kammermusik Lieblingsstücke?

Was das Orchester betrifft, so finde ich die Sibelius-Sinfonien und Werke von Schostakowitsch besonders schön. Bei der Kammermusik würde ich nicht unbedingt ein konkretes Werk nennen wollen. Ich mag vielmehr besonders die Kammermusik für gemischtes Ensemble, also mit Streichern und Bläsern. Da findet man oft ausgefallene Besetzungen und man hat durch die Kombination von Streichern und Bläsern jedes Mal eine andere Herangehensweise.

Was erwartet das Publikum bei Ihrem Rising Stars-Konzert in der Kölner Philharmonie?

Ich habe mir ein Programm überlegt, das zum einen für Publikum geeignet ist, das noch nie Fagott solo gehört hat. Auf der anderen Seite werden aber auch Werke zu hören sein, die neu und weniger bekannt sind, unter anderem ein Auftragswerk, was ja Teil der Rising Stars-Reihe ist. Man kann es so zusammenfassen, dass von ganz Alt bis ganz Neu alles dabei sein wird, ebenso wie für jeden etwas zum Kennenlernen dabei sein wird.

Rising Stars: Mathis Stier | So 3.9. 16 Uhr | Kölner Philharmonie | www.koelner-philharmonie.de

Verena Düren

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