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Jasmin Smalls
Foto: Francis Oghuma

„Räume für Empowerment schaffen“

16. Februar 2023

Jasmin Smalls über den Black History Month – Interview 02/23

Seit dem Jahr 2020 feiert Köln im Februar den Black History Month. Diese Tradition kommt ursprünglich aus den USA und ist dazu gedacht, Schwarze Geschichte und Empowerment von Schwarzen Menschen zu thematisieren. In Köln wird der Black History Month gemeinsam von der Lokalgruppe Köln, der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland Bund e.V. und der Sonnenblumen Community Development Group e.V. organisiert und mit einem vielfältigen Rahmenprogramm gefeiert. Es gibt Lesungen, Kinderveranstaltungen, Filmabende und Empowerment-Veranstaltungen. choices hat mit einer der Organisator:innen gesprochen.

choices: Frau Smalls, Sie sind eine der Organisator:innen des Black History Month in Köln. Wie sind Sie dazu gekommen?

Jasmin Smalls: Als Kind habe ich den Black History Month durch meinen US-amerikanischen Vater kennengelernt. Ich fand es schade, dass es sowas Ähnliches nicht in Deutschland gab. Ich fand es immer sehr bestärkend und bereichernd, über die Schwarze Geschichte zu lernen – zumal in den Geschichtsbüchern nicht viel darüber steht. Als die anderen Organisator:innen und ich uns kennengelernt haben, haben wir darüber gesprochen, dass wir nicht nur Anti-Schwarzen Rassismus in unserer aktivistischen Arbeit thematisieren möchten, sondern auch mehr Räume für Empowerment schaffen möchten. So entstand der Black History Month Köln.


Was ist das Anliegen des Black History Month – generell und hier in Köln?

Im Black History Month werden die Geschichte und Errungenschaften von Schwarzen Menschen weltweit gewürdigt. Schwarze Menschen sind schon sehr lange Teil der deutschen Gesellschaft, aber ihre Geschichte ist wenig bekannt. Im Black History Month möchten wir deshalb mehr von dieser Geschichte vermitteln und die Gemeinschaft durch Empowerment und Heilung stärken. Schwarze Geschichte ist Menschheitsgeschichte – das möchten wir diesen Monat in den Fokus der Mehrheitsgesellschaft rücken. Dafür haben wir verschiedene Veranstaltungen im Bereich Bildung und Kultur gemeinsam mit Kooperationspartner:innen organisiert.

Der Black History Month kommt ursprünglich aus den USA, ebenso wie die Black Lives Matter Bewegung. Würden Sie sagen, dass Schwarze Menschen in Deutschland mit denselben strukturellen Diskriminierungen konfrontiert sind?

Sowohl in den USA als auch in Deutschland existieren struktureller Rassismus und Diskriminierungen. Das heißt, dass Schwarze Menschen überdurchschnittlich und regelmäßig benachteiligt werden – in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Arbeits- und Wohnungsmarkt und dem Bildungs- und Gesundheitssektor. Struktureller Rassismus ist zwar nicht in beiden Ländern gleich. Trotzdem müssen wir – in den USA wie hier in Deutschland – über strukturellen Rassismus sprechen und ihn benennen. Und: Strukturell bedeutet nicht, dass Einzelpersonen keine Verantwortung tragen. Jede Person sollte über die Strukturen reflektieren und entsprechend der eigenen Möglichkeiten handeln.

Abseits des Black History Month – wie schätzen Sie die Ressourcen und Netzwerke für Schwarze Menschen in Köln ein? Haben Sie konkrete Ziele für die Zukunft?

In den letzten Jahren ist in dem Bereich Vernetzung sehr viel passiert – auch dank Social Media. Wir haben bestehende Netzwerke weiter ausgebaut und es sind viele neue Initiativen und Vereine entstanden. Sie alle zeigen viel Engagement und investieren ihre Zeit und Ressourcen ehrenamtlich. Für die Zukunft hoffe ich, dass wir uns weiter vernetzen und uns gemeinsam darüber austauschen, wie wir uns als Schwarze Menschen in Deutschland weiterentwickeln können.

Haben Sie ein persönliches Highlight aus dem diesjährigen Programm?

Ich freue mich auf alle Veranstaltungen und hoffe sehr, dass für jede Person etwas dabei ist und alle etwas Positives und Bereicherndes für sich mitnehmen können. Wir decken mit dem diesjährigen Programm ein breites Spektrum ab: Lesungen, ein Sprachkurs, Filmvorführungen. Für mich persönlich sind alle Veranstaltungen ein Highlight. Trotzdem freue ich mich besonders über das Kinderprogramm, bei dem etwa 25 Kinder künstlerisch tätig werden und gleichzeitig etwas über Schwarze Held:innen lernen. Auch auf die Vorstellung des Buchs „Good Lime“ am 26. Februar freue ich mich sehr, denn darin geht es nicht nur um Essen und Rezepte, sondern auch um die Suche nach Identität(-en) und Zugehörigkeit. Und: Es wird eine kulinarische Kostprobe geben.

Black History Month | bis 28.2. | div. Orte in Köln

Interview: Marina Wudy

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