
Das Bild der BRD wankt. Hort von Stabilität und Wachstum – davon ist nicht viel übrig. Es ist Krise. Die internationalen Katastrophen und Konflikte der jüngeren Vergangenheit verschärfen sie, namentlich die Pandemie und die Kriege in der Ukraine, in Nahost und im Iran. Die Entwicklung reicht aber weiter zurück, dazu zählen die Erschütterung der Parteienlandschaft, die Verarmung von Bevölkerungsgruppen, der Verfall der Infrastruktur oder Bruchstellen der deutsch-deutschen Wiedervereinigung. Warnungen gab es. Etwa davor, die halbwegs ausgleichenden Mechanismen der „sozialen Marktwirtschaft“ für ein neoliberales Zerrbild von Wettbewerb aufzugeben, an veralteter Mobilitäts- und Energietechnik festzuhalten oder die Schuldenbremse zum Fetisch zu erheben. Die Politik, die sich dazu bekannt hat, ist zuverlässig gewählt worden. So kann man sagen: Selbst schuld, liebes Land! – Aber wem hilft das? Im Monatsthema Eine eigene Geschichte fragen wir stattdessen, wie politischer Widerstand, politische Bildung und ein Bekenntnis zum Einwanderungsland Deutschland aus der Krise helfen können.
Unsere Leitartikel plädieren dafür, das Arbeits- und Streikrecht von seinem nationalsozialistischen Erbe zu befreien, für eine Erinnerungskultur, die ihren aufklärerischen Auftrag ernst nimmt und dafür, Einwanderung als Chance zu begreifen.
In unseren Interviews diskutierender Politologe Alexander Gallas, was Protest gegen wirtschaftliche Zumutungen ausrichten kann und der Pressesprecher der Amadeu-Antonio-Stiftung, Lorenz Blumenthaler, was es heißt, in Deutschland als fremd wahrgenommen zu werden.
In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir, was der Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für Beschäftigte tut, wie sich das Fritz-Bauer-Forum in Bochum für den Menschenrechtsdialog einsetzt und beim Jugendmigrationsdienst in Wuppertal, wie er jungen Menschen mit Migrationsgeschichte hilft, sich in Deutschland zurechtzufinden.
Die arbeitspolitischen Botschaften der Regierung sind deutlich: Achtstundentage genügen nicht, das Rentenalter muss rauf, die gesetzliche Rente soll dekorativ sein, nicht lukrativ, Arbeitslose sind soweit zu triezen wie rechtlich zulässig. Subtext: Seid nicht so faul! Das muss sich eine Bevölkerung anhören, die jährlich über eine Milliarde Überstunden leistet, überwiegend unentgeltlich. Dieser Zynismus erinnert beängstigend an „Fortunate Son“, Creedence Clearwater Revivals legendären Antikriegssong von 1969. Hier fragen junge Männer, die von hochgestellten Persönlichkeiten in den Krieg geschickt werden, wie viel sie für die Sache geben sollen? Die Elite antwortet: Mehr! Heißt: Es ist nie genug. Korrekt, dort geht’s um Arbeit, hier um Krieg. Es überrascht indes nicht, dass die AfD profitiert, wenn sogenannte Mitte-Parteien so einem Gesellschaftsbild anhängen. Noch wäre Zeit, dagegen etwas zu tun – und solidarisch aus der Krise zu finden.
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Mehr als einem lieb sein kann
Teil 1: Leitartikel – NS-Erbe: Das Arbeitsrecht unterdrückt politischen Widerstand von Beschäftigten
„Im Augenblick sehe ich keine kritische Masse für eine breite Bewegung“
Teil 1: Interview – Politologe Alexander Gallas über Protest, Streik und Generalstreik
Bildung für die diverse Gesellschaft
Teil 1: Lokale Initiativen – Der Kölner Stadtverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Zweifel der Gesellschaft
Teil 2: Leitartikel – Erinnerungskultur muss sich von Ritualen verabschieden
Gegen die Menschenverachtung
Teil 2: Lokale Initiativen – Das Fritz-Bauer-Forum in Bochum
Unser gemeinsames Einwanderungsland
Teil 3: Leitartikel – Wie wir eine freiere Zukunft gestalten können
„Das politische Handlungsbewusstsein fehlt“
Teil 3: Interview – Amadeu-Antonio-Stiftung: Lorenz Blumenthaler über Fremdsein und Diskriminierung
Integration unter Druck
Teil 3: Lokale Initiativen – Der Jugendmigrationsdienst Wuppertal begleitet Menschen durch ein widersprüchliches System
Deckmantel Gefühl
Intro – Guter Umgang
Lohn der Angst
Intro – Nach der Arbeit
Fehlbilanz
Intro – Mündig
Erschütternd normal
Intro – Gegenwehr
Perfektes Versagen
Intro – Systemstörung
Vorwärts 2026
Intro – Kopf oder Bauch?
Kli Kla Klacks
Intro – Genug für alle
Konflikt-Kanzler
Intro – Friedenswissen
Kulturschock
Intro – Kunst & Kultur
Branchenprobleme
Intro – Gut informiert
Ich, Menschenfeind
Intro – Rechtsabbieger
Kampf um Kalorien
Intro – Den Bach runter
Hört das Signal
Intro – Gesund und munter
Einig im Treten
Intro – Arbeitskämpfe
Zum Wohl!
Intro – Rausch im Glück
Panzer vs. Schulen
Intro – Kriegszitterer
Generationenwissen
Intro – Auf ein Neues