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Hans Süper auf der Bühne des Odeon
Foto: Christopher Dröge

Mit Ei und Flitsch

18. Januar 2018

Hans Süper zu Gast im Odeon – Foyer 01/18

Sonntag, 14. Januar: Seit 20 Jahren ist die Filmreihe „Kölsche Matinee“ im Odeon auf der Severinstraße zuhause – aber halt, das stimmt nicht ganz, wie Mitorganisator Cornel Wachter zu Beginn der aktuellen Vorstellung mit entschuldigendem Grinsen einräumen musste: „Nachdem wir das 20. Jubiläum schon gefeiert hatten, fiel uns erst auf, dass es ja schon 21 Jahre sind.“ Das Publikum nahm es gelassen auf, war es doch eher wegen der Jubiläumsfilme da, die gezeigt wurden: Zum einen „Ring Frei!“ von 1987, der zum 60. Geburtstag des Kölner Boxers Peter Müller entstand, und „Hans Süper – Ach du dickes Ei!“ von 1999, der zum 50. Bühnenjubiläum der Kölner Karnevalslegende gezeigt worden war. Süper selbst, inzwischen 81 Jahre alt, war anwesend und ließ sich zu einer seiner selten gewordenen Gesangseinlagen hinreißen: So spielte er seinen Song „Schilderjass“ – natürlich auf der „Flitsch“, wie Süper seine Mandoline bezeichnet. Auch Filmemacher Gisbert Baltes war vor Ort, unter dessen Regie die WDR-Dokumentation 1999 entstanden war. „Für mich ist Süper immer noch einer der besten deutschen Komiker, dem ich auch persönlich viel verdanke“, verriet er, denn im Zuge der Dreharbeiten hatte er auch seine heutige Lebensgefährtin kennengelernt.

Trotz seines bereits fast 20 Jahre zurückliegenden Abtritts von den Kölner Karnevalsbühnen hält Süpers Ruhm bis heute an, was ihn in den Rang eines „kölschen Originals“ erhebt. Dieser speist sich vor allem aus seiner Zeit mit dem Colonia Duett: Er und sein Partner Hans Zimmermann gehörten von 1974 bis 1990 zur ersten Garde der Kölner Karnevalskomiker. Ihre charakteristische Mischung aus musikalischer Darbietung und sowohl vorbereiteten, als auch improvisierten komischen Zwiegesprächen wurde zur Blaupause, der bis heute viele ihrer Kollegen und Nachfolger nacheifern. Während Zimmermann dabei die Rolle des hüftsteifen Überkorrekten übernahm, der kaum eine Miene verzog, spielte Süper mit exzessiver Mimik, Gestik und Motorik die Ulknudel, deren Witze meist auf Kosten seines Partners gingen – so auch der zum geflügelten Wort gewordene Ausspruch „du Ei!“. Fans fand Süper nicht nur unter anderen Kölner Legenden, wie etwa Willy Millowitsch, sondern mit Norbert Blüm auch unter den Politikern der Bonner Republik. „Süper ist ein Advokat des Volkes mit einer angeborenen Respektlosigkeit vor den Mächtigen, oder denjenigen, die sich für Mächtig halten“, so Blüm in einem Interview mit den Filmemachern.

Das musikalische Talent und die Neigung zum Kölner Brauchtum waren Süper in die Wiege gelegt worden: Schon der Vater Hans Süper senior verdiente sein Geld als Musiker und war als Mitglied der Gruppe „Die vier Botze“ ebenfalls im Karneval aktiv. Der Vater erkannte früh das Talent seines Sohnes und schenkte diesem zum 14. Geburtstag seine erste Mandoline. Süper blieb der „Flitsch“ treu und brachte es auf seinem Instrument zur Virtuosität, die ihm auch die neidlose Anerkennung aus Jazz-Kreisen einbrachte – trotz oder gerade weil er nie Noten lesen gelernt hatte.

Trotzdem herrschte in Süpers Leben nicht immer eitel' Sonnenschein: Vor seinem Durchbruch etwa hatte er auch Zeiten zu durchleben, in denen er aus Geldmangel im Auto nächtigen musste. Mit der Trennung 1990 endete nicht nur das Colonia Duett, sondern auch die Freundschaft zu Hans Zimmermann. „Wir hatten keinen Streit“, so Süper in Baltes‘ Film, „aber wir hatten uns einfach nichts mehr zu sagen.“ Als Zimmermann 1994 starb, zog Süper Kritik auf sich, weil er nicht zu dessen Beerdigung gekommen war – doch Süper weilte zu diesem Zeitpunkt gar nicht im Land. „Ich war im Urlaub auf Hawaii und erfuhr erst bei meiner Rückkehr, dass er gestorben war“, sagte Süper. Wenig später veröffentlichte er einen Nachruf auf den früheren Freund.

Inzwischen war er als Süper Duett mit neuem Partner wieder auf den Kölner Bühnen unterwegs, konnte jedoch nicht mehr ganz an die alten Erfolge anknüpfen. 2000 beendete Süper seine Laufbahn und zog sich von den Bühnen zurück. Seitdem lebt er mit seiner Frau ruhig und zurückgezogen in der elterlichen Wohnung und widmet sich seinem Hobby, dem Angeln – im heimatlichen Köln ebenso, wie in seiner spanischen Sommerresidenz am Stausee des Ebro.

Christopher Dröge

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