Metropolis – das sind Maschinen, Maschinen-Marias, Menschen und Mensch-Maschinen. Alles in ästhetischem Schwarz-Weiß gehalten, mit dramatischer Musik unterlegt. Ein futuristisches und sozialkritisches Großstadtszenario, das, obwohl zwischen 1925 und 1927 produziert, noch bis heute weiterlebt. „Metropolis ist eine Stadt-Utopie, die einzigartig ist“, so die Kölner Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach. Die Universitäts- und Stadtbibliothek brachte Ausschnitte aus Langs Stummfilm-Meisterwerk Metropolis auf die Bühne und in die Räumlichkeiten der Kölner Bibliothek, in Form einer Mischung aus musikalischen Einlagen des Sinfonieorchesters, die sich mit Vorträgen abwechselten, und später dann der Ausstellung in der Bibliothek.
Metropolis ist ein Meilenstein nicht nur der deutschen Filmgeschichte. Doch, warum eigentlich? „Es ist der erste Science-Fiction-Film, der soziale Schwierigkeiten aufzeigte“, betonte Kurator Thomas Bähr. Lang habe sich seit jeher zum Visuellen hingezogen gefühlt, sei davon beseelt gewesen, Bilder zu zeigen: Von der Malerei kam er über das Kino zum Film, war zwischenzeitlich Drehbuchautor und schließlich Regisseur. Doch die Dreharbeiten zu dem zweieinhalbstündigen Film „Metropolis“ waren nicht einfach: „Fritz Lang war Perfektionist. Alles wurde zig Mal wiederholt.“ Kein einfaches Unterfangen. Auch wirtschaftlich war der Film, der bei der Erstausstrahlung kein gutes Feedback erhielt, eher ein Fiasko. „Metropolis“ ist einer der teuersten Filme seiner Zeit: Fünf Millionen Euro musste die UFA locker machen, um die anderthalbjährige Drehzeit zu finanzieren. Als Folge der schlechten Kritik bei der Premiere wurde das ursprünglich knapp zweieinhalbstündige Monumentalwerk bald darauf gekürzt und verändert. Ganze 30 Minuten des Originals wurden dabei vernichtet. Alleine die Rekonstruktionsgeschichte ist eine äußerst brisante, die Bücher füllen würde.
Um es kurz zu fassen: Langs Film „Metropolis“ ist komplexe Geschichte mit einigen Längen, die sich gar nicht so leicht zusammenfassen lässt. Ebenso schwierig ist es wohl, die Komplexität von Metropolis auf die Bühne und in eine Ausstellung zu bringen. Dafür dass der Eröffnungsabend selbst recht kurzweilig geriet, sorgte nicht zuletzt die eingespielte dramatische Filmmusik, die gar nicht so sehr an heutige Science-Fiction als vielmehr an Oper erinnert. Einige persönliche Anekdoten wiederum sorgten für heitere Stimmung beim Publikum: So berichtete Manfred Romboy, selbst lange Zeit Kameramann: „Damals wurde noch ganz anders gesoffen.“ Heute betreibt er ein eigenes Filmmuseum, im November erörtert er das frühe Farbfilmverfahren Virage in Köln. Zu guter Letzt lasen Schauspielerin Bettina Storm und Julian Horeyseck szenisch vor. „Fritz Lang war zäh. Ein Überredungskünstler“, hieß es, bevor die Ausstellung in der Bibliothek eröffnet wurde. Noch bis zum 20. Februar können Stummfilm-Fans Fritz Langs Metropolis besuchen. Dazu gibt es begleitende Veranstaltungen, im Rahmen derer all jene, die auf der Bühne auftauchten, zu ihrem Spezialgebiet referieren, lesen und musizieren werden. Eine der Filmvorführungen findet am 10. Januar am neunzigsten Jahrestag der Berliner Filmpremiere in der Aula statt.
Fritz Langs Metropolis | bis 20.2., Mo-Fr 9-24 Uhr, Sa, So 9-21 Uhr | Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek | Webseite
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