2024 jährte sich Franz Kafkas Tod zum 100. Mal. Etwas verspätet kommt nun „Franz K.“ (Cinenova, Odeon, Rex) von Regie-Veteranin Agnieszka Holland, die das Leben des berühmtesten literarischen Sonderlings des 20. Jahrhunderts einmal mehr in Szene setzt. Dabei stellt sie Kafkas Verhältnis zu seiner Familie und sein Leben im Prag der Jahrhundertwende in den Fokus. Hineingeboren in eine gutbürgerliche jüdische Kaufmannsfamilie, pflegt er ein enges Verhältnis zur jüngsten Schwester, Ottla. Dafür leidet der verhuschte, anämisch wirkende Hänfling Zeit seines Lebens unter der Geringschätzung des grobschlächtigen Vaters, eines lautstarken Patriarchen. An diesem arbeitet Kafka sich in seinen absurden Erzählungen ab, die er des Nachts verfasst. Sein Förderer Max Brod, der den selbstkritischen Freund immer wieder zum Schreiben ermuntert, erkennt deren Qualität früher als Kafka selbst. Der wiederum nutzt sein Talent mit Vorliebe, um mit den Frauen in seinem Leben zu kommunizieren, von denen es mehr gab, als man dem Großstadtneurotiker zutrauen möchte – so etwa seine Kurzzeitverlobte Felice Bauer, deren Freundin Grete Bloch oder auch seine Übersetzerin Milena Jesenská. Das Ensemble kann sich sehen lassen: Die Titelrolle etwa wird von Idan Weiss gespielt, sicherlich dem am besten gecasteten Film-Kafka der jüngeren Vergangenheit, dem Holland in seinen Mitspielerinnen Carol Schuler, Jenovéva Bokova oder Katharina Stark würdige Konterparts entgegensetzt. Herausragend auch Peter Kurth, der Kafkas Vater Hermann mit angemessener Körperlichkeit spielt. Intensiv nutzt Holland Rück- und Vorblenden zwischen Kafkas Leben als Erwachsenem und Kindheitserinnerungen. Zeitsprünge bis in die Gegenwart sorgen für surreale Momente – so findet sich Kafka bei einem Berlinbesuch etwa vor einer mit Graffiti übersäten Wand des 21. Jahrhunderts wieder.
Es braucht schon viel Mut, um herauszufinden, ob seine einen Kopf größere Klassenkameradin Lea ihn auch mag. Zumal das Schuljahr bald vorbei ist und Karl und Lea dann auf getrennte Schulen gehen. Für Karl ist die Projektfahrt die letzte Chance, um Leas Freund zu werden. Bernd Sahling, der sich schon mit „Die Blindgänger“ und „Kopfüber“ einen Namen als Kinderfilm-Regisseur gemacht hat, gelingt erneut ein Film für das junge Kinopublikum (ab 10 Jahren). „Ab morgen bin ich mutig“ (Cinenova, Filmpalette, Lichtspiele Kalk, Odeon, Bonner Kinemathek) erzählt eine Geschichte, die jedem Jungen und Mädchen passieren könnte. So fiebert man z.B. mit, wenn Karl sich Plateauschuhe zulegt, um Lea zu gewinnen. Ein einfühlsam inszenierter und bis in die Nebenrollen hinein überzeugend gespielter Film, der seinen jungen Darstellern auf Augenhöhe begegnet.
Außerdem neu in den Kinos: der Dokumentarfilm „Girls & Gods“ (Cinenova) von Arash T. Riahi und Verena Soltiz, das Kriegsverbrecher-Drama „Das Verschwinden des Josef Mengele“ (Cinenova, Filmpalette, Odeon) von Kirill Serebrennikov, das Biopic „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ (Cinedom, Cineplex, Residenz, Rex, UCI, Weisshaus) von Scott Cooper, die Neuverfilmung „Frankenstein“ von Guillermo del Toro, die Romanverfilmung „All das Ungesagte zwischen uns“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Josh Boone, das Mangaabenteuer „Chainsaw Man – The Movie: Reze Arc“ (Cinedom, Cineplex, Rex, UCI) von Tatsuya Yoshihara und das Horror-Sequel „Black Phone 2“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Scott Derrickson.
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