Das Privatleben der in Paris lebenden Amerikanerin Lilian Steiner (Jodie Foster) wird zunehmend von ihrem Beruf als Psychoanalytikerin dominiert. Im Original heißt der Film entsprechend „La vie privée“. Nachdem eine ihrer Patientinnen Selbstmord begeht und deren Familie Lilian die Schuld gibt, fühlt sie sich in ihrer Berufsehre verletzt. Sie ist fest davon überzeugt, dass Paula nicht suizidgefährdet war, sondern ermordet wurde. Lilian sucht ihren Ex-Mann und Augenarzt Gabriel (Daniel Auteuil) auf und erzählt ihm dabei von ihrem Mordverdacht. Anfänglich findet er ihren Verdacht absurd, doch nach und nach beschleicht ihn das Gefühl, an der Geschichte könnte etwas dran sein. Rebecca Zlotowski präsentiert mit „Paris Murder Mystery“ (Cinedom, Cinenova, Odeon, UCI) einen sympathischen, völlig absurden Psychothriller à la Hitchcock, der von Anfang bis Ende spannend bleibt. Falls Sie den Film in der Originalversion schauen, können Sie zudem Jodie Fosters perfektes Französisch hören.
Bei Tanja (Sylvaine Faligant) und Jerome (Jannis Niewöhner) passt alles perfekt: Beide sind freiberufliche Kreative, finanziell erfolgreich und in ihren 30ern. Als sie sich kennenlernen, ist die Anziehung groß. Sie beginnen eine Fernbeziehung zwischen Berlin und Maintal. Dann tauchen andere spannende Menschen auf – und die Frage, ob nicht immer etwas Besseres wartet. Anna Roller („Dead Girls Dancing“) schafft es, die Stimmung des gleichnamigen, als Generationenporträt gefeierten Romans von Leif Randt perfekt einzufangen. In pastelligen Farben erzählt sie vom Zwiespalt zwischen Selbstverwirklichung und Sicherheit in einer Welt, der die Sorgen der (Post-)Corona-Zeit noch fremd waren. „Allegro Pastell“ (Cinedom, Filmpalette, Odeon, OFF Broadway, UCI, Bonner Kinemathek) ist ein melancholischer Film, der trotz distanzierter Figuren das Gefühl von Sehnsucht und Vergänglichkeit einfängt.
Ein Autounfall nimmt der jungen Barbara (grandios: Valerie Pachner) sowohl den geliebten Ehemann als auch die beiden kleinen gemeinsamen Kinder. Da sowohl Barbara als auch Ehemann Heli als Clowns gearbeitet hatten, will sich die Witwe nicht in ihrer Trauer verkriechen, sondern auch das Leben wieder genießen lernen, was einigen Verwandten sauer aufstößt. Adrian Goiginger („Rickerl“) hat gemeinsam mit Drehbuchautor Senad Halilbašić („7500“) eine kongeniale Version von Barbara Pachl-Eberharts autobiografischer Buchvorlage „Vier minus drei“ (Cinenova, Filmhaus, Odeon, Weisshaus) geschaffen, die das Publikum zwei Stunden lang in ein Wechselbad der Gefühle stürzt. Valerie Pachner ist die Idealbesetzung für diese fordernde und die Zuschauer mit emotionaler Wucht packende Figur.
Außerdem neu in den Kinos: das Familiendrama „Missing*Link“ von Michael Baumann, das Sozialdrama „Das Glück der Tüchtigen“ (Filmpalette) von Franz Müller, die Corona-Doku „Blame“ (Filmpalette) von Christian Frei, das Musical-Drama „Kiss of the Spider Woman“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Bill Condon, der Kleinstadt-Actioner „Normal“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Ben Wheatley und der Archäologen-Spuk „Lee Cronin’s The Mummy“ (Cinedom, Cineplex, UCI) von Lee Cronin.
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Mein Freund, der Roboter
Die Filmstarts der Woche
Verliebt in die Mitschülerin
„Black Burns Fast“ gewinnt choices-Publikumspreis – Festival 10/26
Neues Vertrauen
Digitale Bürgerbeteiligung – Europa-Vorbild Spanien
Anfassen statt digitalisieren
Das Festival Urbäng 2026 am Orangerie Theater – Tanz in NRW 10/26
Drama im Goldrausch
„Mädchen aus dem goldenen Westen“ am Opernhaus Bonn – Oper in NRW 10/26
Geist des Ortes
Der Ort als Handlungsträger – Vorspann 10/26
Wir bauen ein Balkonkraftwerk
Holgers letzte Worte – 10/26
Von Vorwand zu Vorwand
Teil 1: Leitartikel – Politik ist nicht getrieben, sie lässt sich einspannen
„Theater kann die richtigen Fragen stellen“
Regisseur Björn Gabriel über „This is Water“ am Studio Trafique – Premiere 10/26
Islands Superstar
Portrait des isländisches Musikers Ásgeir – Musik 09/26
Eine Komödie um die Zeit
Oper Köln kehrt an den Offenbachplatz zurück – Oper in NRW 09/26
Dokumentarische Mischformen
„New Voices – New Forms“ in der Aula der KHM – Foyer 09/26
Dieser Train war nie zu stoppen
Die Jazzikone John Coltrane wurde vor 100 Jahren geboren – Improvisierte Musik in NRW 09/26
„Wie ein offenes Wohnzimmer“
Azad Hawrami über Solidarität und den Internationalen Kiosk in Ehrenfeld – Gleich nebenan 09/26
50 Jahre Tony Marroni
Der Superbulle mit der Strickmütze – Portrait 09/26
Töne aus tiefer Seele
Dortmunds Eröffnungsprogramm folgt dem depressiven Zeitgeist – Klassik an der Ruhr 09/26
Alles Blau
Neue Intendanz am Musiktheater im Revier – Oper in NRW 09/26
Orgasmus in der Küche
„Auf den Bildern“ von Annie Ernaux und Marc Marie – Textwelten 09/26
Spielen gegen Radikalisierung
Teil 1: Lokale Initiativen – Das Kölner Videospiel-Studio Zweisiedlerkrebs
Mauer des Schweigens
„Eine einfache Wahrheit“ von Corinna Krenzer – Literatur 09/26
Tagebuch eines Kellerkinds
Wie Physik-Engines und NPCs einem das Leben vermiesen können – Glosse
„Spiele einfach genießen“
Teil 1: Interview – Psychologin Silke Lux über gesundheitliche Wirkungen von Videospielen
Gefühle bei Nacht
„Hands off“ im Kleinen Container auf dem Schillplatz – Kunst 09/26
Genau diese Freiheit braucht die Kunst
Das großartige Barnes Crossing feiert 20-Jähriges – Tanz in NRW 09/26
„Hitze und Kälte sind gleichermaßen gefährlich“
Sozialarbeiter Anibal Pelazas über Hilfe für Obdachlose in Köln – Gleich nebenan 09/26