Mit einem Doppelpack eröffnet die Oper Bonn die neue Spielzeit: Bunt und magisch verspricht Mozarts „Die Zauberflöte“ in der Regie des französischen Künstlerduos Cécile Roussat und Julien Lubek zu werden. Knisternde Dramatik und hochfliegende Leidenschaft dagegen ist bei der zweiten Premiere am 4. Oktober zu erwarten: Giacomo Puccinis „Das Mädchen aus dem goldenen Westen“ („La Fanciulla del West“) entführt in das Kalifornien des Goldrauschs der 1850er-Jahre. Die Schankmaid Minnie ist dort die einzige Frau unter rauen Gesellen: Sie fungiert als Wirtin, Mutterersatz, Lehrerin, Mediatorin bei Konflikten – und nebenbei sorgt sie dafür, das Gold der Männer zuverlässig aufzubewahren. Die resolute Minnie ist unantastbar, eine Garantin für Stabilität und einen Rest humaner Verhältnisse in einer Atmosphäre der Gier und der Herrschaft eines kruden Kapitalismus.
Als der Charmeur Dick Johnson auftaucht, bleibt Minnie nicht ungerührt: Ihre Sehnsucht nach Nähe und Liebe bricht auf. Was sie nicht weiß: Der freundliche Mann ist ein gesuchter Bandit, der es nur auf das Gold abgesehen hat. Auch Jack Rance, dem Sheriff, ist Minnie nicht gleichgültig – und so beginnt ein Spiel auf Leben und Tod.
Puccini hat diese Oper, die lange im Schatten seiner Hits wie „Tosca“ oder „Madama Butterfly“ stand, in den Jahren 1907 bis 1910 geschrieben. Die Uraufführung an der Metropolitan Opera New York war ein gefeiertes Ereignis: Arturo Toscanini stand am Pult, Stars wie Enrico Caruso und Emmy Destinn sangen die anspruchsvollen Hauptpartien. Keine leichte Aufgabe für die Bonner Solisten Yannick Muriel Noah und George Oniani, zu denen sich Devid Cecconi als Sheriff gesellt. Das Bonner Beethoven Orchester leitet GMD Dirk Kaftan. Daniela Kerck und Video-Designerin Astrid Streiner schaffen einen Bühnenraum durch Projektionen, der „die Grenzen des Möglichen ausdehnen“ will. Kerck führt auch Regie. Die in Wien und Karlsruhe ausgebildete Regisseurin hat in den letzten Jahren u. a. mit einer ungewöhnlichen „Turandot“ am Staatstheater Wiesbaden und einer düster-untergründigen Inszenierung von Ethel Smyths „The Wreckers“ in Schwerin auf sich aufmerksam gemacht.
Die Zauberflöte | 3.10. (P); 9., 17., 22.10., 7., 15., 19.11., 3., 17., 29.1. und weitere Termine 2027 | Opernhaus Bonn | 0228 77 80 08
La Fanciulla del West | 4.10. (P), 10., 18., 23., 25.10., 1., 21., 26.11., 4.12. | Opernhaus Bonn | 0228 77 80 08
Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen?
Als unabhängiges und kostenloses Medium ohne paywall brauchen wir die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser. Wenn Sie unseren verantwortlichen Journalismus finanziell (einmalig oder monatlich) unterstützen möchten, klicken Sie bitte hier.

Tödlicher Strudel der Politik
„Tosca“ am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen – Oper in NRW 10/26
Alles Blau
Neue Intendanz am Musiktheater im Revier – Oper in NRW 09/26
Eine Komödie um die Zeit
Oper Köln kehrt an den Offenbachplatz zurück – Oper in NRW 09/26
Vielfalt und Ambitionen
Die Opernsaison 2026/27 an Rhein und Ruhr - Oper in NRW 07/26
Emotionaler Kraftakt
„Il Trovatore“ an der Düsseldorfer Rheinoper – Oper in NRW 06/26
„Höchste Qualität nach Köln holen“
Intendant Hein Mulders über den Umzug der Oper in das Haus am Offenbachplatz – Interview 06/26
Liebe gegen Perfektion
Uraufführung von Sarah Nemtzovs Oper „Wir“ in Dortmund – Oper in NRW 05/26
Altes Thema neu erzählt
„Picture a day like this“ an der Oper Köln – Oper in NRW 05/26
Der Plan des Bösen
„Freischütz“ an der Bonner Oper – Oper in NRW 04/26
Streifzug durch New York
Leonard Bernsteins Musical „On the Town“ in Duisburg – Oper in NRW 04/26
Unerhörte Musik
Festival Her:voice in Essen – Oper in NRW 03/26
Weg der Erleuchtung
„Awakening“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 03/26
Irrlichterndes Begehren
„Le Nozze di Figaro“ an der Oper Köln – Oper in NRW 02/26
Nie erkaltender Stoff
„I Capuleti e i Montecchi“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 02/26
Hymne an Liebe und Toleranz
„Der Barbier von Sevilla“ an der Oper Bonn – Oper in NRW 01/26
Liebe ohne Chancen
„Tancredi“ als queeres Drama an der Kölner Oper – Oper in NRW 06/26