Wer etwas über den aktuellen „Featured Composer & Creative Partner“ der Dortmunder Philharmoniker erfahren möchte, den amerikanischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten Matthew Aucoin, der sollte sich nicht bis zum 1. Sinfoniekonzert der Dortmunder im Konzerthaus gedulden. Wenige Tage vor den Konzertsaal-Terminen mit seiner Musik dirigiert der Maestro in einer „Late Night“ auf dem Gelände der Kokerei Hansa einen späten Abend zum Thema „Maloche“. „Zwischen Stahl und Weite verliert der Klang den Benimm“, so verspricht es der Veranstalter, da sollten sich die Neugierigen und die Nachdenklichen angesprochen fühlen: Hier geht es in jedem Falle um mehr als nur um Musik.
Wer lieber in bekannten Gefilden fischt, der bekommt auf etablierter Bühne im Konzerthaus eine durch Shakespeare inspirierte Landscape-Music aus der Feder Aucoins serviert, ein musikalisches Heide-Bild, durchstreift vom legendären King Lear. Und die Kargheit der Gegend spiegelt die Leere des entrückten Königs in seinem Drama – die Musik hat das Orchester der New Yorker Met vor drei Jahren uraufgeführt.
Altmeister Benjamin Britten folgt in seiner Oper „Peter Grimes“ in gewaltigen Orchester-Zwischenspielen der Landschaftsmalerei, diesmal mit riesigen See-Stücken. Auch der Fischer Grimes verliert nach Seelenqualen den Verstand, ihn verschluckt am Ende das Meer.
Hauptwerk der „Seelenklänge“, so der Titel des Konzerts mit den Philharmonikern und ihrem noch frischem Generalmusikdirektor Jordan de Souza, bildet das „Lied von der Erde“ von Gustav Mahler. Der Wiener Hofoperndirektor hatte just nach Intrigen seinen Posten räumen müssen, seine Tochter war im vierten Lebensjahr der Diphterie erlegen, ihm selbst war eine Herzkrankheit diagnostiziert worden. Trotzdem entstand 1908 ein Zwitterwerk zwischen Sinfonie und Liederzyklus, mit zwei Solostimmen und aussagekräftigen Titeln wie „Das Trinklied vom Jammer der Erde“ oder „Der Trunkene im Frühling“: Das ist die Domäne des männlichen Gesangssolisten. Die dunkle Frauenstimme beschäftigt sich in ihren Songs mit Einsamkeit und Schönheit, ihr obliegt der große Abschiedsgesang mit ergreifendem Trauermarsch. Die französisch-kanadische Mezzosopranistin Julie Boulianne übernimmt diesen anspruchsvollen Part. Ihr Wagner- und Strauss-erprobter Kollege Clay Hilley besitzt Wucht und Spielfreude für die seelischen Abgründe, die hier Mahler vertont; ein toller Auftakt für die Spielzeit.
Konzert im Salzlager der Kokerei Hansa | 26.09.2026 | Sinfoniekonzerte im Konzerthaus Dortmund | 29. und 30.09.2026 | Am Vortag öffentliche Probe
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