
Hot Milk
Großbritannien 2025, Laufzeit: 92 Min., FSK 12
Regie: Rebecca Lenkiewicz
Darsteller: Emma Mackey, Fiona Shaw, Vincent Perez
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Atmosphärisches Charakterdrama
Geheimnisse in Almería
„Hot Milk“ von Rebecca Lenkiewicz
Mit ihren Drehbüchern zum Oscar-gekrönten polnischen Schwarz-Weiß-Film „Ida“ über zwei komplett konträre Frauenfiguren unterschiedlicher Generationen und zu Maria Schraders Beitrag zur Me-Too-Debatte, „She Said“, hat sich Rebecca Lenkiewicz bereits einen international respektablen Ruf erarbeitet. Nun hat sie mit „Hot Milk“ nicht nur ihr Debüt als Regisseurin vorgelegt, sondern zur Abwechslung auch mal einen fremden Stoff verfilmt, indem sie hier den gleichnamigen Roman von Deborah Levy für die Leinwand adaptierte. Ohne Kenntnisse der geschriebenen Vorlage dürfte es den meisten Zuschauern allerdings vermutlich schwerfallen, sich in den assoziativen Szenen zurechtzufinden, die zahlreichen angesprochenen Themen für sich zu gewichten und auch mit einigen offenen Enden schließlich einen Gewinn aus dem Gesehenen zu ziehen. Ungeachtet dessen ist es Lenkiewicz aber sehr eindringlich geglückt, eine permanente Atmosphäre der Verstörung, des Unbehagens und der unterschwelligen Bedrohung aufzubauen.
Die erwachsene Sofia (Emma Mackey) kümmert sich bereits seit Kindertagen um ihre Mutter Rose (Fiona Shaw), die seit dieser Zeit an den Rollstuhl gefesselt ist und unter starken körperlichen Schmerzen leidet. Gemeinsam sind die beiden von London nun nach Almería gereist, wo sich Rose durch die Behandlung bei einem renommierten Privatarzt neue Hoffnungen auf Genesung macht. Dr. Gomez (Vincent Perez) scheint hierfür tatsächlich der Richtige zu sein, weil er einen anderen Ansatz als seine zahlreichen Vorgänger verfolgt und Roses Krankheit auch auf psychologische Ursachen hin untersucht und seine Patientin dabei aus der Reserve lockt. Sofia genießt unterdessen jede freie Minute, in der sie nicht als Dauerpflegekraft für ihre fordernde Mutter zur Verfügung stehen muss und verliebt sich am Strand in die burschikose Ingrid (Vicky Krieps), die allerdings auch einige männliche Verehrer und ein dunkles Geheimnis hat. Vor der flirrenden Hitze der spanischen Urlaubsregion treten nach und nach die unterschiedlichsten Gefühle zu Tage, die schließlich ihren Höhepunkt finden, als sich Sofia entschließt, ihrem Vater einen Besuch abzustatten, den sie schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gesehen hat. Die höchst unterschiedlichen Figuren in „Hot Milk“ sind allesamt sehr detailreich und glaubwürdig gezeichnet, weswegen es einem als Zuschauer leichtfallen dürfte, in die komplexe Geschichte einzutauchen und mitzufiebern. Rebecca Lenkiewicz erzeugt im Zusammenspiel mit ihrem Komponisten Matthew Herbert auch frühzeitig eine unheilschwangere Atmosphäre, die sie im Laufe der Erzählung geschickt zu steigern versteht. Die dadurch heraufbeschworenen Erwartungen können indes nur bedingt erfüllt werden, weil „Hot Milk“ bis zum Ende mysteriös-geheimnisvoll bleibt und schließlich mehr Fragen offen als beantwortet sind. Das hat für einige sicherlich einen ganz besonderen Reiz, dürfte aber anderen eher unangenehm sein und sie etwas ratlos zurücklassen.

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