
Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit
USA 2018, Laufzeit: 121 Min., FSK 0
Regie: Mimi Leder
Darsteller: Felicity Jones, Armie Hammer, Justin Theroux, Sam Waterston, Kathy Bates
>> www.dieberufung-derfilm.de
Mitreißendes historisches Justizdrama
Radikaler sozialer Wandel
„Die Berufung – Ihr Kampf für Gerechtigkeit“ von Mimi Leder
Die Mühlen des Gesetzes mahlen langsam. Noch öfter stehen sie still, und das durchaus im Guten, bildet das Gesetz doch eine unverrückbare Instanz, die im Idealfall Grundrecht und Würde verteidigt. Doch das Gesetz kann auch einrosten und gehört bisweilen angeschoben. Dann nämlich, wenn grundlegend etwas nicht stimmt im Staate. Wenn sich die Gesellschaft schon längst wandelt, der Wandel aber noch nicht legitimiert ist. Dann zum Beispiel, wenn Frauen vor dem Gesetz endlich gleichgestellt sein wollen. So geschehen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den westlichen Zivilisationen. „Die Berufung“ erzählt von diesem Umbruch in den USA.
Ruth Bader Ginsburg (Felicity Jones) studiert an der Juristischen Fakultät in Harvard, sie ist eine von neun Frauen in ihrem Jahrgang. Ruth ist motiviert, sie ist klug, keck und bereits Mutter. Daheim hat sie mit Marty (Armie Hammer) einen Ehemann, der seiner Zeit voraus ist: Er teilt sich mit Ruth den Haushalt und die Aufsicht über den Nachwuchs. Draußen sieht die Welt anders aus: Beim offiziellen Empfang werden die neun Frauen vom Universitätsdirektor völlig ironiefrei gefragt, warum sie den Männern ihren Studienplatz wegnehmen. Später, wenn die Familie für Martys Job nach New York zieht, hat Ruth keine Chance als Anwältin. Denn Frauen werden keine Anwälte. Ruth fügt sich für die nächsten zehn Jahre einem Professorenposten. Dann kommen die 70er und das Volk fordert geschlechtliche Gleichstellung. Was schon lang brodelt, bricht endlich auf. Doch Ruth bleibt frustriert: Sie kann anderen beibringen, die Welt zu verändern – selbst tun kann sie es nicht. Bis ihr Mann ihr einen Gerichtsfall vorlegt, in dem einem Mann bei der Pflege seiner Mutter kein Steuernachlass gewährt wird – weil er keine Frau ist. Frauenrechtlerin Ruth beschließt, den Mann zu verteidigen. Es ist ihr erster Fall. Es wird ein Präzedenzfall.
Wer kürzlich die Doku „RBG“ gesehen hat, konnte anschaulich die Karriere dieser lebens- und rechtstreitlustigen Frau verfolgen, die bis heute, sehr zum Missfallen eines Donald Trump, im Supreme Court sitzt. Das Drama, das nun der Doku folgt, beleuchtet ihr Leben vom Studium bis zu ihrem Durchbruch, der in der Folge die Gesetzgebung der USA grundlegend aufmischt. Ginsburgs Enkel Daniel Stiepleman schrieb – im steten Austausch mit der 85-jährigen Tante – das Drehbuch. „Von ihr habe ich gelernt, wie echter Patriotismus aussieht“, sagt er. Ein Patriotismus, der der Hälfte der Bevölkerung – der männlichen – nicht unbedingt gefiel. Stiepleman gelingt ein Script, das die Komplexität der Vorgänge übersichtlich und unverkopft entfaltet. Vor allem aber holt er uns auch emotional ab, nicht selten mit einem Augenzwinkern. Entsprechend leichthändig, pointiert und berührend führt uns Regisseurin Mimi Leder durch dieses historische Justizdrama.
Ein ebenso unterhaltsamer wie lehrreicher Spielfilm über die Mühlen und die Macht des Gesetzes. Und darüber, dass gesellschaftlicher Fortschritt Mut, Rückgrat und Timing erfordert – und die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

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