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Karlheinz Stockhausen: Momente („und mein Innerstes“), 2007, gedruckte Partitur, überzeichnet mit Filzstift, Buntstift
Foto: Kunstmuseum Villa Zanders

Ein Rhythmus mit Filzstiften

29. November 2018

Karlheinz Stockhausen in der Villa Zanders – Kunstwandel 12/18

Gleich zu Beginn des Rundgangs hängen da über viereinhalb Quadratmeter Klang. Das Blatt „Drachenkampf“ (Filzstift auf Papier auf Keilrahmen, 1981) ist schon eine Art Partitur, aber es hat auch seine grafisch, visuellen Kompositionen aus Zahlen, Farben und einer merkwürdigen Symbolik einer Luzifer-Formel. Karlheinz Stockhausen (1928-2007) war einer der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und – mit vielen anderen von Pierre Henry bis Pierre Schaeffer – Wegbereiter der Elektronischen Musik. Da die musikalischen Bahnen in den 1950ern noch in stereotypen Bahnen, aber grundsätzlich (bis auf ein paar untaugliche Versuche) mono abliefen, war der internationale Durchbruch Stockhausens quasi unumgänglich: Neue Musik, Avantgarde, serielle Musik, das waren von da an Begriffe, die zwar im europäischen Ausland und in Übersee geläufig waren, doch der Prophet im eigenen Land…, die Kausalität ist bekannt.

Noch unbekannter ist, dass Stockhausen in seinen Kompositionen und Spielanweisungen längst das akademische Rechnungswesen von Notationen verlassen hatte und seine Musik analog zum Hörerlebnis auch sichtbar machen wollte. „Musikalische Grafik“ nannte der Musiker das, er hat sich dabei nie als bildender Künstler gesehen, viele der Arbeiten, die in der Ausstellung in der ehrwürdigen Villa Zanders mitten in Bergisch Gladbach hängen, sind denn auch Schreibtischvorlagen und Widmungen, aber auch Grafik als visuelles Anschauungsobjekt für seine Studenten. Das darin bis heute die unbändige Energie des Komponisten erhalten wird, ist ein Glücksfall, wie die 106 Musik- und 24 Vortrags-CDs natürlich auch, die selbst einen ganzen Raum beherrschen. Auch hier hat der Meister das optische Konzept selbst entwickelt, das wie seine Blätter und Objekte auch charmanten Witz bekommen hat, das gipfelt in einer winzigen Schnapsfläschchen-Flaschenpost-Komposition „Strahlet, Gott sieht uns“ (10x3x1 cm, 2002) und in bunten Weihnachtsbildern, die den thematischen Schlusspunkt zur momentanen Jahreszeit setzten, bevor der Kenner elektronischer Musik vor der parallelen Kabinettausstellung der Berliner Fotografin Johanna Diehl vor Ehrfurcht erstarrt, denn „Das imaginäre Studio“ (2017) zeigt Equipment wie Mischpulte, Synthesizer oder Tonfrequenzfilter.

Karlheinz Stockhausen – Klang Bilder | bis 24.2. | Kunstmuseum Villa Zanders, Bergisch Gladbach | 02202 14 23 34

PETER ORTMANN

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