Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
30 31 1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12

12.511 Beiträge zu
3.756 Filmen im Forum

Foto: Oliver Strömer

Karussell der Liebe

28. Dezember 2022

„Alles wird gut“ am TdK – Theater am Rhein 01/23

Dass Nord- und Süd-Korea vereinigt würden, ist derzeit undenkbar; und dass zusammenpasst, was sich vereinigt hat, muss auch nicht stimmen. „Alles wird gut“ nennt das Theater der Keller etwas sarkastisch seine Stückbearbeitung von Joël Pommerats „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“, eines Szenenreigens über beschädigte, verlorene, versagte oder bezahlte Liebe. Wie geschaffen also für eine Abschlussklasse der theatereigenen Schauspielschule.

Regisseur Ronny Miersch treibt die zwischen Melancholie, Kitsch und Groteske changierenden Szenen vollends in die Stilisierung. Spieldosen- und Jahrmarktsmusik machen die gehandicapt hereinschlurfenden Figuren zu Wiedergängern auf dem Karussell amouröser Déjà-Vus. Die weißgeschminkten Figuren greifen sich herabhängende Kleidungsstücke in Liebesknallrot und stürzen sich als Aufziehpuppen der Liebe ins Gefecht: Da ist die (nur?) vergessliche oder demente Ehefrau, die ihren Mann immer wieder neu kennenlernt. Da ist die trennungswillige, aber –unfähige Frau, die von ihrer Geliebten die Herausgabe der eigenen Gefühle verlangt. Oder die Mitarbeiterin, die ihren Chef der Vergewaltigung im Schlaf verdächtigt und eine Beziehung nur bei Eingeständnis der Tat eingehen will.

Was die Absolvent:innen abliefern ist aller Ehren wert, auch wenn die outrierte Darstellung zu oft ins Schreien abgleitet. So ist die beste Szene eher eine Ensembleszene, in der der heiratswillige Mann eingestehen muss, mit allen Freundinnen der prospektiven Ehefrau Liebeleien gehabt zu haben. Hier gelingt ein kleines Uhrwerk der gestischen und mimischen Groteske – brillant. Ein so kurzer wie kurzweiliger Abend. 

Alles wird gut | Theater der Keller | 31.12., 8., 29.1., 10., 24.2., 16., 26.3. | 0221 31 80 59

Hans-Christoph Zimmermann

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Ein Mann namens Otto

Lesen Sie dazu auch:

Lehren des Widerstands
Theater der Keller: „Mädchenschule“ – Theater am Rhein 01/23

Kein Tribunal
„Putinprozess“ im Theater der Keller – Theater am Rhein 12/22

„Putin als Person ist für mich völlig uninteressant“
Der ukrainische Regisseur Andriy May über sein Stück „PutinProzess“ – Premiere 11/22

Vollkommen normal
Rhein Kompanie: Schauspielausbildung für Menschen mit geistigen Behinderungen – Spezial 10/22

Monogam imprägniert
„Szenen einer Ehe“ am Theater der Keller – Auftritt 09/22

„Vertrauen Sie Ihrer Hysterie!“
Emanuel Tandler inszeniert „Die Hysteriker“ am Theater der Keller – Auftritt 04/22

Reich und depressiv
„Rettet den Kapitalismus“ – Theater am Rhein 02/22

Wüten will gelernt sein
„Rage“ am Theater der Keller – Bühne 01/22

Kapitalismustraining
„Agenda“ am Theater der Keller – Theater am Rhein 12/21

„Das Leben ist einfach nicht so!“
Charlotte Sprenger inszeniert „Der Zauberberg“ – Premiere 08/21

Pathos und Narzissmus
Best-of-Stream von „Das süße Verzweifeln“ am Theater der Keller – Theater am Rhein 02/21

„Er war ein Genie des Augenblicks“
Emanuel Tandler inszeniert ein Stück über André Müller – Premiere 11/20

Theater am Rhein.

Hier erscheint die Aufforderung!