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Klaus Schopen und Annette Imhoff vor dem Schokoladenbaum des Museums
Foto: Christopher Dröge

„Wir wollen uns auf dem Erfolg nicht ausruhen“

26. Oktober 2018

Annette Imhoff und Klaus Schopen zum Jubiläum des Schokoladenmuseums – Spezial 11/18

choices: Das Schokoladenmuseum war die „Vision“  von Hans Imhoff. Wie kam er auf diese Idee?
Schopen: Als Hans Imhoff 1972 die Stollwerckfabrik übernahm, fand er im Keller einen großen Fundus alter Bestände vor, etwa Schokoladenautomaten, alte Gussformen und historische Maschinen. Die Idee, das irgendwie auch einmal einem Publikum zu präsentieren, hatte er schon damals.
Imhoff: 1989 hat mein Vater diese Exponate in einer großen Ausstellung im Gürzenich erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, in einer Art Test. Was gleich ein Riesenerfolg war – etwa 300.000 Leute wollten die Ausstellung sehen, die Schlange stand um das ganze Gürzenich herum. Danach war mein Vater fest entschlossen, das Museum bauen zu wollen.

Wie waren damals die Reaktionen auf sein Vorhaben?
Schopen: Das Publikum war gleich begeistert, der Besucherstrom nahm Anfangs kein Ende. In der Kulturszene war man hingegen durchaus skeptisch, vor allem, weil es ein rein privates Museum sein sollte. Diese Vorbehalte haben sich aber über die Jahre abgeschliffen, heute bekommen wir viel Anerkennung von kulturellen Institutionen.
Imhoff: Auch im Familienkreis hatten wir etwas Sorge, ob sich das Thema langfristig tragen würde, und meinten, dass man den Erfolg von sechs Wochen nicht mit einem permanent geöffneten Museum vergleichen könne. Aber mein Vater hat seinen Kopf durchgesetzt und entschieden: So, ich will jetzt ein Museum bauen. Und nachdem die Entscheidung klar war, haben wir ihn auch alle unterstützt.

Annette Imhoff
Foto: Christopher Dröge
ZUR PERSON:
Annette Imhoff
übernahm mit ihrem heutigen Ehemann Dr. Christian Unterberg-Imhoff im Januar 2016 in der 2. Generation die Geschäftsführung des Schokoladenmuseums, gegründet von ihrem Vater Dr. Hans Imhoff (1922-2007). Klaus Schopen ist der Marketingleiter am Museum.

Wie viel der heutigen Ausstellung besteht noch aus der Stollwerck-Sammlung und woher beziehen sie neue Exponate?
Imhoff: Im Grunde ist die ganze ursprüngliche Sammlung noch zu sehen, es ist aber eben auch viel dazu gekommen. Bei der Suche arbeiten wir etwa eng mit der Alt-Amerikanistik der Uni Bonn zusammen. Gerade erst haben wir zum Beispiel auf einer Auktion in New York einen Kakaobecher aus Alt-Mittelamerika erstehen können, durch dessen Inschrift wir sowohl den Künstler als auch die Epoche identifizieren konnten.

Das Schokoladenmuseum hatte schnell den Status einer Institution – was waren aus der Rückschau wichtige Ereignisse der ersten 25 Jahre?
Schopen:Gleich die Eröffnung im Oktober 1993 war ein Riesenaufschlag, mit Gästen wie Wolfgang Clement und Klaus Kinkel, dem damaligen Außenminister – aber nur sechs Wochen später kam das Rheinhochwasser, das uns erstmal die Technik im Keller ruiniert hat. In Erinnerung geblieben ist natürlich auch der G8-Gipfel von 1999, auch der Vorabend zum Deutschen Fernsehpreis ist mehrmals bei uns gefeiert worden. Und dann natürlich auch unsere Sonderausstellungen, wie etwa zum Thema „Kunst und Schokolade“, die wir in Zusammenarbeit mit dem Museum Ludwig realisiert haben.

Inwieweit hat sich das Konzept in der Zeit verändert, bzw. erweitert?
Schopen: Imhoff hatte schon in den 70ern ein museales Konzept für die Exponate erarbeiten lassen. Wichtig war es ihm, nicht nur einen Einblick in die industrielle Produktion, sondern auch in die Handwerkskunst eines Chocolatiers zu geben. Daneben thematisieren wir aber auch die 5000-jährige Kulturgeschichte der Schokolade von Meso-Amerika über die Renaissance bis zur Industrialisierung.
Imhoff: Als ich die Leitung 2016 übernommen habe, haben wir den Generationswechsel für eine gewisse Modernisierung genutzt – wir haben etwa ein Online-Portal aufgebaut, über das man Karten buchen kann. Vor allem wollten wir noch erlebnisorientier werden, ohne das museale aufzugeben. Wir setzen etwa mehr Personal ein, um die Handwerkskunst zu präsentieren und haben etwa einen originalgetreuen Kolonialwarenladen rekonstruiert. So informiert man über Kolonialismus, ohne die Emotionen zu vernachlässigen.

Das Produkt Schokolade wird heute anders wahrgenommen, Fair Trade etwa ist auch hier ein wichtiges Thema. Wie greifen sie das auf?
Imhoff: Nachhaltigkeit ist inzwischen für uns ein zentrales Thema. Wir sind etwa als Bildungseinrichtung für nachhaltige Entwicklung zertifiziert, als einziges Museum in NRW. Wir bieten etwa Nachhaltigkeits-Führungen für Schulen und Lehrerfortbildungen an.
Schopen: Fair Trade muss nicht immer nachhaltig sein, aber eine nachhaltige Produktion ist auf jeden Fall immer fair. Das muss für alle Produktionsschritte gelten: vom Kakao-Anbau ohne Pestizid-Einsatz und Kinderarbeit, wie sind die Transportwege, wie wird das Produkt verpackt... Letztlich müssen alle in der Wertschöpfungskette ein Lächeln im Gesicht haben, wenn sie an Schokolade denken, nicht nur der Konsument.

Wie wichtig ist den Konsumenten heute die Transparenz der Produktionsbedingungen?
Schopen: Unsere Besucher fragen jedenfalls intensiv danach. Bei den Konsumenten entscheidet nach wie vor der Preis – man kann auch Schokolade für acht Euro pro 50 Gramm erstehen und weiß dann genau, von welcher Plantage sie kommt, aber das machen natürlich die wenigsten. Uns ist es jedenfalls wichtig, die Leute für das Thema zu sensibilisieren.

Mit Exponaten aus dem 19. Jahrhundert wurde ein Kolonialwarenladen rekonstruiert
Foto: Schokoladenmuseum Köln

Auch das Thema Klimawandel spielt beim Kakao-Anbau wegen der Verschiebung der klimatischen Bedingungen eine immer größere Rolle, greifen sie diese Entwicklungen auch auf?
Imhoff: Mit dem Thema versuchen wir auf zwei Ebenen unserer Verantwortung gerecht zu werden. Zum einen planen wir, unseren eigenen CO2-Footprint bis 2023 auf null herunterzuschrauben. Zum anderen verusuchen wir aus unserer neutralen Position heraus, als Mittler zwischen den NGOs und der Industrie zu dienen. Schokolade ist in dieser Hinsicht ein sensibles Produkt, bei dem man die ganze Lieferkette von den Anbauländern bis nach Deutschland im Auge haben muss. Deswegen hatten wir im vergangenen Jahr eine Nachhaltigkeitswoche und eine Fachtagung Nachhaltigkeit veranstaltet, bei der sich Vertreter von Handel, Industrie und Ngos austauschen konnten. Diese Plattform wollen wir nun jedes Jahr bieten und erhalten dafür auch eine Förderung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Nochmal zurück zum Jubiläum: Welche Feierlichkeiten sind geplant?
Schopen: Es wird am 31.10. eine große Gala geben, beim der auch Klaus Kinkel wieder dabei ist. Wichtiger für die Besucher aber ist das Schokoladenfest vom 1. bis zum 4. November: Insgesamt 15 Events rund ums Thema Schokolade, etwa Besuche des Schweizer Chocolatiers Sepp Zotter oder der Konditorenmeisterschule. Mit dem „Markt der Chocolatiers“ auf dem Vorplatz schaffen wir dann auch so etwas wie einen Übergang zu den Weihnachtsmärkten.

Was werden die nächsten 25 Jahre bringen?
Schopen: Wir haben den Blick schon auf 2030 gerichtet und arbeiten daran, die Digitalisierung mit unserem doch sehr sinnlichen Thema zusammenzubringen. Das wird uns sicherlich noch etwas beschäftigt halten.
Imhoff: Wir wollen uns auf dem Erfolg nicht ausruhen, sondern versuchen immer besser zu werden, damit die Besucher wiederkommen – gerade auch die Kölner selbst. Wir haben eine Gruppe von Stammbesuchern, die immer wiederkommen, aber viele Kölner waren zuletzt vor 20 Jahren da oder überhaupt nur einmal in ihrem Leben. Mit dem Jubiläum wollen wir die Kölner verstärkt wieder einladen, uns regelmäßiger zu besuchen, denn unser Thema hat so viele Aspekte und Facetten, dass man selbst beim zehnten Besuch noch etwas Neues für sich entdecken kann.

25 Jahre Schokoladenmuseum | 1. - 4.11. | Markt der Chocolatiers | 14. - 18.11. | www.schokoladenmuseum.de

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