Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
19 20 21 22 23 24 25
26 27 28 29 1 2 3

12.549 Beiträge zu
3.783 Filmen im Forum

Lebenswandel gegen Gottbeweis (2011), Acryl auf Leinwand, 70cm*90cm, © by julja schneider
Foto: Thomas Dahl

Faszination für krumme Linien

05. Februar 2024

Julja Schneider im Maternushaus – Kunstwandel 02/24

Da flirren sie nun – und können nicht anders. Julja Schneiders 88 Zeichnungen im Kölner Maternushaus erfüllen mit Sicherheit die Ansprüche an ein Menü, das kein Lieferdienst herbeibringen kann. Dabei stehen die Pforten zur Werkschau täglich offen, doch die Auswahl ist im positiven Sinne untragbar. Schneiders Fabelwesen und reflektierende Standortbestimmungen im Nirgendwo entziehen sich jeglichem Zugriff und der darauffolgenden Einordnung in die populären Konsumkategorien. Hasen, Vögel, Pandas, Seeigel, (Beethovens) Klaviere und Wörter schlafwandeln in einer nicht kartografierten Landschaft in nebulösen Farbtönen durch den Raum. 

Die Zeichen stehen auf Verwirrung, nur um mit provokanten Aussagen temporären Halt zu suggerieren. Dabei offeriert das Einstiegsbildnis im Tagungshaus der Katholischen Kirche auf der Kardinal-Frings-Straße einen fairen Deal: „biete lebenswandel gegen gottesbeweis“ heißt es da in purpurnen Buchstaben auf leichenweißem Hintergrund. Auf dem Boden, nach unzähligen Variationen aneinandergelegt, ließen die Arbeiten vielleicht einen Atlas erkennen, der die Betrachter:innen in ein Zentrum führt, das entscheidende Antworten beherbergt. Erstens: Gott existiert, aber er oder sie weiß nichts davon. Zweitens: Die beste aller Ideen ist die Liebe. Und drittens: Ordnung ist eine Illusion, die der Humor sich ausgedacht hat. Mit dem Text-im-Bild-Hinweis, „bitte keine Seeigel auf der Straße herumliegen lassen“, erfüllt die Ausstellung zudem ihren Bildungsauftrag. Diese altruistische Einstellung gilt es in einer egomanen Kunstszene wertzuschätzen. Im Ernst, Julja Schneider gelingt mit ihren Arbeiten im wahrsten Sinne des Wortes ein Kunststück, denn sie überzeugen die Betrachter:innen, Zeit zu opfern. Zeit für die Faszination von krummen Linien, die die Rechtshänderin mit links zog, für angenehme Farbtöne, die nicht blenden, für Amüsement und Schrecken in bizarren Comic-Miniaturen, für fehlende Informationen zu Titeln, verwendeten Materialien oder Formaten, die nur ablenken, und schließlich für eine fundamentale Philosophie, die nichts erklärt, aber klare Aussagen beinhaltet. Tun Sie sich das um Gottes Willen an!

Was der Lieferdienst nicht bringt | bis 21.2. | Anwesenheit der Künstlerin: 18.1., 2., 9., 16.2. je 16-18 Uhr, 26.1. 14-16 Uhr | Maternushaus, Köln | 0221 163 10

Thomas Dahl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Lisa Frankenstein

Lesen Sie dazu auch:

Der Blick der Tiere
Elgin Schulz im KunstSpot-Ehrenfeld

Expansion in die Löwengasse
Kunstraum Grevy eröffnet Pop-Up-Store „Grevy Satellite“ – Kunst 02/24

Ohne Filter
„Draussensicht“ in der Oase – Kunstwandel 01/24

Augenöffner im Autohaus
„The Mystery of Banksy“ in Köln – Kunstwandel 12/23

Meister der Street-Art
„The Mystery of Banksy – A Genius Mind“ in Köln

„Das sind keine elitären Räume“
Künstlerin Rike Hoppse und Mitorganisatorin Lea Geraedts über die 18. KalkKunst – Interview 10/23

Seitwärts tickende Zukunft
Museum Ludwig zeigt „Über den Wert der Zeit“ – Kunst 09/23

Ein Leben lang im inneren Tod
Claire Morgan in der Galerie Karsten Greve – Kunstwandel 09/23

Schatten schlägt Licht
„Sommerwerke 2023“ in der Galerie Kunstraub99 – Kunstwandel 09/23

Kunst und Umgebung
„Produktive Räume“ in Haus Lange Haus Esters in Krefeld – Kunst in NRW 08/23

Unzählige Schattierungen
„Weiß“ im Kunstraum Grevy – Kunst 06/23

Äußerst kostbare Zeiten
Bea Meyer im kjubh Kunstverein – Kunst 05/23

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!