Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
23 24 25 26 27 28 29
30 31 1 2 3 4 5

12.510 Beiträge zu
3.755 Filmen im Forum

Engelhafter Sopran aus Gelsenkirchen: Dorothee Mields
Foto: Harald Hoffmann

Vor allem erschüttern

27. Juli 2017

Die Ruhrtriennale feiert mit Monteverdi Geburtstag – Klassik an der Ruhr 08/17

„Wie kann ich die Sprache der Winde imitieren“, schrieb Claudio Monteverdi einem Auftraggeber, der eine Wind-Szene bestellen wollte, „wenn sie nicht sprechen? Und wie kann ich mit ihnen die Herzen der Zuschauer bewegen?“ Diese letzte Frage bleibt das zentrale Anliegen nicht nur im Musiktheater. Winde  als Protagonisten wären allerdings heute eine Kleinigkeit, die Sujets lebender Opernlibrettisten und die technischen Möglichkeiten moderner Bühnentechnik arbeiten dabei Hand in Hand. Aber mit Monteverdi, dessen 450. Geburtstag wir in diesem Jahr begehen, stehen wir am Beginn des 17. Jahrhunderts. Die Oper musste noch erfunden werden.

Auch die Ruhrtriennale 2017 gedenkt des Revolutionärs, der die Affektensprache der Musik auf die Opernbühne zurückbrachte und die Musik zur Charakterisierung der handelnden Personen benutzte. „Monteverdis erklärtes Ziel war es, die Zuhörer nicht nur zu erbauen oder zu unterhalten, sondern auch und vor allem zu erschüttern und zu Tränen zu rühren“, sagt die Monteverdi-Fachfrau und Biografin Silke Leopold. Um dabei nicht ganz die „verosimilianza“, die reale Wahrscheinlichkeit des Bühnengeschehens, ad absurdum zu führen, wählte Monteverdi für seine frühen Opernstoffe geeignete Protagonisten: Wer hätte sich mehr angeboten als Orpheus, Sohn einer Muse und eines Sonnengottes, dessen Gesang wilde Tiere und mächtige Götter besänftigen kann. Im Saal des herzoglichen Palastes in Mantua erklang 1607 erstmals dieses Werk, mit dem der Komponist bis ins 19. Jahrhundert Rezitativ und Arie für die Oper festlegte.

Ebenfalls in diesem Zeitraum widmete Monteverdi dem Papst in Rom seine „Marienvesper“, die jetzt in Traumbesetzung in der Zeche Zollern aufgeführt wird. Monteverdi kombinierte hier Motetten, Madrigale und Concerti zu einem Lauf durch alle Möglichkeiten, nutzte Effekte wie Echo auf Stimme (aus der Ferne) oder Zink, wechselte dramaturgisch ausgeklügelt zwischen Solo, Chor und Doppelchor. Der Spezialist Philippe Herreweghe, dessen letzte Silbe im Nachnamen bei herzhafter Aussprache so derb und rau klingt wie das Fell auf der historischen Rahmentrommel, bringt sein Collegium Vocale Gent mit und eine legendäre Crew der Alte-Musik-Szene, u.a. mit Dorothee Mields, Reinoud van Mechelen und Peter Kooij.

Monteverdi, der Mann aus Cremona, fand übrigens seine endgültige Heimat als Kapellmeister an San Marco in Venedig für mehr als drei Jahrzehnte. So wurde seine Hauptaufgabe natürlich die geistliche Musik, für deren Qualität die relativ früh entstandene Marienvesper beispielhaft weiterlebt und besonders heute viele neugierige Klassikfreunde begeistert.

Collegium Vocale Gent: „Marienvesper“ | So 20.8. 15 Uhr , Mo 21.8. 19.30 Uhr | Zeche Zollern | www.ruhrtriennale.de

Olaf Weiden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Die drei ??? – Erbe des Drachen

Lesen Sie dazu auch:

Nahbarer Maestro
„Von Herzen – Adieu, mein Schatz!“ in Bochum – Klassik an der Ruhr 01/23

Alter Hase von jungen Jahren
Jan Lisiecki besucht die Rheinmetropolen – Klassik am Rhein 01/23

Abschied von Ludwig Güttler
„Sächsischer Bläserglanz zur Weihnachtszeit“ in NRW – Klassik an der Ruhr 12/22

Zartes Orchester-Pflänzchen
„Ensemble Diderot“ in der Kölner Philharmonie – Klassik am Rhein 12/22

Bitte keinen Applaus
Annette Dasch und das Fauré-Quartett in Düsseldorf – Klassik an der Ruhr 11/22

Seele des Kölner Doms
„Geistliche Musik am Dreikönigenschrein“ – Klassik am Rhein 11/22

Das Besondere im Blick
Chordirektordebüt am Theater Krefeld Mönchengladbach – Klassik an der Ruhr 10/22

Zwei Legendinnen
„Le Sacre du Printemps“ in der Tonhalle Düsseldorf – Klassik am Rhein 10/22

Der Blick unter die Haut
Das Delian Quartett zeigt in Dortmund „Insight“ – Klassik an der Ruhr 09/22

30 Jahre Musikvielfalt
Jubiläum des Festival Alte Musik Knechtsteden – Klassik am Rhein 09/22

Zeitreisen in jede Richtung
Kölner Festival „Fel!x“ auf den Spuren des Originalklangs – Klassik am Rhein 08/22

Saitenspiel und Gipfelsturm
Neue Philharmonie Westfalen startet in neue Saison – Klassik an der Ruhr 08/22

Klassik.

Hier erscheint die Aufforderung!