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„Scratchin‘ Jesus“ von Scorpion Dagger im Fenster von Schee
Foto: Eva Maria Albert

Unterhaltsame Drehtüreffekte

27. Oktober 2021

„Urban GIF Parcour“ im Belgischen Viertel – Kunst 11/21

Die violette Faust wird in einer flüssigen Bewegung zu einem Hund, der, noch bevor man ihn ganz erfasst hat, auch schon zu einem fremdartigen Wesen mutiert, das sogleich eine Verwandlung zurück zur Hand vollzieht. Dann beginnt die Sequenz wieder von vorne – eine skurrile Metamorphose in Endlosschleife. Diese pausenlose Wiederholung ist typisch für ein Graphics Interchange Format, besser bekannt als GIF. „Tumbs Up Around The Clock" ist ein solches GIF. Kreiert wurde es von der Ungarin Julia Farkas, die zwei ihrer Werke im Schaufenster der Boutique Fraukayser ausstellt.

Farkas ist eine von 13 internationalen (Medien-)Künstlern, die aktuell das Belgische Viertel mit noch mehr Leben füllen, als es ohnehin schon zu bieten hat. Der Urban GIF Parcour ist ein Sonderformat des Film Festival Cologne und findet dieses Jahr zum ersten Mal statt. Zu sehen gibt es rund 60 GIFs in 30 verschiedenen Läden. Von schicken Modeboutiquen über Cafés bis hin zur alt eingesessenen Bäckerei.

Integriert in die gefüllten Schaufenster manch kleiner Geschäfte fallen die Bildschirme, auf denen die Bewegtbilder in Richtung Gehweg abgespielt werden, tagsüber nicht überall sofort ins Auge ­– umso mehr macht ihr Leuchten aber in der Dunkelheit auf sie aufmerksam. Eine Woche lang laufen sie rund um die Uhr und laden zu Open Air-Erkundungstouren durch die Straßen rund um den Brüsseler Platz ein.


GIF von Nicolas Monterrat im Fenster von Joah Kraus, Foto: Eva Maria Albert

Dabei kann man Neues entdecken, stößt als aktiver Nutzer der Sozialen Medien aber hin und wieder auch auf Schöpfungen, die im Internet bereits gefeiert wurden, denn GIFs sind inzwischen ein fester Bestandteil vieler Plattformen und Messenger. Ein junges Netzphänomen sind sie jedoch nicht: Das Format wurde bereits Ende der Achtziger eingeführt. Es speichert Bilder auf eine Weise, die es ermöglicht, sie hintereinander abzuspielen, so dass der Eindruck einer kurzen Filmsequenz entsteht.

In den sogenannten Mainstream gelangten GIFs erst ab circa 2010, doch heute sind die Meisten sich einig: Die animierten Bilder unterhalten und machen Spaß. Dass das neben privaten Usern auch Unternehmen, Wer­bung­trei­ben­de und nicht zuletzt Künstler anspricht, ist keine Überraschung. Das von Kulturmanagerin Christine Bernau kuratierte Projekt zeigt neben Farkas' Kreationen zum Beispiel auch Werke von Faith Holland, Haydiroket und Parallel Studio. So variabel wie ihre Gestalter ist auch der Inhalt der GIFs – noch bis Donnerstag gibt der Parcour einen kleinen Eindruck von ihrer schier endlosen Bandbreite.

Urban GIF Parcour | 20. – 28.10. | div. Orte, Belgisches Viertel | www.filmfestival.cologne

Eva Maria Albert

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