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Willy Oster und SG Koezle
Foto: Isabelle Bach

Räume als Skulpturen

18. Januar 2017

Oster+Koezle in der Galerie Schmidt und Schütte – Kunst 01/17

Willy Oster und SG Koezle sind ein eingespieltes Team. Seit 17 Jahren arbeiten der Maler und der Fotograf nun unter dem Namen Oster+Koezle an gemeinsamen Projekten. Mittlerweile malt keiner mehr: Es dreht sich alles um Fotografie und ihre digitale Verfremdung. Bei der Eröffnung ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Schmidt und Schütte findet das Künstlerduo Zeit, von den Anfängen ihrer Zusammenarbeit bis hin zur aktuellen gemeinsamen Werkreihe „Die Erkundung der Form“ zu berichten.

Ihren Anfang nahm die Zusammenarbeit Ende der 90er Jahre. Damals kreierte der Maler Willy Oster Farbinstallationen in verlassenen Räumen. Zur Dokumentation seiner Arbeiten suchte er einen Fotografen und fand SG Koezle. Doch schon bald wollten die beiden eine noch engere Zusammenarbeit. Es kam der Wunsch auf, die bis dahin rein dokumentarischen Fotos zu einem eigenständigen Kunstwerk werden zu lassen. „Wir wollten weg von der reinen Dokumentation und Bilder erschaffen, die als Bild selbst gültig sind“, erinnert sich Oster.


OSTER+KOEZLE, #155, o.T., 2015, Pigmentdruck, aus der Serie ‚architectures‘

So entstand die erste gemeinsame Werkreihe mit dem Titel „rooms“. Die Fotos dieser Serie zeigen Innenräume, die in der Nachbearbeitung teilweise mit Farbflächen überdeckt wurden. Aus der bloßen Fotografie eines leeren Raumes entsteht durch die überlagernde Farbfläche ein neues, eigenständiges Kunstwerk. Obwohl die Flächen gewisse Teile der Räume sperren, ist der Raum an sich noch erkennbar. In der darauf folgenden Serie „perspectives“ weiteten die Künstler den Gebrauch der Farbflächen aus. Immer größere Flächen der Fotografien wurden mit Farbblöcken überdeckt. Dem Betrachter ist es bei Werken dieser Serie nicht mehr möglich den Innenraum zu verorten.

Vor drei Jahren begann schließlich die Arbeit an der aktuellen Werkreihe „architectures“. Das Grundelement eines jeden Werkes ist auch hier das Foto eines Innenraums. Durch die Weiterentwicklung der Farbfläche hin zu einer Maske, die über das Foto gelegt wird und  große Teile des Raumes abdeckt, werden einzelne Elemente des Raumes extrahiert. So entstehen eigenständige architektonische Formen, die wie Skulpturen wirken.

Die Künstler suchen stets gemeinsam nach geeigneten Orten, um dort zu fotografieren. Meistens handelt es sich dabei um öffentlich zugängliche Räume wie beispielsweise Treppenhäuser in verlassenen Gebäuden. Nachdem ein bestimmtes Foto aufgenommen und ausgewählt ist, werden in der Nachbearbeitung viele verschiedene Farbmasken ausprobiert und angepasst, bis die richtige gefunden ist.


Ausstellung „Die Erkundung der Form“, Foto: SG Koezle

Das Besondere an dieser speziellen Arbeitsweise ist, dass man die künstlerische Verfremdung der Fotografien auf den ersten Blick nicht unbedingt bemerkt. Man könnte fast meinen, es handle sich um gemalte Kollagen. Dieser Eindruck entsteht wohl durch die malerische Flächenkomposition der Arbeiten, die als Pigmentdrucke gefertigt und ausgestellt werden. Jedes Werk zeigt auf seine Weise neue architektonische Perspektiven auf und regt den Betrachter dazu an, Räume aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. „Eigentlich ganz simpel das Prinzip, man muss nur die richtigen Formen finden“, meint Willy Oster augenzwinkernd.

In der aktuellen Ausstellung sind Arbeiten der „architectures“ und der neusten Werkreihe „schwarz/weiß“ zu sehen.

„Die Erkundung der Form“ von Oster+Koezle | bis 18.2. | Galerie Schmidt und Schütte, Albertusstr. 26 | Do/Fr 14.30-18.30 Uhr, Sa 13-16 Uhr | 0221 28 06 75 01

Isabelle Bach

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