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V. l.: M. Schulz, P. Käßbohrer, J. Böhmermann, M. Reinl, R. Caspers und Prof. D. Leder

Lach- und Sachgeschichten

28. Juni 2013

Fernsehschaffende (Ex-)Studenten zu Gast an der KHM – 07/13

Dass die Fernsehbranche hauptsächlich von Selbstdarstellern besiedelt wird, ist bekannt und liegt in der Natur der Sache. KHM-Professor Dietrich Leder passt gut in diese Welt. Bei seiner Moderation der Abschlussveranstaltung der „Best of KHM Movies“-Filmreihe betont er mehrmals, wie gerne er sich reden hört. Und so wird aus der Podiumsdiskussion mit vier ehemaligen Absolventen, die nun erfolgreich Fernsehen machen, ein regelrechtes Infotainment-Event. Geladen sind der „Wissen macht Ah!“-Moderator Ralph Caspers, der puppenspielende Comedian Martin Reinl und die beiden noch studierenden Produzenten der „Roche & Böhmermann Show“, Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz. Letztere wurden überraschend begleitet von Jan Böhmermann selbst.

Kurz nach 19 Uhr ist die Aula der KHM gut gefüllt. Professor Dietrich Leder tritt in hellgrünen Lederslippern und verwaschenen Bluejeans vor das Publikum und eröffnet mit ein paar Witzen den Abend. Vereinzelt wird gelacht. Zuerst bittet er Ralph Caspers zu sich und interviewt ihn zu seinem Werdegang, dann werden Ausschnitte aus den Sendungen „Wissen macht Ah!“ und „Lach- und Sachgeschichten“ gezeigt. Im Anschluss gibt der professionelle Schlaumeier Caspers einige „Fun Facts“ zum Besten, etwa, dass Primaten und Menschen die einzigen Lebewesen sind, die Popel produzieren, weil ihr Nasensekret trocknet.

Der nächste Auftritt lenkt das Publikum von der Frage ab, ob Caspers sein eigenes Nasensekret in Teenagertagen wirklich zum Snack umfunktioniert hat. An der Reihe ist Martin Reinl, u. a. die Hand in der „Zimmer frei“-Puppe Wiwaldi. Von Leder ins Gespräch gezogen, erzählt er von seiner schon immer bestehenden Faszination für Puppen und gibt unumwunden zu, dass er selbst nie geglaubt hätte, mit seinem Spiel einmal ein Publikum zu finden. Seine Bewerbung an der KHM sei daher nach einer ganzen Reihen von Absagen anderer Hochschulen auch eigentlich ein zynischer Witz gewesen. Doch siehe da, an der KHM mochte man sein bissiges Spiel mit den flauschigen Charakteren und über die Rolle des Sidekicks in „Zimmer frei“ brachte er es später sogar zur eigenen „Wiwaldi Show“.

Martin Reinl lässt Wiwaldi auf Prof. Leder los

Auch die letzten beiden Gäste, Philipp Käßbohrer und Matthias Schulz, kann man als Show-Überraschungen bezeichnen. Mit ihrem quasi im Hobbykeller produzierten Chaos-Format auf ZDFkultur, der „Roche & Böhmermann Show“, wurden sie als Studenten über Nacht zu Nischensender-Königen und regierten für Wochen das nationale Feuilleton. Der frühe Ruhm hat Spuren im Selbstbewusstsein hinterlassen: Prof. Leder wird jovial geduzt, die Betonung, dass man das Diplom noch nicht in der Tasche habe, ist sichtlich ironisch. Leder spielt das Spiel gerne mit. Als die beiden auch ein wenig Glanz auf ihn und seine Seminare werfen, kommentiert wiederum er ironisch: „Man merkt, dass sie noch ihren Abschluss brauchen!“ – die Brechung hat Hochkonjunktur.

Nachdem die Gäste ihre Einzelauftritte hatten, setzt man sich zur Expertenrunde zusammen und fachsimpelt über das deutsche TV. Es reden hauptsächlich Prof. Leder, Böhmermann, Käßbohrer und Caspers. Schulz und der puppenlose Reinl finden keinen rechten Hebel im Kräftemessen der verbalen Alphatiere. Dafür lauert die nächste Generation schon auf ihre Chance: Eine Studentin im Publikum meldet sich mehrmals spontan zu Wort und lässt sich dieses nur widerwillig wieder entreißen, obwohl sie eigentlich nichts zu sagen hat. Da hat der Abend aber ohnehin schon mehr als Spielfilmlänge. Zeit, nach Hause zu gehen und „Roche & Böhmermann“ zu streamen.

Text/Fotos: Moritz Pohl

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