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Otto Piene, Langen Stars, 2014 © VG Bildkunst
Foto: David Ertl

Schnappatmung der Kunst

02. Mai 2022

„Die Welt in der Schwebe“ im Bonner Kunstmuseum – Kunstwandel 05/22

„Jetzt hebt sichs, wie ein Blutsturz, mir. Luft! Da mir der Knopf am Brustlatz springt: Luft jetzt! Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt, sag ich!“ Tja – hätte der junge Ruprecht in Heinrich von Kleists Krug-Komödie jetzt Zugriff auf Yoko Onos „Air dispenser“ (Kaugummiautomat und Kapseln, 1971) gehabt, dann hätte er sich ein Kügelchen Luft am Automaten ziehen können. Aber so etwas gab es ja Ende des 18. Jahrhunderts noch nicht, Yoko Onos Kaugummiautomaten dagegen stehen momentan im Bonner Kunstmuseum in der Ausstellung „Welt in der Schwebe“. Ganze zwei Dutzend Künstler quer durch die Generationen haben sich mit dem flüchtigen, unsichtbaren Material beschäftigt, versucht, es zu bändigen, in Hüllen zu pressen, Ulay und Marina Abramovic entzogen – auch in den 1970ern – ihrer Atemluft küssend gleich so lange den Sauerstoff, bis das eingeatmete Kohlendioxid sie fast ohnmächtig werden ließ. Hans Hemmert benutzt heute die Luft als Füllmaterial für seine gelben Latexballons, die auf Architektur und Raum reagieren und manchmal auch ziemlich skurrile Dinge zu tun scheinen. In Bonn hat der Bildhauer einen Ballon im oberen Treppenhaus hervorquillen lassen (o.T, 2022), so macht er das Unsichtbare sichtbar und erzeugt einen völlig neuen Ansatz vom Runden im Eckigen.

Viel weiter ging da in den ersten Wochen Michael Pinsky mit seiner aufsehenerregenden Installation „Pollution Pods“ (2022) im Außenbereich. Hier konnten die Besucher:innen in fünf Kuppeln nicht nur unterschiedliche Klimazonen erleben, sondern auch die gefährliche Metropolenluft der weltweiten Megacitys einatmen. Nicht ganz so gefährlich ist es natürlich in den Räumen des Museums, wenn man am gelben Ballon vorbei ist. Hier schweben Andy Warhols „Silverclouds“ von 1966 (Scotchpak-Folie, Helium) oder die Besucher:innen werden unbemerkt zu Protagonisten des schwedischen Künstlerpaares Nina Canell & Robin Watkins, die in ihrer Arbeit „Passage (Saturated)“ mit zusätzlichem Sauerstoff angereicherte Luft in einem Durchgang verströmen lassen und so im Stillen Körper und Räume verändern. Otto Piene (1928-2014) war da lautstärker. Vom ZERO-Mitgründer sind die lautstark auf- und abschwellenden Riesen-Inflatables aus buntem Spinnakertuch zu erleben.

Welt in der Schwebe | bis 19.6. | Kunstmuseum Bonn | 0228 77 62 60

Peter Ortmann

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