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Regina Fuhrmann: „Kipppunkte“
Foto: Christina Plischka

Kunst auf der Kippe

07. September 2017

1. Interdisziplinäres Frauen Kunst Festival in den Räumen der Michael Horbach Stiftung – Kunst 09/17

GEDOK ist die Gemeinschaft der deutschen und österreichischen KünstlerInnen aller Kunstgattungen. Zwanzig Künstlerinnen aus verschiedenen Kunstsparten der GEDOK Köln haben sich zwei Jahre lang in einen gemeinsamen Prozess begeben und gegenseitig inspiriert. Die Autorin Doris Konradi erzählt, dass Gudrun Pamme-Vogelsang, die Fachbeirätin der GEDOK für Bildende Kunst, diese Zusammenarbeit inszeniert habe. Die Zusammenstellung der einzelnen Gruppen und Künstlerinnen, die gemeinsam in je einem Raum ausstellen werden, habe sich spontan bei einem ersten Impulstreffen ergeben. Im November letzten Jahres sind in Einzelveranstaltungen die ersten Proben gezeigt worden und nun werden diese beim 1. Interdisziplinären Frauen Kunst Festival zusammengeführt.

Konradi: „Wir haben in einem sehr intensiven Prozess herausgearbeitet, wie die Künste zusammenhängen können. Das ist das Ziel des Festivals.“ Die GEDOK Köln vereint innerhalb des Festivals Angewandte und Bildende Kunst, Musik, Literatur und Darstellende Kunst. Die Abkürzung IDA bedeutet nicht nur Interdisziplinäre Aktion, sondern stellt ebenso eine Verbindung zu Ida Dehmel dar, der Frauenrechtlerin und Gründerin der GEDOK in Hamburg im Jahr 1926.

An den ersten zwei Festivaltagen am 5. und 6. September fanden die Vernissage, Führungen durch die Ausstellung und das Symposium Interdisziplinäre Kunst statt. Ab dem 7. September, werden die interdisziplinären Gruppenaktionen – jeweils eine pro Tag – in Verbindung mit einer Performance präsentiert. Gezeigt werden Aktionen auf der Kippe bzw. an Kipppunkten, in Umbrüchen, in Lücken, im Spiel mit Identitäten, Paradiesvorstellungen und Erinnerungen an die eigene Kindheit.

Kipppunkte – 7. September 19.30 Uhr – Bettina Wenzel: Stimmperformance/ Bettina Hesse: Text, Stimme/ Veronika Moos: Rauminstallation, Flachsgewinnung/ Renate Fuhrmann: Schauspiel

Begleitet von der Flachs- und Leingewinnung wird ein fließender Prozess zu sehen sein, der Kipppunkte markiert: in der Stimme, in Texten, in der Rauminstallation, im Schauspiel, in den dargestellten Momenten des Lebens.

Fuhrmann berichtet, dass Veronika Moos den Flachs bei sich zuhause anbaue, ernte und trockne. Während der Performance werde sie ihn spinnen. Bettina Wenzel werde Töne an den Gegenständen des Raumes erzeugen, an denen sie sich in dem Moment befinden wird. Die Autorin Bettina Hesse werde ihre Texte einbringen, in welchen sie nach den Kipppunkten der Ereignisse sucht und den Zwischenraum von ja und nein erforscht. Regina Fuhrmann selbst wird ihren Bruch darstellen. Sie werde sich fragen, welche Figuren sie in ihrem Alter von 75 Jahren noch spielen könne. Fuhrmann: „Was bleibt mir? Büchners Großmutter aus Woyzeck.“ Eingebettet in die Erzählung „Ida“ von Gertrude Stein wird sie kleine Schritte von Stücken machen, die sie nicht mehr spielen könne, jedoch mal gespielt habe.

Ein Kinderspiel – 8. September 19.30 Uhr – Annette Maye: Klarinette, Improvisation/ Catharina de Rijke: Malerei- Performance- Live/ Anne Dorn (im Februar 2017 verstorben): Texte/ Bettina Dorn: Lesung, Schrift/ Meike Herzig: Blockflöte, Serpent, Improvisation/ Regine Schirmer: Malerei, Performance

Leichtigkeit und Unbekümmertheit werden mit dem Kinderspiel assoziiert. Wie wird es möglich, durch die eigene Kunst Erinnerungen an die Kindheit wiederzugeben? Sie zeigen sich in Bildern, in der Live-Malerei, in Texten, auf der Web-Cam und in der Komposition/ Improvisation von Musik.

Anne Dorn, eine Künstlerin und Autorin dieser Projektgruppe, verstarb am 8. Februar 2017. Ihren Platz in der Gruppe übernahm in Absprache mit ihr ihre Tochter, die Schauspielerin und Regisseurin Bettina Dorn. Sie wird die Texte ihrer Mutter lesen. Zudem werde es, so Bettina Dorn, QR-Codes geben, durch die ihre Stimme noch einmal zu hören sei.

Regine Schirmer kündigt an, dass sie und Catharina de Rijke während der Performance am Freitag malend aufeinander reagieren werden. Ihre Bilder, die Teil der Ausstellung sind, entstanden anhand von Kindheitsfotos. Jedoch bildete sie nicht genau das ab, was sie auf den Fotos gesehen habe. Schirmer: „Mich hat es interessiert, etwas durch Malerei anders zu bewerten, als ich es erlebt habe und als ich es sehe auf dem Foto.“

Catharina de Rijke stellt Bilder der Reihe „Nice to meet you“ aus. De Rijke: „Beziehungen – Nice to meet you, ist für mich ein sehr bewegtes Thema, wo ich schon lange daran arbeite, immer wieder Serien entstehen. Es geht auch um meine eigene Kindheitsgeschichte, meine Eltern.“

Schirmer: „Ich denke, dass unsere Gruppe sehr intensiv war. Das ist ein Thema, das geht unter die Haut.“

Paradise. Lost? – 9. September 19.30 Uhr – Romy Herzberg: Kontrabass, Komposition/ Lieselotte Freusberg: Zeichnung/ Angelika Wittek: Mixed Media, Installation/ Johanna Hansen: Text/ Renate Martinsdorf-Henrici: Mixed Media, Installation/ Christina Fuchs: Saxophon, Klarinette, Komposition

Es wird eine Auseinandersetzung mit verschiedenen Paradiesvorstellungen gezeigt: Eine Verbindung von Literatur, Musik, Medialer Kunst, Installation und Zeichnungen. Ein Dialog wird entstehen. In der Performance „Paradise. Lost?“ wird der (verlorene) Himmel auf Erden gesucht.

Lieselotte Freusberg (geb. 1933): „Eigentlich ist eines der Leitsymbole für das Paradies eben der Apfel. Und der erscheint dann hier in sehr verschiedener Weise.“

Es werden Zeichnungen live zur Musik entstehen. Die Paradiesvorstellung werde per Text erweckt und von der Musik teilweise beantwortet werden. BesucherInnen haben die Möglichkeit, einen Eindruck vom Paradies mitzunehmen. Ein Paradies to go.

Anna spinnt! II – 10. September 12 Uhr – Doris Konradi: Text, Installation/ Melitta Bubalo: Stimme, Klavier/ Natascha Würzbach: Text, Installation/ Dorissa Lem: Installation, Handdrucke

„Anna spinnt! II“ ist ein Spiel mit den Identitäten. Im Prozess entsteht und entstand die Kunstfigur Anna immer wieder neu. Wer ist Anna? Das interdisziplinäre Kunstprojekt beinhaltet Handdrucke, Skulpturen, Installationen, eine Klanginstallation, Text und Musik.

Doris Konradi: „Es ist das Prozesshafte, was wir auch in der ganzen Arbeit miteinander hatten. Das spiegelt sich im Grunde in jedem Objekt wieder. Sowohl in der Musik, als auch in den Drucken und Skulpturen.“

Dorissa Lem: „Und am Anfang war bei uns wirklich die Leere, das Schweigen, die Stille. Und die ist manchmal auch schwierig auszuhalten. Aber dann passiert was. Das ist immer wieder in unserer Gruppe ein spannender Prozess. Aus der Stille heraus etwas zu entwickeln. Uns war es auch wichtig in diesem Raum eine gefüllte Leere zu zeigen. Eine gute Spannung zwischen Freiräumen und Installation.“

Weiter erklärt Konradi, dass die Kunstfigur Anna aus diesem Nichts entstanden sei. Sie sei am Anfang ein dreiviertel Jahr lang nicht da gewesen, doch irgendwann sei sie aufgetaucht. In den Texten von Natascha Würzbach. Es kumulierte in dieser Figur, die dann als Thema genommen wurde. 

Während der Performance werden die Künstlerinnen aufeinander hören und erspüren, was gerade ansteht. Sie werden mit der Kunst, der Musik und den Texten improvisieren.

IDA – InterDisziplinäreAktion von GEDOK Köln | Performances: bis 10.9. | Ausstellung: bis 9.9. 15-18 Uhr (Eintritt frei) | Kunsträume der Michael Horbach Stiftung, Wormser Str. 23 | gedok-koeln.de

Christina Plischka

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