Dienstag, 10. Mai: Bevor am Nachmittag der Entwurf zum Doppelhaushalt 2016/17 in den Rat eingebracht wurde, machten sich nach Angaben der Veranstalter etwa 370 TheatermacherInnen und Interessenten auf dem Theo-Burauen-Platz vor dem Rathaus für eine schrittweise Erhöhung der jährlichen Zuschüsse auf 5,14 Mio. Euro bis zum Jahr 2019 stark. Diese Summe – gegenüber ermittelten Transfers von rund 2,2 Mio. Euro im Jahr 2015 – entspreche nach eigener Berechnung dem aktuellen Bedarf. „Wir fordern endlich faire Bedingungen für die freie Theaterszene in dieser Stadt“, so Schauspieler Klaus Schweizer von der Kölner Initiative Freies Theater, die auf 250 Premieren und 4000 Aufführungen im Jahr verweist. „Damit erreichen die freien und privaten Theater deutlich mehr Zuschauer als die städtischen Bühnen hier in Köln.“

Annette Frier sprach für die „überwältigende Mehrheit“ der Kölner Schauspieler, die eben an privaten Theatern engagiert seien oder waren. Sie wunderte sich, dass weniger als fünf Prozent des städtischen Etats für die Darstellenden Künste den freien Theatern zur Verfügung stünden. „Ich hab‘ mal ’ne Ausbildung am [Theater der] Keller gemacht, ’94 bis ’97, war dann ungefähr zehn Jahre sehr gut beschäftigt, im [Theater im] Bauturm, aber auch an anderen freien Kölner Bühnen, und ich habe diese Arbeit, was den kreativen und inhaltlichen Bereich angeht, als sehr professionell empfunden – und als sehr unprofessionell, was die Rahmenbedingungen und die Verhältnisse angeht. Das war extrem frustrierend. Ich bin damals für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich entweder diese Profession hobbymäßig weitermache und hauptberuflich kellnern gehe, oder ich gehe zum Fernsehen.“ So war dann auch auf den Flugblättern vermerkt, dass eine faire Bezahlung auf und hinter der Bühne derzeit nicht stattfinden könne.

Auch für die kulturelle Bedeutung der freien Szene für die Stadt forderte Schweizer insgesamt mehr Anerkennung durch die Verwaltung. „In hundert Projekten engagieren wir uns in der kulturellen und ästhetischen Bildung in dieser Stadt. Wir kümmern uns um die Teilhabe unserer postmigrantischen MitbürgerInnen am kulturellen Leben und wir kümmern uns um die Eingliederung von Flüchtlingen.“ Ferner seien die freien Bühnen durch ihre rund 1000 Mitarbeiter, viele Ausbildungsplätze und Verbindungen zur Kölner Wirtschaft auch als Wirtschaftsfaktor relevant.

Ratsmitglieder sowie auch Frau Reker wurden vor der Ratssitzung auf das Thema angesprochen und mit Blumen beschenkt. Die Kölner Initiative Freies Theater setzt sich aus allen Mitgliedern der Kölner Theaterkonferenz, der Plattform Kölner Theater und aus unabhängigen TheatermacherInnen zusammen. Der geforderte Betrag helfe 45 Theaterbetrieben und bliebe dabei noch immer unterhalb von 10 Prozent des Etats der städtischen Bühnen.
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