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„Bilder deiner großen Liebe I“
Foto: Meyer Originals

Jugendliche Reise in den Tod

30. März 2017

„Bilder deiner großen Liebe“ im Theater der Keller – Theater am Rhein 04/17

Sie kommt ganz schlicht daher, diese Inszenierung: der leere Bühnenraum, ein Blecheimer in der Ecke, zwei Schauspieler. Hauptfigur Isa wird zu Beginn nicht nur von Alrun Hofert gesprochen. Auch Michael Witte (alle anderen Rollen) spricht Teile von Isas Text mit. Das steht nicht in der Vorlage (Bühnenfasung: Robert Koall), stellt aber die autobiografischen Anteile der Geschichte stärker in den Mittelpunkt. Isa kennt man zwar als durchgeknallt-geheimnisvolle Nebenfigur bereits aus „Tschick“. Doch Wolfgang Herrndorfs unvollendet hinterlassener Roman „Bilder einer großen Liebe“ ist kein „Tschick 2“. Der Roman erzählt aus autobiografischer Perspektive die Geschichte der 14-jährigen Asa, die aus der psychiatrischen Anstalt flieht. („Wenn ich will, dass das Eisentor aufgeht, dann geht das Eisentor auf. Und raus.“) Sie trifft in einem düster-märchenhaften Stationendrama auf gescheiterte Bankräuber, schräge Schriftsteller und tote Förster.

Das hat zwar den Charakter eines Roadmovies, ist aber doch viel näher an Herrndorfs Buch „Arbeit und Struktur“, in dem er seinen Kampf gegen den tödlichen Hirntumor dokumentierte. „Bilder deiner großen Liebe“ ist zeitgleich entstanden. Beide erzählen von einer psychischen Grenzsituation. Und so wird in dieser Inszenierung die jugendliche Isa irgendwie auch zu einem alten Mann, der zurückblickt. Bis am Ende der Freitod durch eine Schusswaffe thematisiert wird und scheinbar Herrndorf selbst zur Heldin spricht: „Du hast keine Ahnung, was Zeit ist.“ Zur großen Action zwischen den Figuren kommt es kaum, der Text steht im Vordergrund. Den unterstützt eine spärlich eingesetzte Musikuntermalung, kurze Erholung bietet eine Tanzeinlage. Weniger gelungen eine Szene, die durch Lichteffekte filmähnlich auf- und abgeblendet wird: zu penetrant das Blenden in den Zuschauerraum. Alrun Hofert strahlt als Isa positiv-verrückte Lebensfreude aus. Die Verbindungen zu Herrndorf hätte Kabuth noch konsequenter herausarbeiten dürfen. Dennoch wird letztlich klar: Was da frech daher kommt, ist eine tieftraurige Verabschiedung vom Leben.

„Bilder deiner großen Liebe“ | R: Bastian Kabuth | 7., 12., 27.4. 20 Uhr | Theater der Keller | 0221 31 80 59

MARIO MÜLLER

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