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Danger Dan, der Mann ist gefährlich
Foto: Jaro Suffner

Immer genau dahin wo's wehtut

30. August 2018

Selbstfindungsrandale mit Danger Dan und Juse Ju – Popkultur in NRW 09/18

Daniel Pongratz alias Danger Dan von der Antilopengang bringt sein erstes Soloalbum raus und der Elefant ist mitten im Raum mit der Frage: Wie wird man erwachsen, wenn man doch eigentlich pubertär bleiben will? So viel Spieltrieb und goofy Humor auf der einen Seite, und zugleich so viel Frust und Furor auf der anderen… Danger Dan zieht's durch: Ich lasse mich nicht anpassen, ich behalte meine Wut, und ihr hört sie euch gefälligst an. Und wenn er über Rape Culture und den Gender Pay Gap rappt, wenn er fragt, wie er seiner Tochter all das bloß erklären soll, und dazu dann im Video neben tanzenden Models an einem fetten Auto posiert, dann ist Mister Danger genau dort, wo er sich offenkundig am heimischten fühlt: im Zwiespalt.

„Ich bin dumm und auch ein Lauch“, rappt Dan, zugleich betitelt er sein selbst produziertes Album nach Adornos „Minima Moralia“. Aus Theodor W.'s „Reflexionen aus einem beschädigten Leben“ werden bei Dan „Reflexionen aus einem beschönigten Leben“. Aber er beschönigt hier nichts, versteckt sich auch nicht hinter Ironie, sondern hadert öffentlich zuallererst mit sich selbst. Und dann erst mit dem deutschen Rap, dem er Substanzlosigkeit, Neoliberalismus und Frauenfeindlichkeit vorwirft, zudem mit den Systemzwängen im Porzellanladen und nicht zuletzt mit den Prinzen, deren letzte zehn Jahre er im Duett mit Sebastian Krumbiegel himself zur Tragödie erklärt. Den großen Abriss liefern dann Textzeilen wie „Wenn du nicht ausbrechen kannst, dann piss in den Käfig“, was sich live garantiert wunderbar zum Mitbrüllen eignet. Das Erstaunlichste an Danger Dans Soloalbum ist, dass es bei all den kritischen Tönen immens Energie und gute Laune liefert.

Ein weiterer Grund sich jenseits von deutschem Gangster- und Straßenrap umzuschauen, nennt sich Juse Ju und wird ebenfalls u.a. in Münster zu Gast sein. Justus Hütter ist Journalist, Radiomoderator, Freestylemeister, Battlerapper und passionierter Meinungsinhaber. Er hält die Fahne des Underground-Rap hoch: „In einem Land, in dem die erfolgreichsten TV-Sendungen Bauer sucht Frau und Dschungelcamp sind, was heißt denn da kommerzieller Erfolg?“, fragte er im Splash Mag-Interview. So einfach macht er es sich nicht immer. Seine Themen sind Lügengeschichten und echte Siege, Provinzsehnsucht und Heimatgefühl, Minderwertigkeitskomplexe und Verschwörungstheorien, narzisstische Ladies und Frauenhasser, Emotionslosigkeit und rotgeweinte Augen, Luxusgüter und Skateboardtricks, dumme Rapper und falsche Männlichkeitskonzepte. Und immer wieder der schonungslose Seelenstriptease an der Tanzstange des Weltschmerzes. Wenn schon alles Scheiße ist, braucht man gute Freunde – in Juses Fall sind das Fatoni, Edgar Wasser und natürlich Danger Dan – und voilà, da schließt sich der Kreis. Beatmäßig ist Juse Ju noch ein ganzes Stück bissiger unterwegs und bietet damit ebenfalls beste Aussichten für ein heftig gutes Konzerterlebnis.

Danger Dan: 26.9. 20.30 Uhr: Gleis 22, Münster | 27.9. 19 Uhr: Luxor, Köln

Juse Ju: 27.9. 20 Uhr: Drucklufthaus, Oberhausen | 28.9. 20 Uhr: CBE, Köln | Sa 29.9. 20.30 Uhr: Gleis 22, Münster

Melanie Redlberger

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