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„No Access“, 2015 von Tom Burr
Foto: Kölner Skulpturenpark

Große Kunst und Vogelgezwitscher unter dem Highway

07. Juli 2015

Der Kölner Skulpturenpark gewinnt faszinierende Arbeiten hinzu – Kunst 07/15

„Eine Skulptur ist ein Gegenstand, der sich vor uns hinsetzt, herrisch, mächtig, sperrig. Denken Sie nur an die Reiterstandbilder“, sagt Thomas D. Trummer. Er ist der Leiter des Kunsthauses Bregenz und kuratiert für die Stiftung Skulpturenpark Köln – die im Jahr an die 100.000 Menschen in ihr Areal gegenüber dem Kölner Zoo lockt – die neue Ausstellung „Köln Skulptur #8“. Für Trummer erregt eine Skulptur im besten Fall Aufmerksamkeit und er verhehlt nicht, dass das eine ziemlich „männliche“ Auffassung von der Bildhauerei ist. Die Belgierin Edith Dekyndt erweiterte sein Kunstverständnis, indem sie ihn bei einem Gespräch darauf hinwies, dass eine Regenpfütze, deren Wasser von einem Windhauch bewegt wird, auch eine Skulptur sei. Vielleicht eine „weibliche“ Spielart der dreidimensionalen Kunst.

Edith Dekyndt zählt zu jenen sieben Künstlern, deren Arbeiten neu in den Park aufgenommen wurden. Die belgische Künstlerin setzt sich in ihren Arbeiten mit den Einflüssen von Wind, Wetter und Gezeiten auseinander.

Deshalb fällt ihr Beitrag zum Gesamtkunstwerk Skulpturenpark auch dezent aber gleichwohl subtil aus. Sie verkleidete die stählernen Eingangstore des Parks mit Kupfer. Jetzt strahlen die Tore noch rötlichgolden, bald werden „The Fences“ – so der Titel – Grünspan ansetzen und den Grüntönen des Parks einen weiteren hinzufügen.

Die augenfällig modernste Arbeit lieferte der aus New York stammende Tom Burr mit seinem aus 26 schwarzen Metalltafeln bestehendem Werk „No Access“. Wie große Screens von Fernsehapparaten sehen die polierten Flächen aus, eine Assoziation, die Burr bewusst anlegte. Inspiriert haben ihn die schwarzen Gläser, mit denen die Maler im 19. Jahrhundert Landschaften spiegelten, aber die Displays der Smartphones hat Burr auch im Blick. Geht man durch das Labyrinth, lösen sich für einen Moment Zeit und Raum wie im Schwindel auf.

Gleich daneben ist eine weitere atemberaubende Arbeit zu bewundern, die sich ganz ohne Metall und Technik präsentiert. Der Österreicher Lois Weinberger zog vom Haupthaus des Areals eine breite „Spur“ durch den Rasen und schüttete das Erdreich zu einem Hügel auf. Das Innere nach außen gekehrt, blicken wir in das rohe Gemisch aus Sand, Stein, Rasen und Pflanzen. Eine Arbeit mit wuchtiger Attitüde, die zugleich den Blick für das Reale der Natur schärft und in einen konkreten Dialog mit der Parklandschaft tritt.

Grausig und zart geht es bei Amalia Ulman zu. Die junge argentinische Künstlerin erlitt in Kalifornien schwere Beinverletzungen bei einem Unfall. Derzeit befindet sie sich in einem Hospital, in dem auch Soldaten mit Schussverletzungen behandelt werden. Ihre Skulptur „Stock Images of War“ zeigt einen Rollstuhl aus Metallstangen. Wie von Kinderhand scheint er gemacht. Tatsächlich fertigte die Künstlerin aus ein paar Drähten ein Modell an, das dann im Computer bearbeitet wurde. Der 3,50 Meter hohe Rollstuhl steht im Schacht des Parks. Man steigt hinab wie in einen Brunnen oder ein Gefängnisverlies, hört die Stimme der Künstlerin und die Geräusche von Schüssen. Das Zerstörungspotenzial der Gewalt und die Schönheit der graziösen Geste werden durch die Akustik unmittelbar aneinander gebunden.

Das amerikanische Künstlerpaar Slavs und Tartars lässt in seiner Skulptur „AA AA AA“ eine überdimensionale Gebetskette aus der Erde wachsen. Ein nachdenklicher Versuch künstlerischer Versöhnung, denn die Gebetsketten gehören sowohl für die jüdischen als auch islamischen und christlichen Gläubigen zur religiösen Praxis.

Es gibt nicht viele Sitzmöglichkeiten im Park, aber mit der Doppelskulptur „5 Worlds, 12 Benches“ von Matt Mullican existieren nun zwei zusätzliche Bänke, auf denen der Amerikaner abstrakte Zeichensysteme der Künste und Stadtpläne entwarf. Zwei Jahre werden die Bänke aus Zürich in Köln verweilen, ebenso wie der riesenhafte schwarz-graue Betonkubus, den Santiago Sierra schon vor dem Portal der ART Cologne ausstellte. Nun wurde die Zahl der Arbeitszeit, die es brauchte, um ihn beziehungsreich unter die Zoobrücke zu platzieren, korrigiert und mit „583 Stunden Arbeit“ festgeschrieben.

Der Kölner Skulpturenpark erhält mit den neuen Arbeiten einen starken Zuwachs, die ihn reizvoll und künstlerisch wertvoll machen. Welch besonderen Ort der Park darstellt, beschreibt Tom Burr, wenn er die Besucher darauf hinweist, dem Vogelgezwitscher der grünen Oase und dem Dröhnen des „Highways“ – er meint die Betontrasse der Zoo-Brücke – zu lauschen, und diese intensive Heterogenität des urbanen Lebens zu genießen.

„Köln Skulptur #8“ | Freier Eintritt | Tägl. geöffnet von 10.30 – 19 Uhr | www.skulpturenparkkoeln.de

THOMAS LINDEN

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