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The Royal Tenenbaums
Neuseeland 2001, Laufzeit: 108 Min., FSK 12
Regie: Wes Anderson
Darsteller: Gene Hackman, Anjelica Huston, Ben Stiller, Gwyneth Paltrow, Luke Wilson, Owen C. Wilson, Danny Glover, Bill Murray, Seymour Cassel, Kumar Pallana

Diese irrwitzige Komödie beweist, dass der junge, amerikanische Filmemacher Wes Anderson (geboren 1970 in Houston) zu den derzeit größten Regie- und Autoren-Talenten Hollywoods zählt. Seine Ideen, die von ihm entwickelten Personen- und Story-Konstellationen, die schon beim Spielfilm-Erstling "Rushmore" für ein Kino-Glanzlicht sorgten, haben in seinem zweiten Geniestreich, der rasanten Familien-Satire "The Royal Tenenbaums", noch einmal an Komplexität und Brillanz gewonnen. In der US-Independant-Szene tummeln sich derzeit einige vielversprechende Newcomer, die wild und genialisch drauf los schreiben, in deren unkonventionellen Werken es von inhaltlichen und formalen Einfällen nur so strotzt. An dieser Stelle sei noch einmal an intelligente Leinwandvergnügen wie "Magnolia" oder "Being John Malkovich" erinnert. Um eine Art atmosphärischen Paradigmenwechsel zu unterstellen, sei hier auch das europäische Beispiel "Amélie" genannt, deren fabelhafte Welt derzeit das amerikanische Publikum erobert. Dieses - unter anderem von der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen geförderte - Film-Schätzchen, dem man ein solches Potential gar nicht zutrauen mochte, hat soeben den von 1979 stammenden US-Einspielrekord einer französischen Produktion ("Ein Käfig voller Narren") getoppt und steuert auf ein weltweites Gesamteinspiel von 100 Millionen Dollar zu. Nichts an diesen Filmen ist von vornherein auf kommerziellen Erfolg ausgerichtet gewesen. Die Reaktion der Zuschauer war trotzdem eindeutig: die besondere Qualität der Werke überzeugte so nachhaltig, vielleicht gerade das Schrille, Verwickelte, ja Hermetische dieser ganz persönlichen Kunstprodukte waren in einem Maße nachvollziehbar, dass sich die bemerkenswerte Publikumsresonanz wie von selbst einstellte. Gerade auch Wes Anderson hat den Kniff raus, eine Riege von skurillen Figuren, allesamt Außenseiter und Weltschmerz-Gezeichnete, vor uns paradieren zu lassen, die zu wunderbaren Identifikationsflächen für unsere eigene Unangepasstheit werden. Hat doch jeder seine ganz persönlichen Familienprobleme, trägt schwer an Geheimnissen, Verdrängungen und Sehnsüchten. So schräg und unkonventionell die Tenenbaum-Dynastie sich auch darstellt, dieses Wirrwarr an Gefühlen, Krisen und verrückten Szenen symbolisiert den substantiellen Kern unserer ureigenen, lachhaft banalen und zutiefst tragischen Sozialisation. Der passende Werbespruch zum Film: "Dummerweise kann man sich seine Familie nicht aussuchen..." Anderson leistete sich eine weitere Verrücktheit, wohlwissend, dass man mit Speck Mäuse fängt: er besetzte die acht handlungstragenden Figuren seines New Yorker Familienunternehmens weitgehend mit Top-Stars. Gene Hackman etwa, windiger Patriarch der Tenenbaums, war schon Andersons Wunschkandidat beim Schreiben des Drehbuchs (das er übrigens, wie schon "Rushmore", mit Hauptdarsteller Owen Wilson ­ geboren 1968 in Dallas - zusammen verfasste). Durch penetrantes Werben gelang es ihm sogar noch nach zweimaliger Absage, den vielgefragten Schauspieler von seinem Projekt zu überzeugen. Das Ergebnis, um nur dieses eine zu erwähnen, ist umwerfend. Hackman hat man schon lange nicht mehr so gut gesehen. Auch alle anderen hatten offensichtlich riesigen Spass, diesen Film zu machen. Gönnen auch Sie sich das ungemeine Vergnügen, dieses hinreißende Gesellschafts-Porträt anzuschauen - und verlernen Sie dadurch ganz nebenbei, weiterhin auf das schlimme amerikanische Kommerzkino zu schimpfen.

(Heinz Holzapfel)

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