The Jungle Book
USA 2016, Laufzeit: 106 Min., FSK 6
Regie: Jon Favreau
Darsteller: Neel Sethi
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Wundervoll gezeichnetes Live-Action-Abenteuer
Dubidu, sei wie du
„The Jungle Book“ von Jon Favreau
„Das Dschungelbuch“, die zwei Erzählbände des britischen Autors Rudyard Kipling aus den Jahren 1894 und 1895, wurden für das Kino bereits mehrfach adaptiert, als Real- ebenso wie als Trickfilm. Am populärsten unter den Realverfilmungen dürfte die britische Produktion „Das Dschungelbuch“ von 1942 sein – die erste Verfilmung überhaupt. Mit Abstand am bekanntesten aber ist die Zeichentrickversion aus dem Hause Disney von 1967. Die Geschichte über das Findelkind Mogli, das im indischen Dschungel von Wölfen großgezogen wird und, auf Drängen des argen Tigers Shir Khan, seine Tierfamilie verlassen muss, wurde von den Disney-Studios familiengerecht gezähmt, mit Slapstick und Klamauk durchsetzt und durch Lieder bereichert, die sich zu Ohrwürmern gemausert haben.
Die Disney-Studios zeichnen auch für die aktuelle Variante verantwortlich und wählen dafür ganz zeitgemäß die Mischform aus Real- und Trickfilm: „The Jungle Book“ versetzt einen einzigen realen Schauspieler (Neel Sethi als Mogli) in eine überwältigende, fotorealistisch animierte Dschungelwelt. Inhaltlich hält man sich dabei grundsätzlich an den Disney-Trickfilm: Mogli wächst bei den Wölfen auf, Shir Khan verjagt ihn, als der Kleine reift und ihm zur Bedrohung wird, Baghira begleitet den Jungen auf seinem Weg zu den Menschen, Balu nimmt’s mit Gemütlichkeit, King Loui funkt mit seiner Affenhorde dazwischen. Dabei wurde auch der eine oder andere Song des Zeichentrickabenteuers übernommen und neu interpretiert. Etwas prägnanter ist der pädagogische Zeigefinger, der auf Zusammenhalt und Freundschaft verweist und darauf, dass jeder einzigartig ist und seine Talente und Stärken zum Wohle aller nutzen soll – und vor allem nutzen dürfen soll.
Anders als sein Vorbild von 1967, strebt dieser Trickfilm an, wie ein Realfilm auszusehen. Das hat auch Auswirkungen auf den Inhalt und die Charakterisierung der Tierwelt. Balu, Baghira & Co. sehen echt aus. Folglich bewegen sie sich und interagieren anders als ihre comicverzerrten Zeichentrickgenossen. Natürlich gibt es auch hier Clownfiguren wie etwa ein Stachelschwein und seinen Freund, das Gürteltier. Und Balus Streben nach Honig fällt reichlich komisch aus. Doch grundsätzlich sucht Regisseur Jon Favreau („Iron Man“, „Cowboys & Aliens“, „Kiss the Cook“) die Annäherung an die Realität auch im Habitus seiner Tiere. Da ist kein Platz für Elefantenparade, verknotete Schlange und affige Tanzrevue. Wohl aber für die eine oder andere dunkle, bedrohliche Sequenz. Der Film wurde von der FSK ab sechs Jahren frei gegeben, ist aber derlei jungen Kindern, auch in Begleitung Erwachsener, nicht zu empfehlen. Zu düster und angsteinflößend fällt das aus, was Favreau hier auf die Leinwand bringt. Und das ist schade, weil vermeidbar gewesen. Jugendliche und Kind Gebliebene indes werden Spaß haben an diesem digitalen Abenteuer. Die Bilderwelten, die fotorealistischen Landschaften und überzeugend gezeichneten Tiere sind ein nicht endender Augenschmaus. Da stört es kaum, dass das Spiel des Kleindarstellers Neel Sethi nicht sonderlich überzeugt.
Mit „The Jungle Book“ adaptieren die Disney-Studios ihr eigenes „Dschungelbuch“ mit reiferem Einschlag und liefern dabei so manche augenzwinkernde Verweise auf die etablierten Figuren und ihre Lieder. Und „Das Dschungelbuch“ bleibt dabei nicht das einzige Filmzitat. Auch das ein Zugewinn – für Ältere.
(Hartmut Ernst)
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