Savages
USA 2012, Laufzeit: 130 Min., FSK 16
Regie: Oliver Stone
Darsteller: Taylor Kitsch, Blake Lively, Aaron Taylor-Johnson, John Travolta, Benicio Del Toro, Salma Hayek, Demián Bichir, Sandra Echeverría, Emile Hirsch
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Pulp-Thriller
Pulp Fiction 2.0
„Savages“ von Oliver Stone
Ein epischer Historien-Flop („Alexander“), ein mit christlicher Symbolik durchtränktes Katastrophenszenario („World Trade Center“), eine harmlose Politikerbiografie („W.“) und ein „Wall Street“-Aufguss mit versöhnlichem Ende – Oliver Stone ist seicht geworden in den letzten Jahren. Biss und Zynismus gingen ebenso verloren wie der Mut zu filmästhetischen Experimenten oder nachhaltiger Gesellschaftskritik. Man erinnere sich bloß an seinen ambitionierten, spannenden Verschwörungsthriller „JFK“ (1991), an die leinwandsprengende Medienschelte seines „Natural Born Killers“ (1994) oder auch an gelungenes Mainstreamkino à la „U-Turn“ (1997). Ja, Stone war mal ein unbequemer Visionär in Hollywood.
Doch er bleibt am Ball: Jetzt kommt er mit einem Thriller daher, einem Pulp-Streifen, dem der gleichnamige Roman von Don Winslow aus dem Jahr 2010 zugrunde liegt: „Savages“ spielt im bleihaltigen Drogensumpf der kalifornisch-mexikanischen Grenze. Dort, im Süden Kaliforniens, leben zwei Freunde, die durch ihre einzigartige Zucht von Marihuana reich geworden sind. Chon (Taylor Kitsch) ist der Mann fürs Grobe, ein Ex-Soldat, der seine Seele im Krieg gelassen hat. Ben (Aaron Taylor-Johnson) indes ist der Samariter, der Drogen auch an Kranke zur Schmerzlinderung verkauft. Darwin trifft auf Buddha – und zugleich teilen sich die beiden Freunde dieselbe Frau: Ophelia (Blake Lively): „Das Einzige, das die beiden gemeinsam haben, bin ich.“ Eigentlich läuft alles prima, bis Elena (Salma Hayek), Chefin eines mexikanischen Drogenkartells, dazwischen funkt und den Sunnyboys eine Kooperation aufzwingt. Ben und Chon wollen sich schon nach Indonesien absetzen, da steht Elenas Handlanger Lado (Benicio Del Toro) in der Tür – und Ophelia wird entführt.
Sonne, Sex, Drogen & Blut: Das mag im Hinblick auf Oliver Stone am ehesten an „U-Turn“ erinnern, in dem ein Pechvogel in der Wüstenstadt durchs zartbittere Martyrium schlittert und dabei allerlei skurrilen Typen begegnet. Die gibt es auch in „Savages“ zuhauf, allen voran Benicio Del Toro als kompromissloser Killer, eine derbe Karikatur eines geschmacklosen Ekels. Eigentlich ist der ganze Film eine Karikatur. Da mag Autor Don Winslow jahrelang im Milieu recherchiert haben, um seinen Roman so authentisch wie möglich zu gestalten – Oliver Stone verfilmt die Vorlage als ein blutiges Stück Pulp Fiction mit der profanen Erkenntnis, dass Krieg und Verbrechen den Charakter verderben und Liebe erpressbar macht. Insgesamt inszeniert er dabei schnittig und stilsicher. Abgesehen von den gelegentlichen Video-Einspielern, mit denen die Schurken die Hinrichtungen ihrer Opfer dokumentieren, kleidet der Regisseur die Geschichte in sonnigen Hochglanz, mit viel Pose und nackter Haut. Dabei erfindet er das Genre nicht neu, erreicht auch nicht alle Vorbilder, inszeniert aber cool. Die Story überfordert einen nicht und zieht gegen Ende angenehm an. „Savages“ ist sicherlich keine Offenbarung, und er mag hier und da in Sachen Story und Dialog seicht sein. Aber mehr will er vielleicht auch gar nicht – und ist damit der stärkste Film von Oliver Stone seit 15 Jahren.

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