Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
26 27 28 29 30 1 2
3 4 5 6 7 8 9

12.491 Beiträge zu
3.741 Filmen im Forum

Nir de Volff: „Come as you are“
Foto: Compagnie-Archiv, Cie. Nir de Volff/Total Brutal

Die Schönheit ausmessen

28. Juni 2018

Die Sommer-Akademie des Tanzes trumpft mit starkem Programm auf – Tanz am Rhein 07/18

Die Energie führen sie schon im Namen. „Total Brutal“ nennt sich das Ensemble von Nir de Volff. Politische Bezüge sind immer im Spiel bei de Volff, der als Israeli und ehemaliger Soldat einen ganz eigenen Blick auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern hat. Im Laufe seiner Tanzkarriere ist er nach Berlin gekommen, hat sich von der Stadt in Bann schlagen lassen und stellt inzwischen eine feste Größe innerhalb der Tanzszene der Hauptstadt dar. „Come as you are“ heißt die Produktion, mit der das Ensemble nach Köln zur Sommerakademie in die TanzFaktur kommt. Der Titel bedeutet aber nicht, dass sich das Publikum ausziehen muss. Die Tänzer werden das gleichwohl tun und demonstrieren, dass die Urform der Bewegung ohne Kostüm gedacht werden muss. Außerdem kommen sie aus Syrien, so dass der Titel eine zusätzlich brisante Drehung erfährt.

An die große Tradition der Sommerakademie des Tanzes in Köln wollte Slava Gepner anknüpfen, als er in Deutz ein neues Zentrum für den Tanz in der Domstadt schuf. Kontinuierlich vergrößerte sich das Programm und die europäischen Gäste brachten hervorragende Produktionen an den Rhein. Der Grundgedanke der Akademie erfährt mit der 4. Auflage eine zusätzliche Betonung. Die Gäste unterrichten im Rahmen eines umfangreichen Workshop-Programms und stellen dann auf den beiden Bühnen ihre eigenen Produktionen vor.

„Wir werden die Faktur in einen Campus verwandeln, auf dem über den ganzen Tag hinweg getanzt, gegessen und diskutiert wird“, erklärt Slava Gepner. Neben Nir de Volff bilden vier weitere israelische Choreografen den Schwerpunkt des Festivals. Dabei spielt nicht allein die Tatsache des Jubiläums der Staatsgründung vor 70 Jahren eine Rolle, sondern auch die interessante Struktur, die die Realität des modernen Tanzes in Israel angenommen hat. Oftmals produziert man im Land, bewegt sich danach aber zumeist auf den Bühnen im internationalen Ausland. Das schafft Erfahrung und sorgt für ein Tanzverständnis, das sich unmittelbar an den ästhetischen Entwicklungen der Gegenwart orientiert.

Europa ist wieder stark vertreten in der Akademie. So entstand die Choreografie „Evol“ der Belgierin Claire Crozés aus einem intimen Bewegungsvokabular, das zu den Kompositionen von David Bowie die Schönheit auszumessen versucht. Der Däne Jasper van Luijk spielt in dem ebenfalls nackt getanzten Solo „Yonder“ subtil mit der Grenze zwischen Licht und Schatten. Eine Produktion, die die Bedeutung des Timing im modernen Tanz thematisiert. Zum Abschluss des Festivals gibt es möglicherweise auch die Abschlussproduktion eines Duos, das seit zwei Jahrzehnten im Rampenlicht steht: Alessandro Bernadeschi und Mauro Paccagnella bieten mit „Happy Hour“ eine Produktion, in der Humor und Trauer fließend ineinander übergehen. Und sie zeigen, wie faszinierend es sein kann, männliche Körper, die nicht mehr ganz jung sind, in der Bewegung zu sehen.

Sommerakademie-Festival | 13.-28.7. | TanzFaktur, Köln-Deutz | www.tanzfaktur.eu 

Thomas Linden

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Tausend Zeilen

Lesen Sie dazu auch:

Reflexion oder Reaktion?
Urbäng! Festival mit Sonderausgabe zur Ukraine – Festival 10/22

Apokalyptische Vision
„Shit(t)y Vol. 1“ in der TanzFaktur – Theater am Rhein 09/22

„Ein Konzeptalbum, das sich mit Köln auseinandersetzt“
Daniel Schüßler über„Shit(t)y Vol.1.“ in der Tanzfaktur – Premiere 09/22

Monogam imprägniert
„Szenen einer Ehe“ am Theater der Keller – Auftritt 09/22

Dem Tod auf der Spur
Neues von Angie Hiesl und Roland Kaiser – Tanz in NRW 09/22

Phänomen der Berührung
Freiraum Ensemble: „Sinneswüsten“ – Prolog 08/22

Versprechen auf die Zukunft
„tanz.tausch“ an diversen Orten in Köln – Tanz in NRW 08/22

Wurzeln, Muskeln, queere Körper
„Mandragora“ in der Tanzfaktur – Auftritt 08/22

„Wir werden kein besseres Paar, nur weil wir heiraten“
Ulrike Janssen über „Szenen einer Ehe“ am Theater der Keller – Premiere 08/22

Frischer Wind
Sommerakademie der TanzFaktur in Köln – Tanz in NRW 07/22

Kleine Geschichten
„Jahrestage“ im Tanzmuseum

Verletzlich und stark zugleich
Circus Dance Festival in Köln – Tanz in NRW 06/22

Tanz.

Hier erscheint die Aufforderung!