Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29

12.099 Beiträge zu
3.540 Filmen im Forum

Der Balthasar-Neumann-Chor
Foto:Florence Grandidier

Der romantische Mozart

24. November 2016

Thomas Hengelbrock bringt Mendelssohns Musik nach Essen – Klassik an der Ruhr 12/16

Wenn im Januar in Hamburg die Elbphilharmonie mit leichter Verspätung von sieben Jahren und einer siebenfach gesteigerten Bausumme ihr erstes Konzert erlebt, wird Maestro Thomas Hengelbrock als Chef des NDR Sinfonieorchesters am Pult stehen. Bereits zur Weihnachtszeit gastiert er mit den Musikern seines Balthasar-Neumann-Ensembles, benannt nach dem berühmten Baumeister der Barockzeit, in Essen. Dort bringt er knapp sieben (es sind nur sechs) geistliche Kompositionen des „Mozarts des 19. Jahrhunderts“, Felix Mendelssohn Bartholdy, zu Gehör. Das kann nur gut werden.

Aktuell rückten in Übersee zahlreiche reiche Menschen in den Fokus der Medien. Die gab es immer schon, auch in Hamburg im beginnenden 19. Jahrhundert. Dort lebte die jüdische Bankiersfamilie Mendelssohn, Ahnen von Philosophen und Fabrikanten. Wegen der französischen Besetzung Hamburgs zog die Familie nach Berlin, wo die vier Geschwister – darunter Fanny und Felix –protestantisch getauft wurden und der christliche Name Bartholdy angehängt wurde. Fanny und Felix, die musikhistorisch relevanten Kinder, erhielten eine perfekte kulturelle Ausbildung mit Schwerpunkt Musik. Felix durfte erste Kompositionen mit einem eigens engagierten Orchester im Speisezimmer und später im Garten des Hauses vor mehreren hundert Zuhörern ausprobieren und dirigieren – das ist sinnvolle Begabtenförderung.

Felix war „der Glückliche“, das Wunderkind zu Besuch bei Goethe, der Orgel- und Klaviervirtuose, der mitreißende Dirigent und überirdisch schön komponierende Tonsetzer, der Erwecker der vergessenen Meister Bach und Händel, talentierter Maler usw. Sein bestehender bester Ruf konnte nur von ideologischen Größen wie Wagner und durch eine antijüdische Perfektionsmaschine so nachhaltig beschädigt werden.

Hengelbrock, selbst ein unkontrollierbarer Querdenker und Programm-Erfinder, ist der richtige Mann, um das Leben Mendelssohns von Kindesbeinen bis zum früh aufgeschlagenen Totenlager in dessen Werken nachzuzeichnen. Seine in den Neunzigern des letzten Jahrhunderts gegründeten Spezial-Ensembles kümmern sich stets um das Besondere und realisieren Musiken nach den aktuellen Erkenntnissen der historisch informierten Aufführungspraxis. Diese Umsetzung neuer „alter“ Informationen bezieht sich häufig auf Musiken des 17. und 18. Jahrhunderts, machen aber – wie im aktuellen Programm – auch vor romantischen Klängen nicht halt. Aufführungen beziehen ausgefallene Chorformationen ein, natürlich spezifisch passendes Instrumentarium und teilweise auch halbszenische Inszenierung. Längst vergessene Werke wie Antonio Viottis F-Dur-Requiem erfahren durch Thomas Hengelbrock nicht nur ihre Wiederauferstehung, sondern verblüffen Kenner und Liebhaber gleichermaßen: Dafür gab es sogar Preise. Eine Reihe im Rundfunk trug das Lebensmotto dieser Musikanten im Titel: Abenteuer Musik.

Weihnachtskonzert: Balthasar-Neumann-Chor und Solisten, Balthasar-Neumann-Ensemble, Thomas Hengelbrock, Dirigent | Sa 3.12. 19 Uhr | Philharmonie Essen | 0201 81 222 00

Olaf Weiden

Neue Kinofilme

Ghost Stories

Lesen Sie dazu auch:

Liebe und Tod
Das Fest der Alten Musik sorgt für Frieden – Klassik am Rhein 03/18

Osterei an Karfreitag
Die große Matthäus-Passion ganz klein in Essen – Klassik an der Ruhr 03/18

Blick zurück, Blick voraus
Die Essener Philharmoniker umzingeln Tschaikowski – Klassik an der Ruhr 02/18

Die Trommel ruft
Bochum eröffnet die Spielzeit mit Pauken und Becken – Klassik an der Ruhr 01/18

Rebellen und Revoluzzer
In Herne poltert die Alte Musik – Klassik an der Ruhr 11/17

Mutiges Credo
Der Robert-Schumann-Saal in Düsseldorf mit neuem Programm – Klassik an der Ruhr 10/17

Kölnische Nächte werden kürzer
Die Musiknacht setzt auf Krise – Klassik am Rhein 09/17

Klassik.