Kinokalender
Mo Di Mi Do Fr Sa So
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21

12.557 Beiträge zu
3.787 Filmen im Forum

„Denkmalnach“, Agii Gosse
Foto: Thomas Dahl

Makroproteste in der Mikrowelt

11. März 2024

Agii Gosse in der Galerie Landmann-31 – Kunstwandel 03/24

In der vielleicht kleinsten Galerie Kölns werben ausgediente Figuren aus Kinderzimmern für eine kritische Haltung gegenüber Antidemokraten, Kriegstreibern, Rassisten, Antisemiten, Sexisten und Tierquälern. Die Künstlerin Aggii Gosse lässt in der besucherfreundlichen Passage auf rund neun Quadratmetern weltbekannte Charaktere wie Snoopy, Tim & Struppi, Kermit der Frosch, Mickey Mouse, Pooh der Bär, Mr. Spock, die WG-Mitglieder Bert und Ernie aus der Sesamstraße, streitbare Familienmitglieder der Schlümpfe, E.T., das Krümelmonster, Superwoman und Biene Majas Sidekick Willi sowie einen angepissten Igel aufmarschieren.

Seit circa 20 Jahren widmet sich Agii Gosse der Sammlung jener Objekte und platziert diese auf gefundenen Holzblöcken. Wichtigstes Kriterium neben der humanistischen Grundeinstellung ist die Fähigkeit, ein Protestschild in den Händen respektive Klauen zu halten. Die sozialkritischen, mitunter äußerst humoresken Aussagen transportieren die politische Debatte auf einer originellen Ebene in das Bewusstsein der Betrachter:innen. So setzt sich etwa ein leidenschaftlicher Honigliebhaber namens Pooh für die Rettung der fleißigen Insekten ein, während der sonst für seine Trägheit in Erinnerung gebliebene Bienenjunge Willi ein vehementes, wütendes „Wir sind das Volk!“ verlautbart. Doch auch die bildende und darstellende Kunst erhält im Protestzug eine rote Karte: „Hiermit trete ich aus der Kunst aus.“ – „Ich auch.“ – „Ich auch.“, quittieren drei empörte Stoffhasen das Bekenntnis „Beuys liebt dich“ eines Artgenossen. „Manchmal überleben die Falschen“ gibt in unmittelbarer Nähe der ausgestorbene Tyrannosaurus Rex zu bedenken, während sich empörte Gartenzwerge als die wahren Helden der Arbeit offenbaren. Für Diversität machen sich dagegen Lämmer im rosafarbenen und grünen Wollgewand stark. Auch die Black Lives Matter-Bewegung findet ihren Platz in der Mikrowelt der Makroproteste. Die ungewöhnliche Werkschau in der Galerie Landmann-31 wurde kuratiert von Georg Schnitzler. Die Künstlerin nimmt gerne vermeintlich ausgediente Figuren für zukünftige Aktionen gegen kostenlose Überlassung in Empfang.

Agii Gosse: Denkmalnach | bis 29.3., täglich 10-22 Uhr | Landmann-31 | 0221 29 21 93 11

Thomas Dahl

Hat Ihnen dieser Beitrag gefallen? Als unabhängiges und kostenloses Medium sind wir auf die Unterstützung unserer Leserinnen und Leser angewiesen. Wenn Sie uns und unsere Arbeit finanziell mit einem freiwilligen Betrag unterstützen möchten, dann erfahren Sie über den nebenstehenden Button mehr.

Neue Kinofilme

Back to Black

Lesen Sie dazu auch:

Das Verbot, sich zu regen
„Es ist untersagt ...“ von Frank Überall im Gulliver – Kunstwandel 04/24

Neues aus der Kunstszene
Discovery Art Fair in Köln

Meisterinnen der Malerei
„Maestras“ im Arp Museum Rolandseck

Expansion in die Löwengasse
Kunstraum Grevy eröffnet Pop-Up-Store „Grevy Satellite“ – Kunst 02/24

Faszination für krumme Linien
Julja Schneider im Maternushaus – Kunstwandel 02/24

Ohne Filter
„Draussensicht“ in der Oase – Kunstwandel 01/24

Augenöffner im Autohaus
„The Mystery of Banksy“ in Köln – Kunstwandel 12/23

„Das sind keine elitären Räume“
Künstlerin Rike Hoppse und Mitorganisatorin Lea Geraedts über die 18. KalkKunst – Interview 10/23

Ein Leben lang im inneren Tod
Claire Morgan in der Galerie Karsten Greve – Kunstwandel 09/23

Seitwärts tickende Zukunft
Museum Ludwig zeigt „Über den Wert der Zeit“ – Kunst 09/23

Schatten schlägt Licht
„Sommerwerke 2023“ in der Galerie Kunstraub99 – Kunstwandel 09/23

Kunst und Umgebung
„Produktive Räume“ in Haus Lange Haus Esters in Krefeld – Kunst in NRW 08/23

Kunst.

Hier erscheint die Aufforderung!