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Die Kölner Mongolen legen Wert auf Authentizität bei Kostümen und Requisiten
Foto: Christopher Dröge

Authentisch mit Pappnase

26. Januar 2017

Kultur- und Karnevalspflege bei der 1. Kölner Mongolenhorde – Thema 02/17 Weltflucht

Schon 2011 hatte die Szene der „Stämme von Köln“ durch den gleichnamigen Dokumentarfilm von Anja Dreschke mediale Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Zu den Stämmen zählen sich etwa 80 Vereine, die sich zu einem großen Teil aus Karnevalsgesellschaften entwickelt haben. Diese hatten als Motto für ihre Kostümierung exotische Volksgruppen aus verschiedenen geschichtlichen Epochen gewählt – so bevölkern schon seit mehreren Jahrzehnten Hunnen, Mongolen, Tartaren, aber auch Indianer und Afrikaner die Karnevalszüge in den Kölner Vororten. Etwa in den 1990er Jahren begannen diese Vereine, eine gemeinsame Identität als „Kölner Stämme“ zu entwickeln. 1998 etwa fand im Kölner Jugendpark das erste gemeinsame „Stämmelager“ statt. Durch diesen Austausch untereinander entwickelte so mancher Verein auch ein gesteigertes Interesse an der Kultur, die er darstellte.

Ein Beispiel für diese Entwicklung ist die 1. Kölner Mongolenhorde vun 1984 e. V., die ihren Sitz im Stadtteil Heimersdorf am nördlichen Stadtrand hat. Wie so viele andere, gründete sich der Verein 1984 aus einer Bierlaune heraus, um im Kölner Karneval mitzumischen. „Dass wir uns Mongolen nannten, lag schlicht daran, dass es damals schon sehr viele Hunnen-Vereine gab, und wir nicht in das gleiche Horn stoßen wollten“, erinnert sich der erste Vorsitzende Michael Donovan. „Also nannten wir uns Mongolen. Aber eigentlich sind wir jahrzehntelang in den typischen Hunnen-Kostümen aus Leder und Kupfer herum gelaufen.“

Die Hinwendung des Vereins zu einer authentischeren Darstellung mongolischer Kultur war ein Prozess, der sich über Jahre hinzog, so Donovan. „Durch das Stämmelager kamen wir in Kontakt mit Vereinen, die bereits wirkliche mongolische Traditionen praktizierten und dadurch sind wir ins Nachdenken gekommen. Die eigentliche Initialzündung kam durch einen Bekannten, der eine Mongolin geheiratet hatte. Über sie ist es uns gelungen, originale Kleidung und Requisiten aus der Mongolei zu beziehen und einen Kontakt zur Deutsch-Mongolischen Gesellschaft herzustellen.“

So verschwanden die Lederkostüme allmählich und wurden durch farbenprächtige, original mongolische Seiden- und Wollgewänder ersetzt.

Heute orientiert sich der Verein an der klassischen Epoche der Mongolei, der Regierungszeit von Dschingis Khan. „Aus dieser Zeit gibt es bereits viele Aufzeichnungen, an denen wir uns orientieren können“, so Donovan. Die Männer des Vereins übernehmen nicht nur bestimmte Funktionen, wie Khan, Schaman oder Mönch, sondern bekommen auch die Namen von historischen Persönlichkeiten verliehen. Die Frauen hingegen müssen sich zumeist mit Fantasienamen zufrieden geben – „weil Frauen in den Aufzeichnungen leider kaum erwähnt werden“, bedauert Donovan.

In den Sommermonaten schlägt der Verein auf einem Gelände in Heimersdorf sein Lager auf – die großen „Jurten“ genannten Rundzelte, die dabei zum Einsatz kommen, sind ebenfalls aus der Mongolei importiert. So manches Vereinsmitglied nächtigt in den warmen Monaten auch in seiner Jurte. Höhepunkt des Vereinsjahres ist die Wahl eines neuen Dschingis Khans um den Vatertag herum. Nach dem symbolischen Tod des alten Khans, wird in einer mehrtägigen Zeremonie unter den Vereinsmitgliedern ein Nachfolger gewählt, der die Rolle für ein Jahr übernimmt. Bei diesen Festen schauen auch Vertreter der mongolischen Botschaft gerne mal in Heimersdorf vorbei. Sie zeigen sich in der Regel erfreut und geehrt, dass ihre traditionelle Kultur im fernen Deutschland wert geschätzt wird – auch wenn sie klar stellen, dass das Leben in der heutigen Mongolei ganz anders aussieht. Dennoch scheint die Debatte über kulturelle Aneignung in Heimersdorf noch weit weg zu sein.

Der zeitliche und finanzielle Aufwand, den die Mitglieder in ihr Hobby investieren, ist beachtlich – mit herkömmlichem Live-Rollenspiel möchte man jedoch nicht in einen Topf geworfen werden. „Das Phantastische und das Utopische daran, damit können wir nichts anfangen. Mit Robotern und Lichtschwertern haben wir nichts am Hut“, sagt Donovan. Bei allem kulturellen Interesse ist allerdings auch der Karneval noch fest in der DNA des Vereins verankert. „Am Karneval hängt nach wie vor unser Herz, wir laufen etwa in den Sonntagszügen von Heimersdorf und Longerich mit. Da darf man sich zum Kostüm auch schon mal eine Pappnase aufsetzen, da drücken wir dann ein Auge zu“, meint Donovan schmunzelnd.


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Christopher Dröge

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