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Foto: Amélie Kai

Ausverkauf der Werte

27. November 2014

Warum Kultur niemals bezahlbar ist – Magenbitter 12/14

Was ist ein Wert, was ist sein Preis? Und was ist eigentlich das eigentliche Wesen der Dinge? Das ist in erster Linie nicht einmal philosophisch gedacht, ganz praktisch. Da gingen die Wellen hoch, weil eine Spielbank Kasse macht. Nun weiß man seit Kostolany, dass man nie am tiefsten Punkt kauft und am höchsten verkauft, aber immer zählt am Ende nur der Gewinn auf dem Konto und nicht der fiktive in den Büchern. Insofern war (siehe Magenbitter letzten Monat) gegen die Gewinnmaximierung nordrheinwestfälischer Steuergelder nichts einzuwenden – aber gegen die Preise. Die Kunst verliert ihre Bezüge, die zur Realität nämlich. Warum zahlt irgendein Vollpfosten für zwei Andy Warhols rund 120 Millionen Euro? Etwa weil er die sooo toll findet und beim Koks und Kaviar schnüffeln immer vor Augen haben will? Weil seine mit Plastiktüten aufgepustete Gattin so ein Fan von Elvis oder Marlon Brando ist? Mit Sicherheit nicht. Das Wesen dieser Dinge lässt sich mit Geld gar nicht aufwiegen, es ist rein immateriell. Die verdammte Leinwand und die Farbe darauf sind das nicht. Sie sind HANDELSWARE.

Schnöde Güter einer weltumspannenden Spekulation, die von findigen Galeristen in US-Amerika und Europa in den 80er Jahren losgetreten wurde und die sich längst verselbstständigt hat und von üblen Partizipatoren wie dem New Yorker Auktionshaus Christie's oder dem Londoner Pendant Sotheby's künstlich am Leben gehalten wird. Sind wir doch mal ehrlich: Wenn jemand auf dem Dachboden irgendeinen alten Schinken findet, den die verstorbene Großtante Edeltraut schon vor dem Krieg irgendwo gegen ein Pfund Butter und 'ne dröge Wurst getauscht hatte, den sie aber unter Einsatz ihres Lebens durch den Bombenregen und die anschließende „schlechte Zeit" rettete, bevor er farblich doch nicht mehr ins moderne Spanplattenwohnensemble passte und deshalb, gut verschnürt natürlich, in der staubigen Ecke verschwand – wenn den also jemand findet und irgendeiner der entfernten Verwandten beim Leichenschmaus auch noch eine Anekdote aus den dunklen Jahren erzählt, als Großtante Edeltraut sich weigerte, statt dem Schinken in gefirnistem Öl lieber die große Dose mit dem Schinken im eigenen Fett mitzunehmen, ja dann? Denkt dann irgendjemand noch die Wörter „Kulturgut", „Kunst" oder „museal"? Mitnichten. Spätestens einen Tag später ist die Spekulationsblase da: Was mag es wohl wert sein? Wo können wir Kasse machen? Sind wir jetzt alle reich?

Das Wesen der Dinge, die Metaebene der Kunst ist allen scheißegal, Hauptsache der Euro flattert. Ganz perfide passt dazu die Hornbach-Aktion, die wohl zumindest in Mecklenburg-Vorpommern bis zum 29.11. gelaufen ist. Unter dem Motto „Bildertausch: Alt gegen Neu" tauschte die Baumarkt-Kette wohl Bilder gegen eine 20-Euro-Prämie. Die ollen Schinken sollen geschreddert und entsorgt werden, egal ob Reproduktionen oder Original. Na wenn da mal nicht ein früher Uecker oder eine Erich-Heckel-Zeichnung von Hiddensee dabei war. Oder sollte Hornbach genau darauf gewartet haben? Lassen wir uns von Christie's überraschen oder von Großtante Edeltraut?

Peter Ortmann

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