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Papa Lundberg mit seinen Children
Foto: Peter Nilsson

Väter, Lehrer und Legenden

29. September 2016

Von der Bühne predigen – und angebetet werden? – Unterhaltungsmusik 10/16

Der große Teacha, Conscious-Rapper und Gründer des Stop the Violence Movements KRS One kommt in die Stadt. 1986 betrat er mit Scott La Rock als Boogie Down Productions die Szene. Nach La Rocks frühem Tod lenkte KRS One um, widmete sich sozialen und politischen Themen und stellte sich gegen die Gewalt unter Schwarzen, dabei liebäugelte er immer wieder mit Reggae. Nach fünf Alben mit BDP machte er Anfang der 90er Jahre Solo weiter – bis heute! Wer diese Legende live erleben will, hat hier die seltene Gelegenheit (4.10., 20 Uhr, Clubbahnhof Ehrenfeld). Noch zwei Hip-Hop-Legenden: Ghostface Killah ist mit über zehn Soloalben eines der produktivsten Mitglieder des Wu Tang Clan. Killah Priest gehört zum weiteren Wu-Umfeld und hat ebenfalls knapp ein Dutzend Alben veröffentlicht. Gemeinsam stellen die beiden nun ihr neues Projekt „Wu Goo“ vor (5.10., 20 Uhr, Clubbahnhof Ehrenfeld). Als die bulgarische, in Berlin lebende Sängerin Dena 2012 mit ihrem ersten Album mit einer handvoll poppig-elektronischer Sommerhits in Erscheinung trat, dachte man, dass ihre Karriere jetzt startet. Das ist so nicht passiert, aber nun hat sie eine neue EP in New York aufgenommen, an der solche Größen wie LCD Soundsystem und Hercules & Love Affair beteiligt waren. Vielleicht klappt es ja jetzt, auch wenn der Sommer wieder vorbei ist (7.10., 21 Uhr, King Gorg).

Ebbot Lundberg hat sich Ende der 80er Jahre mit seiner Band Union Carbide Productions in die Herzen aller Stooges- und Iggy Pop-Fans gesungen, in den 90er Jahren folgte seine Band The Soundtrack of our Lives. Auf seiner aktuellen Soloplatte entwirft er gemeinsam mit seiner jungen Backingband The Indigo Children eine ganz liebliche Musik, die an fein arrangierte Kleinode aus den 70er Jahren erinnert. „Here I am again“ verkündet er zwischen Streichern. Da sollte man dabei sein (9.10., 20.30 Uhr, Gebäude 9). Die langjährige, verdienstvolle reiheM orientiert sich in der Regel an Neuer Musik, schwappt aber mitunter in den Bereich experimenteller Popmusik. So auch mit dem Konzert von David Grubbs, das mit der Vorstellung seines Buchs „Records Ruin The Landscape: John Cage, the Sixties, and Sound Recording““ verbunden ist. Vom Hardcore kommend, hat er mit Bands wie Bastro und Gastr del Sol zunehmend experimentiert, solo ist er für sein minimalistisches Gitarrenspiel mit zartem Gesang bekannt (13.10, 20 Uhr,Loft).

Mit ihren eindringlichen Songs und ihrem Hang zur dunklen Seite des Lebens war PJ Harvey Mitte der 90er Jahre schnell everybody‘s Indie-Darling. Die Patti-Smith-Vergleiche langweilen sie, und in der Tat ist ihr Werk so unendlich reich – auch heute noch (15.10., 20 Uhr, Palladium). Die große Frage: Sind die Dead Kennedys auch ohne ihren charismatischen Sänger Jello Biafra die Dead Kennedys? Die Politpunk Legende DK prägte die erste Hälfte der 80er Jahre mit ihrem schneidenden Sound und bissigen Humor. Es folgten viele Jahre unschöner juristischer Streitereien zwischen dem Sänger und dem Rest der Band. Seit Jahren tourt die Band nun mit anderen Sängern. Wer wissen will, wie die klingt, geht hin (21.10., 19.30, Live Music Hall). Experimentellen Hip-Hop machen Death Grips. Rapper MC Ride wütet durch die harschen Sounds von Drummer Zach Hill (u.a. Hella) und Elektroniker Andy Morin. Die Konzertreihe „Sounds Wrong, Feels Right“ hat das radikale Trio eingeladen, davor spielt Kara-Lis Coverdale (26.10., 20 Uhr, Stadtgarten).

Christian Meyer

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