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Gato Preto machen Weltmusik für den Club
Foto: Alexander Wurm

Ultra Orgel und Highspeed-Fusion

23. Februar 2017

Musikalische Höchstleistungen mit Schauwert – Unterhaltungsmusik 03/17

Human Abfall rekrutieren sich aus der agilen Stuttgarter Noise-Szene um Die Nerven, Karies u.a. 2013 veröffentlichten sie ihr Debüt, mit ihrem letzten Album „Form & Zweck“ aus dem vergangenen Jahr klingen sie ruhiger und luftiger, ohne an Dringlichkeit einzubüßen. Mitunter erinnern sie in ihrer quengelnden Kantigkeit an Die Goldenen Zitronen, mal an die tobende Depressivität der Band Mutter (2.3., 21 Uhr, King Georg).

Die Ambient-Legende The Orb besteht seit Jahren aus dem Gründungsmitglied Alex Patterson und dem Mitte der 90er Jahre dazu gestoßenen Elektronik-Produzenten und ehemaligen Mitglied der deutschen New Wave-Funk-Legende Palais Schaumburg – Thomas Fehlmann. Im letzten Jahr erschien mit „Cow“ ihr vierzehnter Longplayer, der nach beatlastigeren Veröffentlichungen wieder ein reines Ambient-Album geworden ist. Ob sie es live eher ruhig angehen oder dem Vorgänger „Moonbuilding“ den Vorzug geben... (4.3., 19.30 Uhr, Stadtgarten).

Gato Preto ist ein Duo aus Portugal, das seine afrikanischen Wurzeln in Mosambik mit Klubkultur aus aller Welt verbindet. Hier wird gerappt und getoastet, House trifft auf Favela Beats und südafrikanischen Township-Funk. Das Debütalbum „Tempo“ wird mit einer großen Releaseparty mit Gästen gefeiert (4.3., 22 Uhr, Yuca). Vor drei Jahren porträtierte der Film „Soundbreaker“ den erfindungsfreudigen finnischen Akkordeonisten Kimmo Pohjonen und zeigte, wie er einem gediegenen, altbackenen Instrument neues Leben einhaucht, indem er sein Spiel mit Rock, Techno oder gar dem Sound von Landwirtschaftsmaschinen kreuzte. Nun duellieren sich Pohjonen und sein kleines, mit viel Elektronik vollgestopftes Instrument mit der Orgel der Kölner Philharmonie. Die Orgel, gespielt von Pohjonens Landsmann Mikko Helenius, ist technisch gesehen eine Art großer Bruder des Akkordeons. In der Uraufführungen von Pohjonens neuer Komposition „Ultra Organ“ treten die Brüder klanggewaltig gegeneinander an. Eine Lightshow unterstreicht die Dramatik (15.3., 20 Uhr, Philharmonie Köln).

Kann Musik gentrifizieren? Vor ca. 35 Jahren sind drogenverseuchte Schattengestalten wie Nick Cave und seine Birthday Party von Australien nach Berlin ausgewandert, nun kommen von Down Under sonnenverwöhnte Freundlichkeiten wie die Parcels und setzen hier ihren rosa Pop-Funk ab, der von der Westcoast der 70er Jahre herüber zu wehen scheint und wie Daft Punk auf Kodein klingt (21.3., 20 Uhr, Studio 672). Der estnische Rapper Tommy Cash – nicht zu verwechseln mit Johnnys gleichnamigen Bruder – füllt die Lücke zwischen Swag-Rap, Cloud-Rap und konzeptionellen Querschlägern wie Die Antwoord oder Romano. Lange blonde Haare und die osteuropäische Provenienz verbinden ihn auch mit Letzerem – und natürlich der tiefe Bass (21.3., 20 Uhr, Luxor). Der gefeierte Kölner Musiker Roosevelt haut in eine ähnliche Kerbe wie die Parcels, setzt aber etwas mehr auf House und 80er denn auf Funk und 70er Jahre und klingt insgesamt noch einen Tick stromlinienförmiger. Etwas beängstigend… (24.3., 20 Uhr, Gloria). Shobaleader One treten in Kutten und blinkenden Masken auf und machen Highspeed-Fusion Jazz. Dahinter steckt vor allem der Bassist und Elektroniker Tom Jenkinson alias Squarepusher, ehemals Drill-Beatler und Breakcoreler aus dem Hause Warp. Eine mitunter vielleicht etwas zu sehr an Hochleistungssport angelehnte Musik (26.3., 20 Uhr, Clubbahnhof Ehrenfeld).

Christian Meyer-Pröpstl

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