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Style und Pose sitzen bei Romano immer perfekt
Foto: Presse

Stoische Pose, trotziger Style

26. Oktober 2017

Pop als Traum vom Anderssein – Unterhaltungsmusik 11/17

Das Diggin‘ the Global South-Symposium blickt mit Vorträgen, Diskussionen, Konzerten und Party auf die Produktion und Distribution von Musik in Afrika im digitalen Zeitalter. Die musikalischen Beiträge sind vielseitig: Noise-Hip-Hop kommt von Moor Mother, das südafrikanische Performance Art-Duo FAKA ist ebenso dabei wie die Sängerin und Gitarristin Elsa M‘Bala aus Kamerun, der malinesische Elektro-Pop-Künstler Luka Guindo  oder der Komponist Lukas Ligeti, Sohn von György Ligeti, der westliche Komposition mit afrikanischer Musik kombiniert (2. - 4.11., Stadtgarten). „Copyshop“ ist das zweite Album des Berliners Romano. Der Zopf tragende Blonde galt zunächst als Novelty-Gag, zuvor hatte er es schon mit Schlager-House versucht. Und der Titeltrack ließ auch fürchten, dass Romano zumindest musikalisch nichts Neues zu bieten hat. Aber auch das zweite Album macht nicht nur wegen der absurden, obercoolen Großmaultexte, sondern auch wegen der gut bouncenden Produktion von Siriusmo Spaß. Schon mehr als ein Gag, das Ganze, vielleicht geht es dieses Mal ja in die Charts. Die Konzertbühne beherrscht er jedenfalls schon souverän – das hat seine letzte Tour gezeigt (7.11., 20.30 Uhr, Gebäude 9).

Die Berliner Band Mutter um Max Müller hat etwas Stoisches, fast Trotziges. Mit ihrem Noiserock lagen sie immer ein wenig neben dem, was gerade so angesagt war, sie waren auch im Underground Außenseiter. Da verwundert es nicht, wenn ihr neues Studioalbum – das elfte seit 1989 – „Der Traum vom Anderssein“ heißt. Es grummelt, dröhnt und schleift auf den Stücken zwischen fünf und zehn Minuten, und doch ist da immer Platz für zarte Gedanken und sogar Melodien, zwischen all dem Noise. Nach wie vor tolle Band, tolle Platte, tolle Bühnenpräsenz (25.11., 20 Uhr, Artheater). Das fünfköpfige Dastan Ensemble trägt das Erbe der traditionellen iranischen Volksmusik in die Welt. 1991 gegründet, spielen die Musiker mit traditionellen Saiteninstrumenten und Percussions furiose Kompositionen aus dem persischen Kulturkreis wie auch Eigenkompositionen. Als Gast steht wie bereits früher des Öfteren wieder der Sänger Shahram Naseri mit auf der Bühne (25.11., 20 Uhr, Kölner Philharmonie). Die TOPS sind eine Indie-Pop-Band aus Montreal, deren Fans überschaubar sind, dafür aber besonders leidenschaftlich für die Band schwärmen. Unter ihren YouTube-Videos liest man „Changed my life“-Kommentare und Ähnliches. Die zarten, luftigen Songs erinnern mitunter an Shoegaze, sind aber häufig von bestechender Klarheit geprägt. Ihr aktuelles Album „Sugar at the Gate“ ist ihr drittes (27.11., 20 Uhr, King Georg).

Mit Dubstep hat das nichts zu tun, und auch ihr altes Etikett Post-Dubstep passt für das dritte Album des britischen Duos Mount Kimbie nun gar nicht mehr. Auf „Love What Survives“ findet man zwar Protagonisten des Post-Dubstep wie King Krule und James Blake als Sänger, der Sound liegt aber zwischen New Wave à la Cure, auch wieder Shoegaze-Noise-Schichten und afrikanischen Assoziationen. Ach ja, und gekrautrockt wird hier auch (27.11., 21 Uhr, Die Kantine). Im Sommer erschien das 13. Album des seinerzeit als Trip-Hop etikettierten Bristoler Musikers Tricky. Das Etikett gibt es schon lange nicht mehr, sein Style ist aber immer noch geprägt von düsterer, somnambuler Eleganz. Bleibt für die Tour nur die Frage, wie man die Konzerte ohne Bestuhlung durchsteht. Aber man schlafwandelt ja auch stehend ... (30.11., 20 Uhr, Luxor).

Christian Meyer-Pröpstl

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