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Stadtmusik und Waldmusik

26. April 2018

Von betörendem Rock und betäubendem Pop – Kompakt Disk 05/18

Im Zentrum der Songs von Goat Girl steht die coole, dunkle Stimme der Sängerin Lottie, die betont lässig über den gedehnten Songs des Londoner Quartetts liegt. Zusammen mit ihren drei Mitstreiterinnen schwingt sich die Sängerin und Gitarristin regelmäßig zu mittleren Energieausbrüchen auf. Das könnten die neuen Darlings des Indie Rock werden. Ihr Label Rough Trade hat sie angeblich schon vor der ersten Single gesignt, jetzt ist dort ihr gleichnamiges Debüt erschienen. Es muss anstrengend sein, sich nach 35 Jahren immer noch regelmäßig selbst neu zu erfinden und dabei immer nach den Melvins zu klingen. Unter ihren unzähligen Alben und Singles sind viele Kollaborationen, mit „Pinkus Abortion Technician“ spielen King Buzzo und Dale Crover mal wieder mit dem Redd Cross-Bassisten Steven MacDonald und dem Butthole Surfers-Bassisten Jeff Pinkus zusammen. Und so ist der Sound dann auch zwischen Melvins-Heavy Rock und Butthole Surfers-Psychedelic angelegt, ein Beatles-Cover und ein Butthole Surfers-Cover gibt es auch. Das ist wie bei vielen der zahlreichen jüngeren Veröffentlichungen nicht mehr weltbewegend, aber mindestens solide und für Melvins-Fans sowieso Pflicht (Ipecac).

Alexis Taylor hat mit seiner Electro-Pop-Band Hot Chip einige Indie-Erfolge gefeiert. „Beautiful Thing“, produziert von Tim Goldsworthy, dem Mitgründer von DFA Records, ist nun schon sein viertes Soloalbum. Der House-Spirit schwebt auch hier und da noch über den Songs, aber auch ein paar ungewöhnliche Stücke wie der Electro-Reggae in „Suspicious of Me“ oder das Eno/Cale-mäßige „Oh Baby“ findet man. „Beautiful Thing“ ist variationsreich, aber trotz seiner wunderbaren Stimme ist hier die ein oder andere Ballade zu viel drauf (Domino). DJ Koze hat sich für sein neues Album „Knock Knock“ einige Gäste geholt: Der Gesang kommt zwar auch von Samples, aber vor allem von Gästen wie Róisin Murphy, Speech, Kurt Wagner, José Gonzáles u.a. Seine Tracks, die inzwischen eher Songs sind, baut Koze aus spektakulär schönen Sounds zusammen, deren Schönklang immer wieder von Glitch-Effekten durchkreuzt wird. Ein Album zum Staunen, die Gastvocals sind aber sicher nicht seine herausragende Qualität (Pampa). 1996 hat Wolfgang Voigt, Kölner Technoproduzent und u.a. Mitgründer des wegweisenden Labels Kompakt nach vielen Clubprojekten und minimalistischem Konzept-Techno sein ambientes Projekt Gas gestartet und in den 90er Jahren vier vielbeachtete Alben veröffentlicht. Im letzten Jahr hat er den Faden mit „Narkopop“ wieder aufgenommen, nun folgt „Rauschen“. Die Grundkonstellation ist konstant: Als Basis ein Herzschlagbeat, darüber wogendes Rauschen und klassizistische Zitate (Kompakt).

Zehn Jahre nachdem das Frankfurter Label Analog Africa mit der Compilation „African Scream Contest“ mit Funk und Soul aus dem Benin der 60er- und 70er Jahre startete, wird das Jubiläum mit dem zweiten Teil „African Scream Contest 2“ gefeiert. Samy Ben Redjeb hat wieder tief in den Kisten gestöbert, um einen würdigen Nachfolger zusammenzustellen. 14 Stücke verschiedener Bands und Orchester, darunter auch wieder Poly-Rythmo de Cotonou, denen zwischenzeitlich mehrere Compilations und Reissues gewidmet wurden, findet man hier. Inspiriert von Funk und Soul, verströmen die energetischen, mitreißenden Stücke immer auch sehr viel Lokalkolorit. Schöne Geburtstagstorte – auf die nächsten 10 Jahre!

Christian Meyer-Pröpstl

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