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Wandlungsfähiger als manch seiner Fans: James Holden
Foto: Laura Lewis

Psychedelic Underground

29. März 2018

Live-Attraktionen aus den letzten Jahrzehnten – Unterhaltungsmusik 04/18

James Holden hat seinen Signature-Sound komplett umgebaut: Den Wandel vom Technoact zum krautigen Afro-Jazz Bandprojekt haben ihm einige alte Fans nicht verziehen, und wohl auch die Verwandtschaft beider Ansätze übersehen. Klar, mit der Backingband The Animal Spirits klingt das auf dem grandiosen Album vom letzten Jahr sehr anders, strukturell ist die Musik aber vergleichbar, dreht und kreiselt psychedelisch in andere Welten. Nur die Flöten muss der Technohead erst mal schlucken (4.4., 20 Uhr, Club Bahnhof Ehrenfeld). Dublegende Lee „Scratch“ Perry ist schon über 80 Jahre alt, steht aber immer noch auf der Bühne. Der Wegbereiter des Dub hat unzählige Singles und Alben gemacht. Der zwanzig Jahre jüngere Mad Professor ist nicht minder produktiv als Produzent und hat schon etliche Alben mit Lee Perry veröffentlicht. Wer Reggae-Geschichte live erleben will, ist hier richtig (9.4., 20 Uhr, Club Bahnhof Ehrenfeld).

Achim Reichels Karriere reicht bis in die frühen 60er Jahre und ist durchzogen von Brüchen: Mit den Rattles gehörte er zu den „deutschen Beatles“, dann zu dem One-Hit-Wonder Wonderland, machte in den späten 70ern Volksmusik und in den 80er Jahren Pop und immer wieder Mainstream-Kram, zu dem seine Früh-70er-Krautrock-Exkursion als A.R. & the Machines einfach nicht passen will. Denn da hat er mit Gitarre, Percussion und elektronischen Effekten auf einer „grünen Reise“ psychedelische Räume erkundet, die auch heute noch spannend klingen. Zwar hat er das zwischenzeitlich vergessen, viele seiner Fans aber nicht, so dass er nun doch wieder zu diesen Sounderkundungen zurückgefunden hat und damit durch die Hallen der Nation tourt. Das für Köln geplante Konzert muss leider ausfallen, das am 12.4. um 20 Uhr im Dortmunder Konzerthaus findet statt. Die Kompott-Party ist seit 15 Jahren eine Institution für Balkan-Sounds und veranstaltet regelmäßig Partys, die gerne mit Konzerten kombiniert sind. Zum Jubiläum haben die Veranstalter niemand Geringeres als die Amsterdam Klezmer Band eingeladen, die schon beim Konzert für Partystimmung sorgen wird. Danach geht‘s wie immer weiter mit Party (14.4., 22 Uhr, Stadtgarten).

Nach kleiner Winterpause hat die Reihe „Sounds Wrong, Feels Right“ wieder zwei Acts zu einem kleinen, die Ohren herausfordernde Paket geschnürt: Der Japaner Sugai Ken spielt in seinen akustische und elektronische Sounds vereinenden Stücken mit traditionellen japanischen Klängen. Rein elektronische Soundscapes mit harschen Sample-Collagen kommen von der US-Amerikanerin Swan Meat. Während Ersterer durchaus zum Wohlklang tendiert, favorisiert Letztere eher Musik als Hörattacke (16.4., 20 Uhr, Stadtgarten). Protomartyr aus Detroit entsprechen nicht mehr so ganz dem rauen Motor-City-Sound, sondern sind betont kühl – sowohl musikalisch als auch bei den Vocals. Einst verglichen mit The Fall oder Wire, erinnern sie aktuell auch an Postrock-Pioniere wie Slint: Spoken Word mit elegischen Gitarren und sich aufbäumenden Soundwänden darf man hier erwarten (22.4., 19.30 Uhr, Gebäude 9). Die Nerven: 2012 tauchte diese junge Band mit dem tollen Bandnamen auf, veröffentlichte bis 2015 drei Alben sowie 2017 ein Livealbum und es gab diverse Nebenprojekte mit nicht minder tollen Namen wie All diese Gewalt oder Karies. Ein neues Studioalbum ist eventuell in Planung, aber live ist ihr schmirgelnder Post Punk immer eine Attraktion (23.4., 20.30 Uhr, Gebäude 9).

Christian Meyer-Pröpstl

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