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Beherrscht das Spiel mit den Posen: Rapperin Haiyti aus Hamburg
Foto: Tim Bruening

Pose & Pathos

22. Februar 2018

Große Gesten zwischen Rap, Rock und Radau – Unterhaltungsmusik 03/18

Haiyti ist eine der wenigen Frauen im deutschprachigen Rap-Game und hat gerade ihr erstes offizielles Album „Montenegro Zero“ veröffentlicht. Doch da verabschiedet sie sich zum Teil schon wieder von Rap und Trap mit Four-to-the-floor-Tracks. Das ist zwar mitunter etwas cheesy und die überdrehte Trap-Pose steht ihr besser, aber auch Clubtracks kann sie. Partystimmung gibt‘s in jedem Fall (2.3., 20 Uhr, Clubbahnhof Ehrenfeld). Obituary haben sich 1984 unter dem Namen Executioner gegründet und erst zur Veröffentlichung ihres Debüts 1989 umbenannt. Sie zählen zu den ganz frühen Death Metal-Bands. Die Sonne ihrer Heimat Florida hat ihnen in den letzten dreißig Jahren nicht geschadet, und so klingen sie auch heute noch schnell und düster, auch wenn sich inzwischen ein paar melodische Elemente in ihre Musik eingeschlichen haben (3.3., 19 Uhr, Luxor). Vier Alben hat Will Wiesenfeld alias Baths seit 2010 bei dem Hip-Hop-/Indie-Label Anticon veröffentlicht – zuletzt im November die Platte „Romaplasm“. Der Elektroniker friemelt gerne analoge Sounds in seine betont sonnigen Stücke, die einem das Herz aufgehen und zugleich die Tanzfläche stürmen lassen (7.3., 20 Uhr, Yuca).

Jetzt also schon im Palladium: In den letzten Jahren haben sich die einst vom Verfassungsschutz beobachteten Feine Sahne Fischfilet zum Festival-Act gemausert. Ihr Mitgröhl-Punk mit linker Attitüde könnte endlich mal die Toten Hosen ablösen. Wenn sie mit ihrer aktuellen Single „Zuhause“ den ganzen Saal dazu bringen, „Reißt ihre Zäune ein, reißt alle Zäune ein“ zu brüllen, dann kann‘s nicht so falsch sein. Die Bläsersätze und Stagediving gibt es gratis obendrauf (9.3., 20 Uhr, Palladium). Alleinunterhalter Luis Vasquez aka The Soft Moon kann man guten Gewissens in die 80er-Retro-Ecke stellen. Seine Referenz ist Minimal und Dark Wave. Auf seinem letzten, Anfang Februar erschienenen Album „Criminal“ scheint er aber noch mal eine Schippe Staub, Schmutz und Krach draufgelegt zu haben. Auch wenn er nur alleine werkelt: das energetische Geschmirgel klingt apokalyptisch (10.3., 20.30 Uhr, Gebäude 9).

Jetzt feiern sie schon ihr 25-jähriges Bandjubiläum: Die ehemaligen Grundschüler der Hamburger Schule – einst im Schatten von Blumfeld und Die Sterne groß geworden – werden leicht sentimental und erinnern sich an ihre Jugend: Tocotronic besingen auf ihrem neuen Nummer-1-Album „Die Unendlichkeit“ die Höhen und Tiefen einer dissidenten Jugend auf dem Lande. Das werden vielleicht nicht alle ihrer aktuellen Fans so wiedererkennen… aber Pubertät ist ja generell ein Gefühl von Anderssein (13.3., 20 Uhr, E-Werk). Mit ihrem jüngsten Album „Also sprach Zarathustra“ haben Laibach 30-Jahre nach ihrer Theatermusik „Krst Pod Triglavom“ ästhetisch wieder an den damaligen dräuenden Minimalismus angeschlossen. Die Nietzsche-Referenz zeichnet sich durch düstersten Industrial aus. Live sicher eine beeindruckende Pathosmaschine (18.3., 20 Uhr, Die Kantine). Tune-Yards, 2006 von Merrill Garbus gegründet, inzwischen aber als Band aktiv, wandelt sich immer mehr vom Art-Pop à la Dirt Projectors zum Club-Act. Garbus singt immer noch und es klappert und rattert komplex, aber der Beat auf der neuen Single „Heart Attack“ von dem vierten Album „I Can Feel You Creep Into My Private Life“ ist überraschend straight (24.3., 20.30 Uhr, Gebäude 9).

Christian Meyer-Pröpstl

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