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Patricia Petibon
Foto: Bernard Martinez

Raus aus dem Graben

06. Oktober 2021

Kölner Konzertbühne zeigt Großproduktionen – Klassik am Rhein 10/21

Die oft rätselhaft wirkenden pandemischen Auflagen unserer Zeit betreffen das Publikum, viel nachhaltiger aber die Akteure auf der Bühne. So galt angeblich für das Bühnenpersonal die Regel: Küssen erlaubt, aber eine Flasche anreichen untersagt. Eine wirksame Waffe, um dem Wahnsinn zu entfliehen, bietet sich dem Musiktheater: Bringen wir die Oper auf die Konzertbühne. Genau dies geschieht in diesem Monat mehrfach in der Kölner Philharmonie.

Wie fantastisch und intensiv ein solches Unternehmen gelingen kann, zeigte sich beim Besuch des Bayreuther Festspielorchesters, einer ersten Reise-Tournee mit dem ersten Aufzug der Walküre aus dem „Ring der Nibelungen“ – eine Wucht, das aus dem Graben befreite, riesige Orchester und die mächtigen Wagnerstimmen am Bühnenrand konzertant zu erleben.

Ähnlich mythisch wie in Wagners Sagenwelt geht es in Maeterlincks Drama „Pelléas et Mélisande“ (17.10.) zu, das Claude Debussy zu einer Oper gestaltete. „Es ist eine Musik, in der die Farbe extrem präsent ist“, sagte François-Xavier Roth zu diesem Lieblingsstück. Der französische Gürzenich-Kapellmeister bringt diesmal das von ihm gegründete Orchester „Les Siècles“ aus seiner Heimat mit, ein Ensemble mit Originalinstrumenten der Zeit. Es muss nicht immer wirklich „alte“ Musik sein, das Stück stammt ja aus dem 20. Jahrhundert.

In der Oper am Gänsemarkt in Hamburg ragen nur die langen Giraffenhalslauten aus dem Graben, wenn wirklich Alte Musik aufgeführt wird. Georg Philipp Telemann, in seiner Zeit der beliebteste Komponist in Deutschland und Stadtmusikdirektor der Hansestadt, hat viele Werke für dieses Haus geschrieben. Erst 1978 wurde sein „Orpheus“ wiederentdeckt, Mitte der Neunziger vom ehemaligen Countertenor und heutigen Dirigenten René Jacobs in Berlin aufgeführt. Mit dem belgischen B´Rock Orchestra und einer ganzen Riege erstklassiger Barockstimmen musiziert er den Plot jetzt philharmonisch (25.10.).

Stardirigent Sylvain Cambreling präsentiert ein ganz aktuelles frisches Werk des italienischen Komponisten Francesco Filidei, der Texte von Dante Alighieri und Edgar Allen Poe verquickt: Stützen der Gesellschaft versuchen sich vor einer grassierenden Seuche in Sicherheit zu bringen – ein Opernstoff mit Opernbesetzung, im Konzertsaal ein Oratorium: The Red Death (21.10.)!

Olaf Weiden

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