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Prof. Dr. Karl Lauterbach
Foto: Susie Knoll

Im Zweifel für die Gesundheit

29. Mai 2019

Wessen Interessen vertritt Prof. Dr. Karl Lauterbach? – Nachgefragt 06/19

Heidelberg, München und Berlin –die drei Gesundheitsstandorte spielen in einer Liga, der Bundesliga, wenn es um Spitzenmedizin in Deutschland geht. Der Standort Köln spielt hier nicht mit – ist vor allem für die Charité in Berlin aktuell keine nennenswerte Konkurrenz. Die Diskussion über die kommunale Krankenhausstruktur – ein möglicher Verkauf der städtischen Kliniken an die Uniklinik – sie schwelt seit langem. Den Vorschlag von Prof. Dr. Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion sowie der KölnSPD,eine Expertenkommission zur Prüfung der Voraussetzungen für eine Vernetzung der Kliniken in Köln einzusetzen, hat der Stadtrat nicht aufgegriffen. Die Ratsmehrheit lehnte den Vorschlag ab. Gefordert haben die Sozialdemokraten die Kommission bereits im Juni 2018; aktuell fordern sie Oberbürgermeisterin Henriette Reker erneut dazu auf, eine derartige Kommission einzusetzen. „Während in Köln noch geprüft wird, hat Berlin jetzt gehandelt“, betont Michael Paetzold, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion. Den Verkauf der städtischen Kliniken an die Kölner Uniklinik lehnt die hiesige SPD jedoch weiterhin strikt ab. Er sei der falsche Weg und greife vor allem zu kurz.

„Die KölnSPD setzt sich dafür ein, die Kliniken der Stadt Köln als unverzichtbaren Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge für die Zukunft sicher aufzustellen. Die Bürgerinnen und Bürger brauchen heute wie morgen die verlässliche Versorgung der Kliniken der Stadt auf hohem medizinischen Niveau“, sagt Paetzold. Hingegen sei eine vernetzte Krankenhausstruktur der richtige nächste Schritt. Dass nun ausgerechnetKarl Lauterbach, immerhin direkt gewählter Abgeordneter der SPD im Wahlkreis Leverkusen / Köln IV, einem Ruf nach Berlin gefolgt ist und dort derZukunftskommission „Gesundheitsstadt Berlin 2030“ vorsitzt, verwundert in dem Kontext sehr. Schließlich formuliert Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin und Senator für Wissenschaft und Forschung, keine geringere Zielsetzung als: „Wir wollen Berlin bis 2030 zur europäischen Top-Adresse in der medizinischen Forschung und Versorgung machen. Mit der Charité und Vivantes verfügt Berlin über das größte Universitätsklinikum und den größten kommunalen Krankenhauskonzern in Deutschland.“ Lauterbachergänzt dazu: „An keinem deutschen Standort sind die Potenziale, diesen Anforderungen zu begegnen, größer als in Berlin.”

Pascal Hesse
Foto: Stefanie Lawrenz
​Pascal Hesse, investigativer Journalist für trailer, engels, choices, FOCUS und [recherche|kollektiv].
Er ist im Vorstand DJV NRW.

'Nachgefragt: Der Weg des Geldes' ist seine Kolumne

Hier stellt sich durchaus die Frage, inwieweit ein direkt gewählter Abgeordneter die Wählerinnen und Wähler in seinem Wahlkreis moralisch hintergeht, indem er dem Gesundheitsstandort Berlin hilft eine Vorreiterstellung in Europa einzunehmen, während Köln mit dem zuvor skizzierten Zusammenschluss Ähnlichesgelingenkönnte.Nachgefragt bei Karl Lauterbach weicht sein Büro der Frage aus, warum er sich in der Berliner Zukunftskommission engagiere, jedoch nicht – in dem Ausmaß – in seinem Wahlkreis für den Gesundheitsstandort und die Spitzenmedizin vor Ort. Die Frage, ob er nicht gegen die Interessen seines Wahlkreises agiere, wenn er die Fusion der städtischen Krankenhäuser mit der Uniklinik Köln ablehne, wodurch jedoch ein ernstafter Konkurrent Berlins im Bereich der Spitzenmedizin entstehen könnte, beantworten Lauterbach und sein Büro nicht direkt – und verweisen lediglich auf ein Statement der KölnSPD. Es stellt sich somit weiterhin die Frage, wessen Interessen Prof. Dr. Karl Lauterbach in dieser Sache wirklich vertritt.


Rückblick: Nachgehakt – Frauen in Führungspositionen

Der frühere US-Präsident Barack Obama schätzt Frauen in Führungspositionen. Wenngleich in Köln eine Oberbürgermeisterin das Sagen hat, sieht es mit den Vorstandsfrauender hundert größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland ziemlich mau aus. In den Vorständen sitzen aktuell nur 8,5 Prozent Frauen; bei 30 Prozent liegt der Anteil in den Aufsichtsräten. Ein Blick auf die Kölner Verhältnisse ernüchtert. Dem Vorstand des Spezialchemie-KonzernsLanxess AG (MDAX) gehört keine einzige Frau an. Gleiches gilt für die Deutz AG (SDAX), ein Hersteller von Diesel-, Gas- und elektrifizierten Motoren, und Ströer Media (SDAX), die in der Vermarktung von Online- und Außenwerbung tätig sind.Immerhin: im Vorstand derDeutsche Lufthansa AG (DAX) ist einer von fünf Vorstandsstühlen weiblich besetzt – nicht aber der Vorstandsvorsitz.

Pascal Hesse

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