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Lesesaal der KMB im Museum Ludwig
Foto: KMB

Das Stiefkind

13. Mai 2020

Attraktiv, aber wenig bekannt: die Kunst- und Museumsbibliothek – Kulturporträt 05/20

Mit kulturellen Schätzen ist Köln reich gesegnet, man sieht sie aber oftmals nicht. So fällt den Besuchern des Museum Ludwig bzw. des Filmforum NRW beim Kinobesuch mitunter auf, dass sie im Treppenhaus außergewöhnliche Beispiele der Buchkunst betrachten können. Solche Ausstellungen gibt es seit rund 60 Jahren, also lange bevor das Museum Ludwig überhaupt existierte. Die Präsentationen historischer, aber vor allem aktueller Buchkunst, mit zum Teil atemberaubenden Werken, werden von der Kunst- und Museumsbibliothek organisiert. Sie besteht seit 1957 und umfasst über 500.000 Medien. In ihrem Bestand befinden sich neben Kunstbüchern auch Videos, Schallplatten und DVDs. Aufgelistet sind hier alleine 150.000 Künstler mit Zeitungstexten und Ausstellungspublikationen. Man kann sich diesen enormen Fundus auch deshalb schwer vorstellen, weil die Bibliothek auf fünf verschiedene Orte in der Stadt verteilt ist, und Lesesäle im Museum Ludwig und im Museum für Angewandte Kunst Köln (MAKK) unterhält.

Die Bibliothek besitzt einen Doppelcharakter, wie ihr stellvertretender Leiter, Thomas Romándi, erklärt: „Sie bietet zum einen den Museen und ihren Kuratoren eine Arbeitsgrundlage, darüber hinaus steht sie jedoch den Bürgern der Stadt offen.“ Ihnen soll ganz bewusst die Möglichkeit geboten werden, sich hier inspirieren zu lassen. Aber Thomas Romándi sagt auch: „Bibliotheken sind lästig.“ Jedenfalls sind sie dem Kölner Rat lästig. Welch gute Idee lag doch dem Vorhaben zugrunde, die Kunst- und Museumsbibliothek im Stadtarchiv zu integrieren, das nach dem Zusammenbruch in der Altstadt in einen Neubau an der Universität zieht. Ist sie doch mit ihrer Buchkunst und den Fotografiebeständen höchst attraktiv für die Bürger. Der Rat wollte jedoch Geld sparen und beließ die Bibliothek in ihrem Provisorium. Ja, der ehemalige Kulturdezernent Georg Quander ging noch einen Schritt weiter, indem er die Bibliothek gleich entsorgen wollte. Internationale Proteste konnten dieses Vorhaben verhindern.

Die Entscheidung des Rates von gestern, fällt ihm nun auf die Füße. Denn im nächsten Jahr laufen die Mietverträge für einen großen Teil der Verwaltungsräume aus. Zu spät, um der Bibliothek eine würdige Heimstatt für die Zukunft zu sichern. Man wird neue Anmietungen finden müssen in einem städtischen Umfeld, dessen Mietspiegel permanent ansteigt. Wer eine Bibliothek nicht als Kulturgut versteht, und mit dem Ort nicht mehr verbindet als die Feststellung: „Da stehen Bücher“, wie es Thomas Romándi ironisch formuliert, der verkennt, dass Bibliotheken schon jetzt als die Orte genutzt werden, in denen die Zukunft stattfindet. Schüler und Studenten entdecken Bibliotheken wieder als kontemplative Orte, in denen man arbeiten, sich aber auch treffen kann. Das digitale Zeitalter verlangt geradezu nach ihnen, auch weil hier Buchkultur und Mediennutzung miteinander verknüpft werden.

Eine Ausstellung mit dem Titel „Das Einzige, was bleibt“ soll sich dem seit 40 Jahren existierenden Kunstraum Fuhrwerkswaage widmen, konnte jedoch noch nicht eröffnen.

Viele junge Künstler begannen dort ihre Karriere, die Bibliothek zeigt Beispiele der kunstvoll gestalteten Kataloge.

Kunst- und Museumsbibliothek | Eingang Filmforum NRW Bischofsgartenstraße 1 | vorraussichtlich geschlossen bis 4. Mai | 0221 22 12 24 38

Thomas Linden

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