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Frauenschicksale

26. Oktober 2017

Selbstfindung, Rückbesinnung und gute Taten – ComicKultur 11/17

Ulli Lust hat mit ihrem autobiografischen Graphic Novel-Debüt „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ ihre Meisterschaft im visuellen Erzählen bezeugt und mit ihrer nicht minder gelungenen Adaption von Marcel Beyers Roman „Flughunde“ bewiesen, dass sie nicht nur aus ihrem eigenen Leben schöpfen kann. Insofern kann sie sich mit „Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein“ einer Art Fortsetzung ihres Debüts widmen. Die schwangere, 17-jährige Ulli aus ihrem Erstling ist nun 23 und ihr bei Ullis Eltern lebender Sohn 5 Jahre alt. Zwischen Geldnot und dem Wunsch künstlerisch zu arbeiten hangelt sie sich durch das Leben, ist aber vor allem zwischen einer platonischen Liebe zu dem älteren Schauspieler Georg und dem leidenschaftlichen Afrikaner Kimata hin- und hergerissen. Die Protagonistin droht sich zwischen ihren Bedürfnissen, den Erwartungen und dem Kulturclash zu verlieren. Der Comic erzählt auf bewegende Art zugleich voller Energie, Selbstzweifel, Leidenschaft und Skepsis von einer langsamen Selbstfindung (Suhrkamp).

Barbara Yelin hat zuletzt mit der epischen Geschichte „Irmina“ um eine Frau in der NS-Zeit für Furore gesorgt. Für „Der Sommer ihres Lebens“ hat sie eine Geschichte von Thomas von Steinaecker illustriert, in der wie in „Irmina“ eine alte Frau auf ihr Leben zurückblickt. Virtuos verbindet sie die Gegenwart in einem Altersheim mit den Erinnerungsfetzen der alten Gerda, die sich als junge Frau zwischen Familie und Karriere entscheiden muss. Eine berührende Geschichte, nur das Ende wirkt etwas abrupt – man würde auch gerne etwas über Gerdas Herbst erfahren (Reprodukt). Aude Picault begleitet in „Ideal Standard“ die frustrierende Suche der Mittdreißigerin Claire nach einem geeigneten Lebensgefährten. Mit wenigen Strichen erzählt sie eine Geschichte, die die Männer nicht gerade im besten Licht zeigt, aber Claire als selbstbewusste Frau feiert (Reprodukt). Birgit Weyhe hat bereits mehrere autobiografisch inspirierte Comics veröffentlicht, die ihre Kindheit und Jugend in Afrika thematisieren. In der Sammlung „Ich weiß“, die bereits 2008 das erste Mal in dem Kleinverlag Mami erschien, teilt sie ihre Kindheitserlebnisse in mal anekdotischen, mal allegorischen Schwarzweiß-Bildern  zwischen Wirklichkeit, Legende und kindlichem Missverständnis (Avant Verlag).

Für „Liebe deinen Nächsten“ sind die Autorin Gaby von Borstel und der Zeichner Peter Eickmeyer drei Wochen im Sommer 2016 mit dem Rettungsschiff MS Aquarius auf dem Mittelmeer gefahren und haben die Rettung von Flüchtlingen begleitet. Ihre Comic-Reportage ist betont sachlich gehalten und zeigt die Arbeit der Schiffsbesatzung, der Rettungsmannschaft und des Ärzteteams, wirft aber auch grundsätzliche moralische und politische Fragen auf. Mit dem Kauf des Bandes unterstützt man die Arbeit von SOS Mediterranee (Splitter). Charles M. Schulz hat mit den „Peanuts“ einen 50 Jahre währenden Klassiker der Comic-Strips geschaffen. 1950 erschien die erste, im Jahr 2000 erschien einen Tag nach dem Tod seines Schöpfers die letzte Folge des Strips um den Hund Snoopy, dessen Halter Charlie Brown und die anderen Kids mit ihren kindlichen Erlebnissen voller psychologischer Fallstricke. Mit „Sonntagsseiten: Snoopy, der Star!“ versammelt der Carlsen Verlag nun über 500 der farbigen Sonntags-Geschichten. Chronologisch spiegeln die Strips der Jahre 1961-1970 einen Höhepunkt von Schulz‘ Schaffen, mit dem er auch die Zeitgeschichte gespiegelt hat.

Christian Meyer-Pröpstl

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