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Jan Jelineik
Foto: Ruth Medjber

Die Philharmonie als Raumschiff

27. Februar 2019

Reihe „Round – Konzert mit elektronischer Musik“ – Kulturporträt 03/19

Wie ein Labor erscheint die Philharmonie in der elektronischen Reihe „Round“. Die Bühne ist um 180 Grad gedreht, das Publikum schaut sechs Meter vom Bühnenboden erhöht auf die MusikerInnen hinab. Es ist dunkel. Der rot erleuchtete Boden lässt die Philharmonie wie ein Raumschiff erscheinen. Vier Mal pro Spielzeit präsentieren die Programmleiter Thomas Meckel und Tobias Thomas mit dem Round-Format Künstler*innen, „die in irgendeiner Weise mit elektronischer Musik zu tun haben“. Die Acts kämen aus Popkultur und elektronischer Subkultur auf der einen Seite und verbänden diese mit Elementen und Strategien aus Kunst und Theater, der Hochkultur auf der anderen Seite, so Thomas Meckel. Diese Richtlinie ist bewusst breit gefasst. „Wir legen uns nicht auf einen speziellen Stil fest, sondern sehen es als ein Format, in dem viel ausprobiert werden kann.“ In der Praxis heißt das, in Round sowohl Bands wie die Krautrock-Gruppe Transport zu erleben, aber auch Künstler*innen, die mit Sampling, Ambientmusik oder sogar Hörspielen arbeiten.

Für die Künstler*innen ist es eine performative Neuerfahrung, in dem klassischen Konzerthaus aufzutreten, die auch inhaltliche Fragen aufwirft. „Da ist dann so eine Band, die ist vielleicht ein bisschen vulgär und steht jetzt aber in der Philharmonie mit diesen Klappsesseln.“ Auch bei Daniel Brandt & The Eternal Something in Round #2 wippt schon einmal ein Fuß oder Kopf, aber anders als sich das Publikum in den Clubs, in denen die Band sonst auftritt, vom Beat tragen lässt, ist es in der Philharmonie förmlich dazu gezwungen, die Musik anders wahrzunehmen. „Man macht die Augen zu und lässt den Rhythmus so anders auf sich wirken, tranciger.“

Bevor die erste Round im September 2018 auf die Bühne gebracht wurde, sei es das Bestreben gewesen, „in einem riesigen Raum eine intime Situation zu kreieren, die sich im Zentrum abspielt, umgeben vom leeren Saal“, erklärt Meckel. Aber statt intim zu sein wird Round zu einem distanzierten, cineastischen Erlebnis. „Das hat auch Vorteile, weil man anders mit dem Raum, dem Visuellen spielen kann.“

Klassische Konzerthäuser für Popkultur zu öffnen, sei keine Neuheit, sagt Meckel. Kooperationen zwischen Philharmonie, c/o pop und dem Acht Brücken Festival bieten in Köln schon seit einiger Zeit eine Schnittstelle zwischen den Szenen. Formate wie Round könnten zwischen den Szenen eine Übersetzung schaffen. Tobias Thomas und Thomas Meckel, die auch durch ihre Arbeit beim c/o pop Festival viel Zeit in der Kölner Popkultur verbracht haben, verstehen sich in einer Vermittlerrolle. Meckel sieht diese Suche nach Überschneidungen sogar als eine Notwendigkeit. „Künstler in Köln sind dazu gezwungen, in ganz viele Richtungen zu schauen. Sonst wäre man ganz schön alleine in seiner Szene. So groß ist sie nämlich nicht.“

Round zieht neue Gesichter in die Philharmonie und überrascht Philharmoniebesucher mit ungewohnten Inhalten. Meckel sieht in dem Format viel Potenzial. „Wenn eine Person in einem Konzert sitzt, die da nicht hingehört, ist das schon ein Erfolg.“

In der nächsten Round am 14. März steht Jan Jelinek auf der Bühne im großen Saal. Der Sampling-Künstler wurde spätestens mit seinem Album „Loop-Finding-Jazz-Records“ (2001) zu einer Heldenfigur, dessen experimentellen Ansätzen viele Künstler*innen nachfolgten. Für Meckel ein idealer Act für Round, da er „so viele innovative Strömungen in der elektronischen Musik benutzt, Popmusik versteht und damit so interessant umzugehen weiß”. 

Auch Round #4 im Juni dürfte interessant werden. Hier wollen die Veranstalter noch mehr auf visuelle Elemente und auf mehr Diversität beim Kuratieren der Acts setzen. 

Round #3 – Konzert mit elektronischer Musik: Jan Jelinek | Do 14.3. 21 Uhr | Kölner Philharmonie | 0221 280 280

Ann-Christin Bloch

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